
Eine Streusiedlung ist eine nicht geschlossene Siedlungsform, die aus Einzelhöfen besteht, bei denen die spezialisierten Ökonomiegebäude mehr oder weniger regelmäßig über die ganze landwirtschaftliche Nutzfläche verteilt sind. Dadurch entsteht ein relativ dichtes Siedlungsmuster aus Einzelgebäuden. Die Einzelhöfe liegen mindestens 100 Meter voneinander entfernt.
In Österreich ist für diese Siedlungsform der Ausdruck Zerstreute Häuser üblich, der auch in den statistischen Ortsverzeichnissen verwendet wird.
Streusiedlungen können durch allmähliche, individuelle Besiedlung oder durch geplante Kolonisierung entstehen. In der Regel führte geplante Kolonisierung zu regelmäßigen Siedlungsmustern, individuell und "organisch" besiedelte Streusiedlungen sind dagegen meistens unregelmäßig. Höhenlage, Relief und Klima spielten im Besiedlungsprozess und für die agrare Wirtschaftsform eine wichtige Rolle. Charakteristisch sind traditionelle Streusiedlungen für den ländlichen Raum, wo sie aus verstreuten Gehöften bestehen (Einzelhofsiedlung und ähnliches), es gibt die Form aber auch aus neuerer Zeit beispielsweise in der touristischen Erschließung.

Weitverbreitet findet sich die Siedlungsform im gesamten Alpenraum und angrenzenden Tiefländern rund um die geschlosseneren Orte, im Schwarzwald und im Raum der Böhmischen Masse. Die Grenzlinie zwischen Dorf- und Streusiedlung verläuft etwa von Lausanne, Fribourg, Biel über Bad Säckingen, Badenweiler, Bühl bei Baden-Baden, Freudenstadt, Saulgau, Memmingen, Wolfratshausen, Freising, Regensburg, Weiden und folgt ab Waldsassen der tschechischen Grenze bis Österreich. Alte, unregelmäßige Streusiedlungen (Bauerschaften) sind etwa die vorherrschende Siedlungsform in großen Teilen Westfalens, des Rheinlands, Frieslands und der Niederlande. Hier verläuft die Grenze etwa entlang der Linie Stade, Bremerhaven, die Weser entlang bis Stolzenau, Rinteln, Barntrup, Paderborn, Berleburg, Olpe, Altenkirchen, Linz und anschließend sehr unscharf Echternach, Sedan, Lens, Boulonge-sur-mèr.
In der Schweiz ist die Streusiedlung seit der frühen Neuzeot stark ausgeprägt – im Hügelgebiet des höheren Mittellandes mit Feldgraswirtschaft und im nordalpinen Streusiedlungsgebiet mit Viehwirtschaft.
Ganz aus Streusiedlung bestehende Gemeinden wurden im Niederdeutschen als Bauerschaft bezeichnet (lokal auch Honnschaft).
Junge Streusiedlungen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert sind durch die Kultivierung von Mooren (Norddeutschland, Donauniederung, Spreewald) und Landgewinnung an der niederländischen und deutschen Nordseeküste entstanden. Während der Separation entstandene Streusiedlungen im Oderbruch tragen den Namen Loose (etwa Güstebieser Loose oder Zäckericker Loose).