Strongman ist heute die – der englischen Sprache entlehnte – übliche Bezeichnung für einen Kraftsportler (älter Kraftmensch, Kraftathlet, Kraftakrobat, Schwerathlet), der in verschiedenen Vergleichen mit anderen Strongmen seine körperliche Stärke unter Beweis stellt.
Wegen der unterschiedlichen Anforderungen in den verschiedenen Wettkampfdisziplinen ist bei diesem Sport, im Gegensatz zum Kraftdreikampf (Powerlifting), weniger Maximalkraft als vielmehr Kraftausdauer und Kondition gefragt.
Bis in das 20. Jahrhundert hinein dienten Kraftdemonstrationen in erster Linie der Unterhaltung der Zuschauer und waren vorwiegend als Attraktion auf Jahrmärkten u. ä. zu bestaunen. Mit dem Aufkommen des Fernsehens änderte sich zunächst wenig daran. Gekonnt inszenierte Showeinlagen wie Bratpfanneneinrollen, Telefonbuchzerreißen usw. waren sensationelle Publikumsmagnete, wobei sportliche Aspekte weniger eine Rolle spielten. Erst mit Beginn von organisierten Wettbewerben, die Ende der 1970er Jahre zunehmend auch im Fernsehen übertragen wurden, änderte sich der Strongman-Sport in der Wahrnehmung der Zuschauer. Heute hat er sich zu einer eigenständigen Sportart entwickelt, in der verschiedene Wettbewerbe nach festen Regeln durchgeführt werden.
Mitte der 1970er Jahre wurde für das US-amerikanische Fernsehen das Konzept eines Wettbewerbes entwickelt, in dem sich mehrere Kraftsportler bei unterschiedlichen Disziplinen miteinander messen sollten. Als Vorbild dienten klassische Kraftsportwettbewerbe, wie die Weltmeisterschaften der Berufsgewichtheber und Kraftakrobaten vor dem Zweiten Weltkrieg, bei denen Milo Barus von 1930 bis 1935 den Titel Weltmeister im Lastentragen errang, oder auch die traditionellen Highland Games, in denen seit 1980 auch Weltmeistertitel vergeben werden. Die Disziplinen wurden unter dem Gesichtspunkt ausgewählt, dass möglichst viele Muskelgruppen beansprucht werden. Verschiedene Gegenstände mussten dabei von den Teilnehmern getragen, gehoben, gehalten oder gezogen werden.
1977 feierte dieses Sendeformat unter dem Namen The World's Strongest Men („Die stärksten Männer der Welt“) bei CBS Premiere. In den ersten Jahren wurde noch dem ursprünglichen Charakter solcher Attraktionen Rechnung getragen, indem dieser Wettkampf vorwiegend in US-amerikanischen Freizeitparks (Universal Studios Hollywood, Magic Mountain) ausgetragen wurde. Zum Teilnehmerfeld zählten fast ausschließlich einheimische Athleten aus verschiedenen „kraftbetonten“ Sportarten, wie Gewichtheben, Powerlifting, Bodybuilding, American Football oder Wrestling. Mit Bill Kazmaier, der den Wettbewerb Anfang der 1980er Jahre dreimal in Folge gewinnen konnte, hatte der Strongman-Sport schließlich seinen ersten Star.
1982 verkaufte CBS die Rechte an The World's Strongest Men an die Sportmarketing-Firma Trans World International (TWI), die sich von nun an um die organisatorischen Dinge rund um den Wettbewerb kümmerte (Auswahl der Athleten, Abschließen der Fernsehverträge usw.). Der Wechsel in der Führungsetage führte auch zu spürbaren Änderungen am Sendeformat. So wurde die Veranstaltung, nach dessen Muster mittlerweile – vorrangig in Europa – weitere Strongman-Wettbewerbe veranstaltet wurden, beim US-amerikanischen Konkurrenzsender ABC fortan unter dem geänderten Namen The World’s Strongest Man („Der stärkste Mann der Welt“) (kurz: WSM) ausgestrahlt. Die neue Bezeichnung wurde dabei gewählt, um den Anspruch auf die einzig legitime Ermittlung des weltweit stärksten Athleten zu verdeutlichen. Eine weitere Änderung betraf den Austragungsort der Strongman-Konkurrenz. So fand der Wettbewerb im Jahr 1983 erstmals außerhalb der USA statt (Christchurch/Neuseeland). Auch das Teilnehmerfeld dieser inoffiziellen Weltmeisterschaft war diesmal von internationaler Konkurrenz geprägt. So kam mit dem Briten Geoff Capes der Sieger erstmals nicht aus den Vereinigten Staaten. In diesem Turnier belegte mit dem Isländer Jón Páll Sigmarsson ein Athlet den zweiten Platz, der sich in den nächsten Jahren die Krone des „Stärksten Mannes der Welt“ insgesamt viermal aufsetzen konnte und so zum Nachfolger Kazmaiers wurde.
In den Folgejahren nahm die Anzahl der Wettbewerbe weiter zu. Auch im Fernsehen wurden immer öfter Strongman-Entscheidungen übertragen. Die Einführung neuer Disziplinen sorgte darüber hinaus für Abwechslung und führte zu einem Anstieg des Zuschauerinteresses. Immer mehr Athleten, vorwiegend Gewichtheber und Powerlifter, begannen mit dem lukrativeren Strongman-Sport. So existierte bereits Anfang der 1990er Jahre eine Szene von professionellen Kraftsportlern, die ausschließlich diesen Sport betrieben. Die Leistungsdichte nahm zu. Den Wettbewerb des stärksten Mannes der Welt prägte in dieser Zeit erneut ein Isländer. Der ehemalige Powerlifter Magnús Ver Magnússon konnte den World's Strongest Man dabei ebenfalls viermal gewinnen – dabei gelang ihm in den Jahren 1994 bis 1996 wie schon Kazmaier vierzehn Jahre zuvor ein Hattrick.
1995 wurde unter dem Namen IFSA Holdings Limited (International Federation of Strength Athletes) die Dachorganisation der internationalen Strongman gegründet, die u. a. ab diesem Zeitpunkt als Mitausrichter des WSM-Wettbewerbes fungierte.
Anfang des 21. Jahrhunderts war beim Strongman-Sport eine deutliche Verschiebung der Kräfteverhältnisse zu beobachten. Waren bisher vorwiegend Athleten aus Nordeuropa erfolgreich gewesen, konnten mittlerweile immer mehr osteuropäische Sportler Erfolge feiern. Auch beim WSM-Wettbewerb ging mit dem Sieg des Norwegers Svend Karlsen der Titel im Jahre 2001 letztmals an ein nordeuropäisches Land. Seitdem sorgten vor allem Athleten aus Polen und den ehemaligen Sowjetrepubliken für Furore. Besonderes Aufsehen erregte dabei Mariusz Pudzianowski, der mit fünf WSM-Siegen hinsichtlich der Titelanzahl zu den beiden bisherigen Rekordhaltern Sigmarsson und Magnússon aufschließen konnte.
Im Jahr 2001 wurden auf Initiative der IFSA und der schwedischen Vermarktungsagentur World Class Events (WCE) verschiedene Strongman-Wettbewerbe zur „IFSA Strongman Super Series“ zusammengeschlossen. Ziel war eine verstärkte Kommerzialisierung des Sports durch die Etablierung einer Turnierserie nach dem Vorbild im Golfsport oder im Tennis. Dabei wurden bei den einzelnen Wettkämpfen nach einem festgelegten System je nach Platzierung Punkte vergeben. Der punktbeste Teilnehmer nach Abschluss dieser Grand-Prix-Serie wurde zum „IFSA World Champion“ ernannt. Parallel dazu wurde der Titel des World's Strongest Man weiterhin in Form eines Einzelwettbewerbs vergeben. Das Teilnehmerfeld beider Wettbewerbe war nahezu identisch.
Mit der Umwandlung des bisherigen Weltverbandes IFSA zur Gesellschaft (IFSA Strongman Limited) im Jahre 2004 begann im Strongman-Sport eine neue Zeitordnung. Unmittelbar nach ihrer Neugründung verkündete die IFSA die Einführung einer offiziellen Weltmeisterschaft. Die als Gegenveranstaltung zum The World's Strongest Man proklamierten „IFSA Strongman World Championship“ wurden fortan ebenfalls im jährlichen Turnus ausgetragen.
Die Agentur World Class Events als Mitausrichter und Rechte-Inhaber der Strongman Super Series schloss dagegen mit dem WSM-Organisator Trans World International einen Kooperationsvertrag. Als Folge dieses Abkommens wurde die bisherige Grand-Prix-Serie unter der neuen Bezeichnung „WSM Super Series“ als Qualifikation zum WSM-Wettbewerb weitergeführt. Dabei bekam der Athlet mit den meisten Qualifikationspunkten den Titel des „WSM Super Series World Champion“.
Analog zur WSM-Turnierserie fungiert seit 2008 bei der IFSA die so genannte „IFSA Strongman Champions League“ als Qualifikationsturnier für die IFSA-Weltmeisterschaft. Beide Turnierserien verfügen über jeweils eigene nationale Verbände und Athleten und wetteifern um die sportliche Spitzenposition im internationalen Geschäft. Mariusz Pudzianowski, der letzte „unumschränkte Weltmeister“, blieb auch nach der Spaltung der Strongman-Szene den WSM-Veranstaltungen treu und konnte seinen Siegeszug in den letzten Jahren fortsetzen. Andere Akteure hingegen folgten der IFSA und nahmen fortan an deren Wettkämpfen teil. In den ersten Jahren konnte dort vor allem der Litauer Žydrūnas Savickas große Erfolge feiern, unter anderem den des IFSA-Weltmeisters 2005 und 2006. Damit avancierte „The Big Z“ gleichzeitig zu Pudzianowskis großem Konkurrenten um den fiktiven Titel des „wahren World's Strongest Man“.

Neben der WSM Super Series und der IFSA Strongman Champions League wurde mit dem von der österreichischen World-Strongman Cup Federation (W.S.M.C.Federation) organisierten „World-Strongman Cup“ eine weitere internationale Turnierreihe ins Leben gerufen. Obwohl von Seiten des Veranstalters sowohl WSM- als auch IFSA-Athleten startberechtigt sind, untersagte es die IFSA wiederholt ihren Athleten, an den W.S.M.C.-Veranstaltungen teilzunehmen. Aber auch auf Seiten der W.S.M.C.-Federation bzw. der WSM-Organisatoren wurde teilweise eine Zusammenarbeit mit der IFSA abgelehnt. Die daraus resultierende strikte Trennung der Strongman-Turnierserien führte schließlich zu einem Prestigeverlust der IFSA-Weltmeisterschaft und des World's Strongest Man, da das Teilnehmerfeld bei beiden Konkurrenzen nicht die gesamte Weltelite im Strongmansport verkörperte. Einzig die Arnold Strongman Classic konnte seither einen Image-Gewinn verzeichnen. Die Grand-Prix-Veranstaltung, die bereits seit 2002 im Rahmen des jährlich stattfindenden Arnold Sports Festival (bis 2005 Arnold Fitness Weekend) ausgetragen wurde, erfuhr seit 2005 eine deutliche Aufwertung, als sie ab diesem Zeitpunkt das einzige Event darstellte, an dem sowohl IFSA- als auch WSM-Athleten teilnehmen durften. Bislang konnten im direkten Vergleich mit der Konkurrenz die Kraftsportler der IFSA die Oberhand behalten. Alles beherrschender Athlet dieser Veranstaltung ist Žydrūnas Savickas, der den Wettbewerb schon vor der Trennung der Strongman-Szene dominierte und seit 2003 insgesamt sechsmal in Folge die Konkurrenz in die Schranken wies. Pudzianowski konnte im Jahre 2006 mit einem dritten Platz seine bislang beste Platzierung bei der Arnold Strongman Classic erringen.
| Jahr | The World's Strongest Man |
|---|---|
| 1977 | Bruce Wilhelm |
| 1978 | Bruce Wilhelm |
| 1979 | Don Reinhoudt |
| 1980 | Bill Kazmaier |
| 1981 | Bill Kazmaier |
| 1982 | Bill Kazmaier |
| 1983 | Geoff Capes |
| 1984 | Jón Páll Sigmarsson |
| 1985 | Geoff Capes |
| 1986 | Jón Páll Sigmarsson |
| 1987 | nicht durchgeführt |
| 1988 | Jón Páll Sigmarsson |
| 1989 | Jamie Reeves |
| 1990 | Jón Páll Sigmarsson |
| 1991 | Magnús Ver Magnússon |
| 1992 | Ted van der Parre |
| 1993 | Gary Taylor |
| 1994 | Magnús Ver Magnússon |
| 1995 | Magnús Ver Magnússon |
| 1996 | Magnús Ver Magnússon |
| 1997 | Jouko Ahola |
| 1998 | Magnus Samuelsson |
| 1999 | Jouko Ahola |
| 2000 | Janne Virtanen |
| Jahr | The World's Strongest Man | IFSA World Champion (IFSA Strongman Super Series) | |
|---|---|---|---|
| 2001 | Svend Karlsen | Magnus Samuelsson | |
| 2002 | Mariusz Pudzianowski | Hugo Girard | |
| 2003 | Mariusz Pudzianowski | Mariusz Pudzianowski | |
| 2004 | Wassyl Wirastjuk | ||
| WSM Super Series World Champion (WSM Super Series) |
IFSA Strongman World Champion | ||
| 2005 | Mariusz Pudzianowski | Mariusz Pudzianowski | Žydrūnas Savickas |
| 2006 | Phil Pfister | Mariusz Pudzianowski | Žydrūnas Savickas |
| 2007 | Mariusz Pudzianowski | Mariusz Pudzianowski | Wassyl Wirastjuk |
| IFSA Strongman Champions League | |||
| 2008 | Mariusz Pudzianowski | Derek Poundstone | Žydrūnas Savickas |
| 2009 | Žydrūnas Savickas | Brian Shaw | Andrus Murumets |
| 2010 | Žydrūnas Savickas | Brian Shaw | Terry Hollands |
| 2011 | Brian Shaw | - | Ervin Katona |
| 2012 | Žydrūnas Savickas | - | Žydrūnas Savickas |
| 2013 | Brian Shaw | - | Krzysztof Radzikowski |
| 2014 | Žydrūnas Savickas | - | Martin Wildauer |
| 2015 | Brian Shaw | - | Krzysztof Radzikowski |
| 2016 | Brian Shaw | - | Dainis Zageris |
| 2017 | Eddie Hall | - | Matjaz Belsak |
| 2018 | Hafþór Júlíus Björnsson | - | Dainis Zageris |
| 2019 | Martins Licis | - | Aivars Smaukstelis |
| 2020 | Oleksii Novikov | - | - |
| 2021 | Tom Stoltman | - | Kelvin De Ruiter |
| 2022 | Tom Stoltman | - | Aivars Šmaukstelis |
| 2023 | Mitchell Hooper | - | Oskar Ziółkowski |
Quelle: The World's Stronges Man Archive und strongmancl.com Results Rankings


