Dieser Artikel befasst sich mit der rhetorischen Figur. Zu anderen Bedeutungen siehe Synecdoche.
Eine Synekdoche (altgriechischσυνεκδοχήsynekdoché, deutsch ‚Mitverstehen‘) ist eine rhetorische Figur aus der Gruppe der Tropen. Sie bezeichnet die Ersetzung eines Wortes durch einen Begriff aus demselben Begriffsfeld. So kann ein Wort durch einen Begriff mit engerer oder weiterer Bedeutung, einen Ober- oder Unterbegriff ersetzt werden. Dadurch grenzt sie sich von der Metapher ab, bei der ein Wort durch einen nicht verwandten Begriff aus einem anderen Begriffsfeld ersetzt wird. Die Synekdoche ist ein Teilbereich der Metonymie (bei der eine semantische oder sachliche Beziehung zwischen den Begriffen besteht). Die Grenzen zwischen Metonymie und Synekdoche sind jedoch fließend. Beispiel: „Friede Euch und unserem Bruder Frankreich …“ (Shakespeare). Die Synekdoche wird oft fälschlich mit der Figur pars pro toto (lateinisch „ein Teil für das Ganze“) gleichgesetzt, die aber nur ein Spezialfall der Synekdoche ist.
Unterarten der Synekdoche
Je nach Art des numerischen Verhältnisses sind zu unterscheiden:
Teil-Ganzes-Beziehung:
Ein Teil steht für das Ganze; diese Unterart der Synekdoche wird auch pars pro toto (lat. „ein Teil für das Ganze“) genannt. Beispiel (weitere siehe dort):
pro Nase – Nase steht für Mensch
Umgekehrt: Das Ganze steht für einen Teil; diese Unterart der Synekdoche wird auch totum pro parte genannt. Beispiel:
ein Haus führen – für eine oder mehrere Personen den Haushalt führen
Zwei Enden eines Spektrums stehen für das Ganze; diese Unterart der Synekdoche wird auch Merismus genannt. Beispiel:
Groß und Klein – Große Menschen, kleine Menschen, aber natürlich auch Menschen aller Körpergrößen dazwischen.
Gattung-Art-Beziehung:
Das Spezielle, die Art steht für das Allgemeine, die Gattung. Beispiele:
Brot für Nahrungsmittel
Männer für Menschen, drei Mann für drei Menschen
mit dem Schwert für mit Waffengewalt
Der Ring als Zeichen für die Ehe
Das Allgemeine, die Gattung steht für das Spezielle, die Art. Beispiel:
123Werner Habicht, Wolf-Dieter Lange u.a. (Hrsg.): Der Literatur-Brockhaus: in acht Bänden. Band 8, S. 22. Grundlegend überarbeitete und erweiterte Taschenbuchauflage. BI-Taschenbuchverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1995, ISBN 3-411-11881-4.
↑Andreas Blank:Einführung in die lexikalische Semantik für Romanisten. Walter de Gruyter, 2013, ISBN 978-3-11-095736-5 (google.de[abgerufen am 12.Februar 2019]).