Streichfarbe

Der Begriff Streichfarbe (auch Streichmasse) ist in der Papierindustrie geläufig und bezeichnet Anstrichmittel, bestehend aus Pigmenten, Bindemittel und Additiven, die auf die Papieroberfläche mit speziellen Streichmaschinen zur Oberflächenveredelung des Papiers aufgetragen (gestrichen) werden. Diese Papiere werden als „gestrichene Papiere“ bezeichnet und zeichnen sich durch eine bessere Bedruckbarkeit und Haptik aus.

Die Oberflächenbehandlung von Papier mit Bindemittel, aber ohne Pigmente, wird als Leimung bezeichnet.

Historische Entwicklung

Gestrichene Papiere sind bereits im alten China und in Arabien bekannt gewesen. Dabei verwendete man Stärke und Mineralien, die mit der Hand auf die Papieroberfläche aufgestrichen wurden (Handpapiermacherei). Maschinell wurden Streichfarben erstmals im Jahre 1866 in Dresden mit einer Walze auf Papier aufgetragen und anschließend mit Bürsten verrieben und geglättet. Die weitere Entwicklung wurde in Deutschland durch die Buntpapierfabrik in Aschaffenburg und durch die Papierfabriken Scheufelen (1892) und Zanders (1895) vorangetrieben. Die technische Weiterentwicklung der Online-Streichmaschinen führte zu Maschinen mit einer Breite von über 10 Meter und einer Laufgeschwindigkeit von über 3000 m/Min.

Ziele der Oberflächenveredelung

Stricharten

Zusammensetzung von Streichfarben

Die Hauptbestandteile von Streichfarben sind:

Der Feststoffanteil beträgt in einer Streichfarbe etwa 65–70 Gew.%, davon fast 90 % Pigmente. Der Bindemittelanteil liegt bei 10–15 Gew.% (bezogen auf die Trockensubstanz), alle anderen Additive werden in geringen Konzentrationen (unter 1 Gew.%) zugegeben. Von besonderer Bedeutung ist die Auswahl der Pigmente, denn sie bilden den eigentlichen „Körper“ des Strichs. Die Auswahl der Pigmente richtet sich nach den Qualitätsanforderungen der gestrichenen Papiere, zum Beispiel:

In der Regel stehen Bedruckbarkeit und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Zur Erzielung optimaler Qualitäten müssen Pigment und Bindemittel (zum Beispiel hart oder weich) aufeinander abgestimmt sein. Bei der Auswahl der Pigmente sind die wichtigsten Kriterien die Teilchengröße (0,1 bis 5 µm), die Teilchenform (Plättchen, Kugeln, Nadeln), die Weiße und der Bindemittelbedarf. In der Hauptsache werden Calciumcarbonate, Kaoline und Talkum verwendet. Als Spezialpigmente mit besonderen Effekten wie Glanz und Haptik werden Satinweiß (Calciumaluminatsulfat) oder calcinierte Clays eingesetzt. Weil Streichpigmente kostengünstiger sind als Zellstoff, und weil auch Recycling-Papiere mit Streichpigmenten aufgewertet werden können, ist der Bedarf an Streichpigmenten enorm gewachsen. Alleine in Europa werden inzwischen über 10 Millionen Tonnen pro Jahr verwendet.

Sorten von gestrichenen Papieren

Streichrohpapiere können holzhaltig oder holzfrei sein (siehe Papier). Gestrichene Papiersorten sind vor allem Kunstdruckpapiere (Buchdruck), Magazindruckpapiere (Illustrierte) und Faltschachtelkartons, während zum Beispiel Zeitungspapiere oder Büro-Copierpapiere nicht oder nur minimal gestrichen sind. Die Qualitätsanforderungen des Strichs richtet sich vor allem nach dem Druckverfahren (Offsetdruck / Tiefdruck). Das „Strichgewicht“ (Auftragsgewicht) kann 10 bis 30 g/m² je Seite (Oberseite oder Unterseite) betragen und bis zu 50 % des Papiergewichtes ausmachen. Je nach Strichgewicht werden gestrichene Papiere in verschiedene Klassen eingeteilt:

  • Bei Minimalstrichen von unter 5 g/m² spricht man von oberflächenpigmentierten Papieren.
  • ULWC-Papiere (ultra light weight coated paper) liegen im Bereich von 5–6 g/m² Strichgewicht je Seite
  • LWC-Papiere (light weight), 7–12 g/m² je Seite
  • MWC-Papiere (medium weight), 10–15 g/m² je Seite
  • HWC-Papiere (heavy weight) bis 20 g/m² je Seite
  • Kunstdruckpapiere 20–30 g/m² je Seite
  • Faltschachtelkarton 15–30 g/m² je Seite

Technik des Streichens

Beim Streichen von Papier und Karton unterscheidet man zwischen

Arten des Auftrags

Arten des Strichs

Literatur