Synaphie (altgriechisch συνάφεια synapheia, deutsch ‚Verbindung‘, ‚Gemeinschaft‘) bezeichnet in der antiken Verslehre den sich über Versgrenzen hinweg erstreckenden rhythmischen Zusammenhang mehrerer Verse, das heißt, dass insbesondere am Versende keine Verkürzung durch Katalexis und kein Brevis in longo erscheinen darf. Andernfalls liegt Asynaphie vor.
Sequenzen mehrerer durch Synaphie verbundener Verse bezeichnet man insbesondere in Astropha als Systeme.
In der deutschen Metrik spricht man von Synaphie, metrischer Zeilenbindung, Fugung oder gefugtem Versübergang, wenn
Asynaphie oder ungefugter Versübergang liegt demnach dann vor, wenn an der Versgrenze zwei betonte Silben (Hebungen) bzw. zwei unbetonte Silben (Senkungen) aufeinandertreffen. Das unmittelbare Aufeinandertreffen zweier betonter Silben wird auch als Hebungsprall bezeichnet.
Als Beispiel für den gefugten Übergang die folgenden Verse aus Hartmann von Aues Der arme Heinrich:
Die metrische Form der Verse ist hier in der von Andreas Heusler entwickelten Notation wiedergegeben.
Die bekannten ersten beiden Verse des gleichen Werks liefern ein Beispiel für einen ungefugten Übergang:
Als Beispiel aus der neueren deutschen Dichtung die folgenden Verse aus Heinrich Heines Buch der Lieder:
Hier behält der Übergang zwischen Vers 1 und 2 den jambischen Rhythmus bei und ist daher gefugt, die Übergänge zwischen 2 und 3 und zwischen 3 und 4 sind ungefugt.