
Als Säulenheiliger oder Stylit (altgriechisch στῦλος stylos ‚Säule‘) wurde zunächst in der Ostkirche ab dem 4./5. Jahrhundert ein Mönch bezeichnet, der zum Zeichen besonderer Askese sein Leben auf dem Kapitell einer Säule zubrachte.
Die Säulenheiligen folgten drei asketischen Prinzipien: dem dauerhaften Verweilen an einem Ort, dem Unbehaustsein und dem Stehen. Das Phänomen entwickelte sich in der Spätantike. Der erste Säulenheilige war Symeon Stylites der Ältere.
Die Säulen waren unterschiedlich hoch (drei Meter und weit mehr), auf dem Kapitell war eine Platte so angebracht, dass der Asket sich in Ruhe ausstrecken konnte. Vor dem Absturz schützte ein Geländer, Schutz vor Regen und Sonne wurde abgelehnt. Einige gingen beim „Stehen“ so weit, dass sie sich lange Zeit nicht hinlegten. Nahrung und Eucharistie erhielten die Säulenheiligen über Leitern. Einige verließen die Säulen nie wieder, andere nur aus bedeutenden Anlässen, bei Verfolgungen oder weil sie zum Bischof gewählt worden waren. Ab dem 6. Jahrhundert wurden verschiedene Styliten zum Priester geweiht oder stiegen erst nach der Priesterweihe auf ihre Säulen. Im Westen des spätantiken Mittelmeerraumes wurden die östlichen Styliten zwar verehrt, aber es gelang der Amtskirche hier lange, Nachahmer zu unterdrücken, die als Bedrohung bischöflicher Autorität wahrgenommen wurden: Gregor von Tours berichtet beispielsweise, bei Trier habe im 6. Jahrhundert ein Mann versucht, Stylit zu werden, doch der örtliche Bischof habe ihn herabgelockt und die Säule sofort zerstören lassen.
Ein georgischer Mönch lebte von 1995 bis 2015 zwei Jahrzehnte als Eremit auf einer 40 Meter hohen Felsnadel, der Kazchi-Säule.
Nach Lukian von Samosata (De Dea Syria 28–29) pflegten auch die Verehrer von Dionysos auf Säulen zu stehen. Dies geschah entweder, um den Göttern näher zu sein, oder in Erinnerung an die Deukalionische Flut. Sie standen in Hierapolis Bambyke zweimal jährlich für jeweils sieben Tage auf einer Säule, die dem Gott Bacchus zu Ehren errichtet worden war.
Die Styliten und das Motiv des „auf der Säule sitzen“ wurden mehrfach rezipiert. Allerdings war der Hintergrund hierbei nicht immer religiös, teilweise auch religionskritisch motiviert.
