| Suchoi Su-24 | |
|---|---|
| Typ | Frontbomber |
| Entwurfsland | |
| Hersteller | Suchoi, Werk Nr. 153 Nowosibirsk |
| Erstflug | 17. Januar 1970 |
| Indienststellung | 1975 |
| Produktionszeit | 1972–1993 |
| Stückzahl | ca. 1400 |
Die Suchoi Su-24 (russisch Сухой Су-24, NATO-Codename: Fencer, zu deutsch Fechter) ist ein zweisitziger taktischer Bomber (Frontbomber), der in der Sowjetunion entwickelt wurde. Nach seinem Einsatz bei den sowjetischen Luftstreitkräften wird er bis heute von den russischen Luftstreitkräften und den Luftwaffen anderer Länder eingesetzt. Die Piloten sitzen wie beim US-amerikanischen Vorbild F-111 nebeneinander.
Mitte der 1960er-Jahre suchten die sowjetischen Frontfliegerkräfte einen Nachfolger für die inzwischen veraltete Jak-28. Nach den Entwürfen S-6 mit konventionellen Pfeilflügeln und T-6 mit Doppeldeltatragflächen und vier Hubtriebwerken im Rumpf, dessen Prototyp T-6-1 am 2. Juli 1967 zum ersten Mal flog, entschied sich Konstrukteur Jewgeni S. Felsner Ende 1967 für eine Lösung mit Schwenkflügeln. Grund waren die schlechten Flugeigenschaften sowie die unzureichende Nutzlast und Reichweite der T-6-1. Ihr Konzept wurde direkt vom US-amerikanischen TFX-Programm beeinflusst, das zur F-111 führte. Die sowjetischen Luftstreitkräfte forderten ein Flugzeug mit ähnlichen Fähigkeiten, wobei man vermutete, dass die Flugeigenschaften auf die Schwenkflügelauslegung zurückzuführen seien. Der Prototyp T-6-2I war im November 1969 vollendet und wurde am 17. Januar 1970 von Wladimir S. Iljuschin erstmals geflogen. Während der Erprobung und Entwicklung der Su-24 gingen zehn Flugzeuge verloren. Acht Piloten, die sich mit dem Schleudersitz retteten, überlebten und 13 starben. Bei keinem anderen Flugzeug des Konstruktionsbüros Suchoi gab es derartig hohe Verluste während der Erprobung. Da die Tests letzten Endes aber erfolgreich verliefen, wurde schon im Dezember 1971 die erste Serienmaschine der Su-24 im Tschkalow-Werk Nr. 153 in Nowosibirsk fertiggestellt. Diese hatte ein gegenüber dem Prototyp geändertes Heck und optimierte Lufteinläufe. 1973 gingen die ersten Serienexemplare zur Truppenerprobung an das 4. Gefechtsausbildungszentrum der Frontfliegerkräfte in Lipezk und 1974 erhielt als erste Einheit das 4. Garde-Bombenfliegerregiment in Tschernjachowsk die Su-24. 1975 wurde die Marine mit der gegenüber den Vorläufern wesentlich leistungsfähigeren, jedoch auch komplexeren Maschine ausgerüstet. Die offizielle Übernahme in die Bewaffnung der sowjetischen Luftstreitkräfte erfolgte mit einem Dekret des Ministerrats der UdSSR am 4. Februar 1975.
Die Su-24 füllt die Rolle eines tieffliegenden, allwettertauglichen Bodenangriffsflugzeugs aus. Die Su-24 ist auch von Behelfsflugplätzen einsetzbar.
Die sowjetischen Vermutungen erwiesen sich als richtig – die Su-24 stellte sich als ein leistungsfähiges Kampfflugzeug heraus, mit guter Reichweite, variabler Bewaffnung (verteilt auf acht Aufhängepunkte; vier Unterrumpf- und vier Unterflügelstationen) bis hin zu nuklearen Freifallbomben, fortgeschrittenen elektronischen Abwehr- (Eloka) und Frühwarnsystemen.
Aufgrund ihrer Robustheit ist sie im Export immer noch sehr beliebt und wird auf Anfrage nachgefertigt.


Es wurden folgende Versionen gebaut bzw. geplant:
| Kenngröße | Su-24 („Fencer-A“) | Su-24MK („Fencer-D“) | Su-24M2 |
|---|---|---|---|
| Typ | Frontbomber | ||
| Besatzung | 2 | ||
| Länge | 22,67 m | 24,53 m | |
| Spannweite |
| ||
| Flügelfläche | 55,17 m² (bei 16° Flügelpfeilung) | ||
| Flügelstreckung | 5,63 (bei 16° Flügelpfeilung) | ||
| Tragflächenbelastung |
|
|
|
| Höhe | 6,19 m | 5,97 m | |
| Spurweite | 3,31 m | ||
| Radstand | 8,51 m | ||
| Leermasse | 21.150 kg | 22.320 kg | 21.150 kg |
| normale Startmasse | 34.830 kg | 38.040 kg | ca. 36.000 kg |
| max. Startmasse | ca. 38.000 kg | 43.755 kg | 39.700 kg |
| max. Landemasse | ca. 24.000 kg | 27.900 kg | 24.500 kg |
| max. Treibstoffkapazität | k. A. | 11.100 kg (intern) | 9.800 kg (intern) |
| Kraftstoffverhältnis | k. A. | 0,29 | 0,27 |
| Höchstgeschwindigkeit |
| ||
| Dienstgipfelhöhe | 17.500 m | ||
| Startrollstrecke | 900 m | 1300 m | k. A. |
| Landerollstrecke | 850 m | 950 m | k. A. |
| Einsatzradius | k. A. |
| |
| Überführungsreichweite | ca. 2500 km | 2775 km | k. A. |
| Lastvielfache | +6g | ||
| Triebwerke | zwei Mantelstromtriebwerke Ljulka AL-21F-3 | zwei Mantelstromtriebwerke NPO Saturn AL-21F-3A | |
| Schubkraft |
|
| |
| Schub-Gewicht-Verhältnis |
|
|
|

Waffenzuladung von 8000 kg an acht Außenlaststationen (davon zwei mitschwenkend an den äußeren Tragflächen)


Hinter den Lufteinläufen vor den Tragflächen befindet sich je ein „Berjoscha“-SPO-10- und im Vorflügel ein SPO-15C-Radarwarner. Zusätzlich sind ein SPO-15C- und ein SPO-10-Radarwarnempfänger in der Heckflosse und über dem Bremsschirmbehälter untergebracht.
Der Infrarotemissionen suchende Raketenanflugwarnsensor (MAWS) Asowsky L-082 MAK-UL ist in einer Kugel im vorderen Rumpfrückenwulst eingebaut.
Am Anfang der Höhenflossen sind in den Rumpf auf jeder Seite je ein Gorizont-AAP-50MA-Täuschkörperwerfer (rechteckiger Behälter für je 12 × 50-mm-Hitzefackel-Täuschkörpern) eingebaut. Zusätzlich können weitere länglich gebaute AAP-50MR-Täuschkörperwerfer anstelle des Grenzschichtzauns installiert werden.
Das Filin-N-Verteidigungssystem erhält die Informationen der Radarwarnsensoren SPO-15 und steuert bei Bedarf den EKF-Störsender SPS-61 an. Weiter ist im System der aktive Radarstörsender Geran-F integriert. Auch die Täuschkörperwerfer AAP-50 werden bei Bedarf automatisch ausgelöst. Ab der Su-24M ist das verbesserte System Karpaty mit dem MAK-IR-Warner installiert.
Die Sowjetunion setzte einige Su-24 im Sowjetisch-afghanischen Krieg ein. Die Bewaffnung bestand hauptsächlich aus FAB-500- und FAB-250-Bomben sowie RBK-500-Streubomben. Vereinzelt wurden auch ODAB-500, FAB-1500, sowie KAB-500- und KAB-1500-Präzisionsbomben eingesetzt. Es gab eine erste Angriffswelle im Jahr 1984 und eine zweite Angriffswelle, die die Aufgabe hatte, die Mudschahidin davon abzuhalten, den sowjetischen Rückzug zu erschweren. Nicht eine einzige Su-24 ging durch Feindfeuer verloren.
Während des zweiten Golfkrieges erlitt die Irakische Luftwaffe auf Grund der gegnerischen Überlegenheit große Verluste. Ein Teil der restlichen Maschinen wurde samt den irakischen Su-24 in den Iran geflogen, um sie vor der Zerstörung zu bewahren.
Während den Tschetschenienkriegen setzten die Russischen Luftstreitkräfte die Su-24 gegen Ziele in Tschetschenien ein. Dabei gingen mindestens fünf Maschinen verloren.
Infolge des Tadschikischen Bürgerkriegs kam es zu einem Zwischenfall. Im August 1999 beschwerte sich die Tadschikische Regierung über den angeblichen Angriff von vier usbekischen Su-24, die in der Nähe von zwei Dörfern, in der Bergregion Jirgital im Nordosten Tadschikistans Bomben abgeworfen hatten. Dabei wurden ca. 100 Rinder getötet und mehrere Hektar Ackerland im Zuge der folgenden Brände zerstört. Das usbekische Außenministerium bestritt die Vorwürfe.
Während des Kaukasuskrieges 2008 führten die Su-24 Aufklärungsflüge und Bombenangriffe auf Militärische Einrichtungen der Georgier durch. Die russischen Luftstreitkräfte verloren mehrere Maschinen, darunter eine Su-25BM, eine Tu-22M3 und zwei Su-24M.
Russische Su-24 waren auch 2015 im Kampfeinsatz und führten Angriffe zur Unterstützung der syrischen Regierung im syrischen Bürgerkrieg durch. Sie führten Schläge sowohl mit 250-Kilogramm- und 500-Kilogramm-Sprengbomben als auch mit Streumunition durch. Präzisionsschläge wurden kaum durchgeführt.

Die Su-24 war Teil der russischen Luftangriffe in Syrien, die im September 2015 begannen. Die Su-24 führte Luftangriffe gegen verschiedene Ziele durch, darunter gepanzerte Fahrzeuge, Reparaturwerkstätten, Munitionsdepots und Stellungen der Oppositionstruppen und militante Gruppen wie den Islamischen Staat (IS). Das Flugzeugmodell wurde eingesetzt, um Bodentruppen der syrischen Regierung und ihrer Verbündeten zu unterstützen. Die Effektivität der Su-24-Einsätze trug maßgeblich zur Wiedererlangung der Kontrolle über große Gebiete durch die syrische Armee bei.
Es kam auch zu Abschüssen, u. a. einem Abschuss einer Suchoi Su-24 der russischen Luftwaffe am 24. November 2015 im türkisch-syrischen Grenzgebiet über der syrischen Provinz Latakia.

Im Mai 2015 flogen zwei unbewaffnete russische Su-24 im Schwarzen Meer in einem Abstand von 500 m an dem amerikanischen Zerstörer Ross vorbei.
Am 11. und 12. April 2016 flogen zwei Su-24 mehrfach im Tiefflug am Zerstörer Donald Cook vorbei und über diesen hinweg.
Im November 2018 wurde das belgische Unterstützungsschiff Godetia auf der Ostsee dreimal von zwei bewaffneten Su-24 überflogen, bei der Bewaffnung handelte es sich wahrscheinlich um Ch-25-Raketen.

Seit Beginn des Russischen Überfalls auf die Ukraine werden Su-24 von beiden Seiten eingesetzt.
In den ersten Stunden der Invasion setzte die ukrainische Luftwaffe mindestens zwei Su-24M in der Schlacht um den Antonow-Flughafen gegen russische Luftlandetruppen ein, die mit Hubschraubern zum Flughafen geflogen waren. Am 27. Februar ging eine ukrainische Su-24 in der Nähe von Butscha in der Oblast Kiew verloren. Die Piloten, Major Ruslan Oleksandrovich Bilous und Hauptmann Roman Oleksandrovich Dovhalyuk, kamen ums Leben und wurden mit dem Bohdan-Chmelnyzkyj-Orden ausgezeichnet.
Am 3. April wurde ein weiterer Bomber als verloren gemeldet, als ein Video auftauchte, das die Absturzstelle mit den Überresten eines blauen AL-21-Motors zeigte, der der Su-24. Am 22. März wurde eine weitere ukrainische Su-24M von russischen Streitkräften in Isjum abgeschossen. Der Navigator konnte sich erfolgreich mit dem Schleudersitz retten, aber der Pilot, Major Oleksiy Oleksandrovich Kovalenko, kam ums Leben. Am 19. Mai ging eine Su-24 in der Nähe von Pylove verloren. Der Pilot, Oberstleutnant Igor Khamar, und der Navigator, Major Ilya Negar, kamen ums Leben.
Auf ukrainischer Seite wurden Su-24M-Flugzeuge effektiv eingesetzt, um Angriffe auf hochrangige Ziele durchzuführen, insbesondere mit den britisch-französischen Storm Shadow/SCALP-EG-Marschflugkörpern. Diese präzisen Luftangriffe hatten bedeutende Schäden an russischen militärischen Einrichtungen, einschließlich auf der Krim verursacht. Ein bemerkenswerter Einsatz dieser Waffen fand im November 2023 statt, als ukrainische Su-24M-Flugzeuge eine russische Korvette in einer Werft auf der Krim zerstörten. Vereinzelt gelang es der Ukraine die Flugzeuge für Luftnahunterstützung einzusetzen, was sich wegen der russischen Luftabwehr als sehr schwierig erwies.
Russische Su-24 werden regelmäßig in deren Angriffskrieg eingesetzt, oft für Bodenangriffe auf ukrainische Stellungen und Unterstützung von Bodentruppen, als auch für Angriffe mit Marschflugkörpern.
In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 2026 wurde eine russische Su-24M auf dem Luftwaffenstützpunkt Saky auf der russisch besetzten Krim von zwei ukrainischen Hornet-Drohnen angegriffen. Das kurz vor dem Start stehende Flugzeug wurde im Cockpit und an einem Treibstofftank getroffen und zerstört. Nach ukrainischen Angaben wurden fünf weitere Flugzeug getroffen; diese Angaben konnten aber bisher nicht bestätigt werden.
Ab April 2025 wurde mindestens eine Su-24 in Mali gesehen im Einsatz für das russische Afrikakorps. Ein Flugzeug stürzte höchstwahrscheinlich im Juni ab.
Im März 2026 wurden zwei Su-24, die vom Iran aus die Al Udeid Air Base in Katar angreifen wollten, nur zwei Minuten vor Erreichen des Flugfeldes abgeschossen.