Suitbert Ertel

Suitbert Ertel (* 2. März 1932 in Radevormwald; † 25. Februar 2017 in Göttingen) war ein deutscher Psychologe und zuletzt Professor an der Georg-August-Universität Göttingen.

Leben

Er begann sein Psychologiestudium 1951 an der Universität Münster bei dem Gestaltpsychologen Wolfgang Metzger. Nach einem Jahr wechselte er an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er bei dem Psychologen und Philosophen Erich Rothacker die Diplom-Vorprüfung ablegte. Danach kehrte er nach Münster zurück und legte dort 1956 die Diplom-Prüfung im Fach Psychologie ab. Nach einem fast zweijährigen Aufenthalt in Thailand als UNESCO-Research-Fellow kehrte er wieder nach Münster zurück und promovierte dort mit einer kulturvergleichenden Untersuchung an thailändischen und deutschen Studenten über Kategorien der Personwahrnehmung. Zurückgekehrt nach Münster auf eine Assistentenstelle habilitierte er sich 1968 mit einer experimentellen Studie zur Psychophonetik. Anschließend wechselte er an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg als Wissenschaftlicher Rat. 1971 erhielt er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Psychologie in der Nachfolge von Kurt Gottschaldt an die Universität Göttingen. Er nahm den Ruf an und blieb Ordinarius an der Universität Göttingen bis zu seiner Emeritierung 1997.

Werk

Zu seinen Forschungsschwerpunkten und -interessen gehörten Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie, Psycholinguistik, Methodenlehre und multivariate Statistik sowie Anomalistik.

1972 veröffentlichte er ein inhaltsanalytisches Verfahren, mit dem Texte auf ihren dogmatischen Sprachgebrauch hin untersucht werden konnten; dies sollte im Zuge des Positivismusstreits eine objektive und wissenschaftlich begründete Lösung der gegenseitigen Vorwürfe der beteiligten Parteien, nach denen der jeweils anderen Seite Dogmatismus vorgeworfen und dies für die eigene Seite geleugnet wurde, ermöglichen. Mit Hilfe des von ihm entwickelten Dogmatismus-Quotient (DQ) kommt er zu dem Schluss, die Texte marxistischer Autoren (z. B. von Karl Marx) seien allesamt dogmatischer als die Texte nicht-marxistischer Autoren (etwa Max Weber). Dies hat ihm wütende Gegenreden von linken Autoren eingebracht.

Sein kritisches Interesse an parapsychologischen Fragestellungen hat er in zahlreichen Referaten im Rahmen von Workshops der „Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Parapsychologie e. V.“ (WGFP) und Publikationen deutlich gemacht. Darunter waren Stellungnahmen zu der These von Alexander Chizhevskys vom Einfluss der Sonnentätigkeit auf kollektive und mentale Prozesse des Menschen, zur These von Michel Gauquelin von den Korrelationen zwischen Geburtshäufigkeiten berühmter Persönlichkeiten und den Stellungen der Planeten Mars, Jupiter, Saturn, Venus und des Mondes, zur These Rupert Sheldrakes über die morphischen Felder und ihren „lernbegünstigenden“ Resonanzen, zur These von Maharishi Mahesh Yogi, dem Begründer der Transzendentalen Meditation, von den friedensstiftenden und kriminalitätssenkenden Auswirkungen massenhaften Meditierens auf Unbeteiligte oder zur These von Joseph Banks Rhine über die Fähigkeit des Menschen zum hellseherischen und telepathischen Wahrnehmen und Erkennen.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
Herausgeberschaften
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge

Einzelnachweise

  1. ↑ Suitbert Ertel, S. (1964). Kategorien der Personwahrnehmung und ihre kulturelle Bedingtheit: Eine kulturvergleichende Untersuchung an thailändischen und deutschen Studenten. In: Psychologische Forschung. 27, S. 475–540.
  2. ↑ Ullrich L. Günther: SPRACHSTIL, DENKSTIL UND PROBLEMLÖSEVERHALTEN. Inhaltsanalytische Untersuchungen über Dogmatismus und Abstraktheit, abgerufen am 7. August 2025.
  3. ↑ Kritikgruppe "Dogmatismus"-Forschung Göttingen (Hrsg.): "Dogmatismus"-Forschung des Professor Suitbert Ertel: pseudowissenschaftl., flach, heruntergekommen. 2., durchges. Auflage. Kritikgruppe Dogmatismus-Forschung, Göttingen 1976, ISBN 3-88048-035-7.
Personendaten
NAME Ertel, Suitbert
KURZBESCHREIBUNG deutscher Persönlichkeitspsychologe und Professor
GEBURTSDATUM 2. März 1932
GEBURTSORT Radevormwald
STERBEDATUM 25. Februar 2017
STERBEORT Göttingen