Singer war Mitglied in den Verbänden „Vereinigung Wiener Frauenkunst“ (seit 1926) und Österreichischer Werkbund; bei der „Frauenkunst“ stellte sie von 1927 bis 1933 aus, beim Werkbund 1930. In den Jahren 1920–1925 war sie korrespondierendes Mitglied, ab 1926 assoziiertes Mitglied im Hagenbund.
Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft emigrierte sie 1938 nach dem in einem Bergwerk erfolgten Unfalltod ihres Mannes Josef Schinnerl, den sie 1924 geheiratet hatte, nach Los Angeles in den USA. Sie erhielt 1946 ein Stipendium einer Stiftung am Scripps College, danach lehrte sie dort für kurze Zeit Bildhauerei. Seit Ende der 1940er Jahre war sie auf einen Rollstuhl angewiesen, da ihr Skelett infolge Mangelernährung nach dem Ersten Weltkrieg in Teilen fehlgebildet war. Sie starb 1955 in Kalifornien.
Singer wird zu den bedeutendsten figürlich-expressiven Keramikerinnen der Wiener Werkstätte gezählt. Sie schuf sowohl farbig glasierte als auch nach dem Brand bemalte keramische Plastiken. Ihr Hauptthema ist die Frau, meistens als zart und grazil dargestelltes, teils mystisches Fantasiewesen, oft in Kombination mit Blumen, Früchten, Kindern und Tieren. Während Singer zunächst bis zu lebensgroße Werke schuf, entstanden nach ihrer Emigration in die USA ausschließlich kleinere Arbeiten, darunter nun auch Figuren in Alltagszenen oder seltener Werke mit Bezug zu ihrer Biografie (z.B. Refugee, um 1949).
Bildnachweise
Scripps Annual, repräsentativer Katalog von Werken der Mitarbeiter im Scripps; Susi Singer: Jahrgänge von 1947 bis 1952
6000 Years of art in clay, Los Angeles 1952 (Sammelausstellung)
Women’s „Werk“: The Dignity of Craft. American Museum of Ceramic Art, Pomona 2005, Ausstellung, zus. mit Marguerite Wildenhain
↑Geburtenbuch IKG Wien, Band N, Nr. 2000; Singer-Schinnerl Susi (Selma), geb. Singer. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band3: P–Z. Böhlau, Wien 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S.3082f. (fwf.ac.at). Die Literatur nennt auch andere Geburtsdaten: Beim US-Census von 1940 hat sie 1902 als ihr ungefähres Geburtsjahr angegeben und ihren Sohn Peter Schinnerl als zweijährig bezeichnet, sein Geburtsdatum ist der 17. September 1937; als Wohnort Pasadena (Kalifornien); bei einer Bewerbung um die Einbürgerung in die USA gab sie „Selma Rosa Schinnerl“ und Geburtsjahr 1891 an; im späteren Einbürgerungsregister (22. Juni 1945) wird „Suzanne Schinnerl“ notiert
↑Susi Singer, Wheel Chair Sculptor, Dies. In: The Los Angeles Times. 30.Januar 1955, S.7(TeilIV). Abweichend häufig 1965.
↑Sie war bereits 1924 aus der IKG ausgetreten, Geburtenbuch IKG Wien, Band N, Nr. 2000. Ihr Vermögen (als Selma Schinnerl), ein Grundstück in Grünbach, wurde nach 1938 vom NS-Staat „eingezogen“, also arisiert, vgl. Niederösterreichisches Landesarchiv, S. 15, Nr. 449 Quelle
12Anette Brunner:Singer-Schinnerl, Susi (Selma; Susanne). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 104, De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 978-3-11-023270-7, S.88.
↑bei dieser Stiftung weitere Materialien, u.a. Briefe von / an S. S.; die Stiftung veranstaltet bisweilen Ausstellungen und Tagungen zu ihren (früheren) Mitarbeitern, zu Singer z. B. zuletzt am 19. März 2010.