
Sven Becker (* 14. Februar 1968 in Wiesbaden) ist ein deutscher Frauenarzt und Hochschullehrer. Seit 2012 ist er Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universitätsmedizin Frankfurt.
Becker besuchte 1984/85 das Brophy College Preparatory in Phoenix, wo er einen US-amerikanischen High-School-Abschluss erwarb. 1987 legte er am Gymnasium am Moltkering in Wiesbaden das Abitur ab.
Von 1987 bis 1994 studierte Becker Humanmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Während des Studiums verbrachte er von 1989 bis 1990 zwei Semester an der Université René Descartes in Paris, 1991 ein Semester an der Universidad Autónoma de Madrid und von 1992 bis 1993 zwei Semester an der Nihon-Universität in Tokio. 1994 legte er das dritte medizinische Staatsexamen sowie die US-amerikanischen medizinischen Prüfungen USMLE I und II ab.
Von 1992 bis 1995 fertigte Becker am Institut für Physiologische Chemie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bei Werner E. G. Müller seine Dissertation In-vitro Erprobung potentiell antiviraler Substanzen gegen HIV im MTT-Test an; die Arbeit wurde mit magna cum laude bewertet. 2006 habilitierte er sich bei Diethelm Wallwiener an der Universität Tübingen mit der Arbeit Tumorzelldissemination und Tumorzellpersistenz beim Mammakarzinom – Einfluss der systemischen Therapie und Charakteristika der disseminierten Zellen.
Seine ärztliche Tätigkeit begann Becker 1995 an der Frauenklinik des St.-Josephs-Hospitals in Wiesbaden, einem akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Frankfurt. Von 1996 bis 1997 arbeitete er unter Heinz Höfler am Institut für Pathologie des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München.
Von 1997 bis 2001 absolvierte Becker seine Facharztausbildung in Gynäkologie und Geburtshilfe an der Johns Hopkins University beziehungsweise am Johns Hopkins Hospital in Baltimore. Im Juni 2001 erhielt er die US-amerikanische Facharztanerkennung für Gynäkologie und Geburtshilfe. Anschließend wechselte er an die Universitätsfrauenklinik Tübingen, wo er im Juli 2002 die deutsche Facharztanerkennung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe erwarb.
Von 2002 bis 2004 war Becker oberärztlicher Bereichsleiter für Klinische Geburtshilfe und Kreißsaal an der Universitätsfrauenklinik Tübingen. Ab Mai 2004 war er dort Operativer Oberarzt und oberärztlicher Bereichsleiter für Operative Gynäkologie, ab Mai 2007 Leitender Schwerpunktoberarzt für Gynäkologie und ab August 2009 Leitender Oberarzt. 2003 erwarb er die Zusatzqualifikation Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin, 2006 die Qualifikation Spezielle Operative Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie und 2010 die Zusatzqualifikation Palliativmedizin. Im Juni 2010 wurde ihm von der Universität Tübingen eine außerplanmäßige Professur verliehen.
Zum 1. April 2012 wurde Becker auf eine W3-Professur für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Universität zu Lübeck berufen. In dieser Zeit leitete er die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Seit dem 1. Juli 2012 ist er Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universitätsmedizin Frankfurt.
Nach einer Kongressbiografie wurde Becker 2017 eine Professur und die Leitung im Bereich gynäkologische Onkologie an den Universitäten Rotterdam und Leiden angeboten; er entschied sich für einen Verbleib in Frankfurt. Die Biografie nennt außerdem eine Tätigkeit im Board of Directors des Frankfurt Comprehensive Cancer Center.
2020 wurde Becker in das Executive Board der European Society for Gynaecological Endoscopy (ESGE) gewählt. 2023 wurde Becker bei einem gemeinsamen Fachkongress der Australasian Gynaecological Endoscopy and Surgery Society und der American Association of Gynecologic Laparoscopists (AAGL) als Mitglied des AAGL Board of Directors vorgestellt.
2024 gehörte Becker dem Forschungsteam um Klaus Strebhardt an, das für ein mRNA-basiertes Forschungsprojekt gegen Eierstockkrebs den zweiten Platz beim Goethe-Innovationspreis 2024 erhielt.
Becker ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Zu Beckers klinischen Schwerpunkten zählen die operative Gynäkologie, die gynäkologische Onkologie und minimalinvasive Operationsverfahren. Er ist Leiter des Gynäkologischen Krebszentrums der Universitätsmedizin Frankfurt und Schwerpunktsprecher für gynäkologische Onkologie am UCT Frankfurt.
Das Gynäkologische Krebszentrum behandelt unter anderem Ovarial-, Zervix-, Endometrium-, Vulva- und Vaginalkarzinome sowie Sarkome und weitere seltene gynäkologische Tumoren. Zum Behandlungsspektrum gehören minimalinvasive Operationsverfahren, molekularpathologische Diagnostik sowie die Beratung onkologischer Patientinnen mit Kinderwunsch.
Zu den Forschungsgebieten des gynäkologisch-onkologischen Schwerpunkts gehören innovative chirurgische Verfahren sowie neue Behandlungsstrategien. Beckers wissenschaftliche Arbeiten befassen sich unter anderem mit disseminierten Tumorzellen und deren Persistenz beim Mammakarzinom sowie mit molekularen Mechanismen gynäkologischer Tumorerkrankungen.
An einem Forschungsprojekt zur mRNA-basierten Wiederherstellung der Funktion des Tumorsuppressors p53 beim hochgradig serösen Ovarialkarzinom war Beckers Arbeitsgruppe durch die Bereitstellung von Tumorzellen von Patientinnen beteiligt.
Becker trat bei internationalen Fachkongressen als Referent sowie bei Live-Surgery-Veranstaltungen als Operateur auf. Eine Kongressbiografie nennt Vorträge in mehr als 20 Ländern und Live-Operationen bei Veranstaltungen in mehreren europäischen und außereuropäischen Staaten.
Gemeinsam mit Diethelm Wallwiener ist Becker Autor der vierten Auflage des englischsprachigen Atlas of Gynecologic Surgery, die bei Thieme erschien.
Daneben ist Becker Autor und Koautor wissenschaftlicher Fachpublikationen insbesondere aus der gynäkologischen Onkologie und der Tumorbiologie.
Zu den von der Universitätsmedizin Frankfurt aufgeführten Fachgesellschaften, denen Becker angehört, zählen unter anderem:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Becker, Sven |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Frauenarzt und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 14. Februar 1968 |
| GEBURTSORT | Wiesbaden |