
Susanne Bosch (geboren 1967 in Wesel) ist eine deutsche Künstlerin im Bereich der bildenden Kunst und der Kunst im öffentlichen Raum. International bekannt wurde sie durch die Restpfennigaktion, eine partizipatorische Kunstaktion, die 1998 in Deutschland beginnend, bis heute Fortsetzungen findet.
Von 1990 bis 1996 studierte Bosch an der Akademie der bildenden Künste Nürnberg und schloss als Meisterschülerin ab. Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitet sie als freischaffende Künstlerin und in künstlerischer Forschung.
Von 2005 bis 2006 unterrichtete sie im internationalen Masterprogramm „Art in Public Space and New Artistic Strategies“ an der Bauhaus-Universität Weimar. An der University of Ulster in Belfast war sie von 2006 bis 2012 Kursdirektorin des Masterstudiengangs Art in Public und unterrichtete Fine Art Research. Parallel forschte sie zur Rolle der „Kunst in gesellschaftlichen Transformationsprozessen“ und zu „Kunst an umkämpften Orten“ am Research Centre Interface der University of Ulster. 2012 wurde sie dort mit der Dissertation „Learning for Civil Society Through Participatory Public Art“ promoviert.
Seit 2008 arbeitet Bosch als Facilitator für Open-Space-und Art-of-Hosting-Formate, die sie in künstlerischen Projekten und Konferenzen einsetzt, die sich vertiefend mit Demokratiebegriffen, Beteiligungsmodellen und Nachhaltigkeitsfragen befassen. In diesem Kontext ist sie auch als Prozessbegleiterin tätig.
2020 war sie Praxisstipendiatin der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Forschungsaufenthalte und Residenzen führten sie zudem an die Civitella Ranieri Foundation in Italien sowie an das Leitrim Sculpture Centre in Irland.
Susanne Bosch hat die deutsche und britische Staatsbürgerschaft und lebt in Berlin. Sie forscht und arbeitet weltweit. Sie realisiert vor allem partizipatorische und prozessorientierte Projekte zu Demokratiebegriffen, gesellschaftlicher Teilhabe, Geld, Migration und nachhaltigen Zukunftsentwürfen.
Boschs künstlerische Praxis umfasst ortsspezifische Interventionen, Installationen, performative Formate sowie kollaborative Prozesse und Publikationen. In verschiedenen Kontexten beschreibt sie sich als „Schnittstellen-Akteurin“ beziehungsweise „interface activist“, die Kunst als Werkzeug versteht, um gesellschaftliche, politische und historische Konstellationen zur Diskussion zu stellen und alternative Handlungsräume zu erproben.
Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit sind langfristig angelegte Projekte zu Demokratie, Teilhabegerechtigkeit und alternativen ökonomischen sowie sozialen Modellen. Dazu gehören Arbeiten zu Geld und Wertschöpfung, zu Migration und Überleben, zu gemeinschaftlichen Visionen und Beteiligungsmodellen. In vielen Projekten arbeitet sie mit dialogischen Formaten, Workshops und offenen Prozessräumen, in denen Bewohnerinnen, lokale Initiativen und Institutionen gemeinsam Inhalte und Entscheidungen erarbeiten.
Mit der Restpfennigaktion – Weil jeder Pfennig Teil einer großen Idee ist (1998–2002) initiierte Bosch ein mehrjähriges Kunstprojekt im öffentlichen Raum, in dessen Rahmen in mehreren deutschen Städten Restpfennige und Münzreste gesammelt wurden. Parallel zur Sammlung der Münzen lud die Aktion dazu ein, Wünsche und Vorschläge für die Verwendung der Gelder einzureichen; es entstanden hunderte Vorschläge, die in einem öffentlichen Verfahren diskutiert wurden. Das Projekt wurde in Ausstellungskontexten und Fachpublikationen als Modell für bürgerschaftliche Partizipation und die Transformation „brachliegenden“ Kapitals in soziale und symbolische Werte beschrieben.
Die Restpfennigaktion wird seitdem in verschiedenen Variationen weitergeführt. 2008 als Iniziativa Centesimo Avanzato im Palazzo delle Arti Napoli. 2010 unter dem Titel Hucha de Deseos in Madrid, und als The Leftover Penny Campaign folgte sie 2013 einer Einladung der Triennale di Milano. Das Kunstmuseum Liechtenstein realisierte 2017 die Rest-Münz-Aktion. Als #MoneyMustBeFunny adaptierte Bosch im Jahr 2023 das Thema für das Musikmagazin Positionen.
Seit den 2000er Jahren realisiert Bosch wiederkehrend Arbeiten in politisch umkämpften Räumen. Ihr Projekt Crossing Jericho (2012) entstand im Rahmen des von Yazid Anani und Vera Tamari kuratierten Programms „Jericho – beyond the celestial and terrestrial“. In einem stillen Nightwalk führte sie rund 70 Teilnehmende von der Ein-Dyuk-Quelle durch Jericho bis zur Arab Development Society am Rand der Wüste. In Texten und Projektberichten wird die Arbeit als Beispiel für eine künstlerische Praxis beschrieben, die Fragen von Demokratie, Teilhabe und Konfliktbearbeitung in einem stark regulierten Territorium erfahrbar macht.
2018 entwickelte Bosch für die von Yazid Anani kuratierte Ausstellung Subcontracted Nations an der A. M. Qattan Foundation in Ramallah die multimediale Installation Alter-Nationality, die sich mit der Geschichte und Gegenwart der Arab Development Society (ADS) und mit Identitäts- und Resilienzbildung in Krisenkontexten befasst.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf künstlerischer kritischer Kartografie und Landschaftsprojekten. Für die SAISONALE* 2020 im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst entwickelte Bosch das Projekt Geschichten (in) einer Landschaft – eine Kartografie, in dem örtliche Erzählungen, Wege und soziale Beziehungen in eine vielschichtige Kartografie übertragen wurden. In Publikationen und Projektbeschreibungen werden solche Arbeiten als Versuch beschrieben, dominante Raum- und Geschichtsnarrative durch situative, kollektive Perspektiven zu ergänzen.
Bosch arbeitet häufig mit Formaten, die Zuhören, Sorgepraktiken und geteilte Verantwortung in den Mittelpunkt stellen. Für das britische Kunstprogramm Heart of Glass entwickelte sie im Rahmen der Reihe „Home Work“ 2020 die Arbeit Ecology of Care – A short declaration of self-care, eine künstlerische Untersuchung dazu, wie Menschen inmitten einer hohen Dichte an Mediennachrichten für sich selbst sorgen können. Der Text verbindet persönliche Reflexionen, Übungsanleitungen und künstlerische Strategien und wird von Heart of Glass als Beitrag zu sozial engagierter Kunst in Krisenzeiten geführt.
Seit den 2010er Jahren spielen geführte Spaziergänge in der Dunkelheit: Night Walks eine wichtige Rolle in Boschs Praxis. In Texten zur Praxis des Gehens beschreibt sie solche nächtlichen Spaziergänge als Möglichkeit, Wahrnehmung, Angst und Vertrauen neu zu verhandeln und den Umgang mit Dunkelheit und Umwelt zu hinterfragen.
Gemeinsam mit der Filmemacherin Ulrike Zimmermann gründete Bosch das Studio Bosch, in dem beide an Projekten mit Film, Fotografie, Bewegtbildinstallation und partizipativer Praxis arbeiten. 2025 waren sie mit Night Walks – Tiergarten Berlin, 2025 und einer begleitenden Diaprojektion beim Festival of Future Nows 2025 in der Neuen Nationalgalerie in Berlin vertreten. Das Festival wird von der Neuen Nationalgalerie in Kooperation mit dem Institut für Raumexperimente ausgerichtet und thematisiert experimentelle und prozessorientierte Ansätze im zeitgenössischen Kunstfeld.
Monografien und Kataloge
Anthologien
Beiträge in Anthologien (Auswahl)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bosch, Susanne |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1967 |
| GEBURTSORT | Wesel |