Das Synoptische Problem oder die synoptische Frage betrifft die Erklärung der Übereinstimmungen und der Unterschiede in den Texten der ersten drei Evangelien des Neuen Testaments (synoptische Evangelien). Eine vergleichende Gegenüberstellung als Synopse zeigt, dass diese kanonisierten Evangelien – Matthäus, Markus und Lukas – viele Textpassagen gemeinsam haben, doch an manchen Stellen hinsichtlich Wortlaut, Reihenfolge und Stoffauswahl der Erzählungen voneinander abweichen.
Das Synoptische Problem ist ein klassisches Problem der neutestamentlichen Einleitungswissenschaft. Die jeweilige Antwort auf das Synoptische Problem beeinflusst in hohem Maße die Auslegung (Exegese) der drei Evangelien (siehe auch Narrative Exegese). Dies betrifft insbesondere Redaktionsgeschichte und Formgeschichte der drei Schriften sowie darüber hinaus die Rekonstruktion von Leben und Predigt des historischen Jesus von Nazaret und ebenso Aspekte der frühesten Kirchengeschichte (Urchristentum).
Das Problem der kanonischen, synoptischen Evangelien steht darüber hinaus in Beziehung zu den Manuskripten (Liste der Papyri des Neuen Testaments) aus der späten Antike bzw. Spätantike. Die Handschriften als historische Quellen sowie als sprachliche Zeugnisse oder als Textzeugen literarischer Texte in ihrer Überlieferung weisen besonders viele Textvarianten auf. Viele dieser Varianten können plausibel als Fehler im Abschreibeprozess interpretiert werden. Eine ganze Reihe von Varianten geht aber eindeutig auf „redaktionelle“ Eingriffe in die Texte zurück.

Im Einzelnen sind folgende Sachverhalte zu erklären:
Um diese Zusammenhänge und Verhältnisse zu erklären, werden verschiedene Hypothesen diskutiert; keine der vorgeschlagenen Lösungen vermag sämtliche Phänomene befriedigend zu beantworten.
Bereits im 18. Jahrhundert wurde von Johann Gottfried Herder angenommen, dass die Gemeinsamkeiten auf einem Stock mündlicher Überlieferungen beruhten. Johann Karl Ludwig Gieseler legte 1818 eine ausgearbeitete Traditionshypothese vor. In den 1950er Jahren griff Rudolf Bultmann wieder auf Herders Ansatz zurück; in der Gegenwart vertreten unter anderem Armin Daniel Baum und James D. G. Dunn die Traditionshypothese.
Die meisten Forscher sind allerdings von einer literarischen Abhängigkeit zwischen den synoptischen Evangelien überzeugt. Im Laufe der literarkritischen Forschung wurde die dreifache gemeinsame Überlieferung im Wesentlichen auf vier verschiedene Weisen erklärt:
Um die zweifache gemeinsame Überlieferung zu erklären, gibt es die folgenden Ansätze:
In der neutestamentlichen Wissenschaft wurden rund zehn Hypothesen zur Lösung des Synoptischen Problems vorgeschlagen und diskutiert. Einige davon wurden weiter modifiziert. Die Lösungsvorschläge lassen sich in zwei Hauptgruppen einteilen: Entweder geht man von einem gemeinsamen Grundbestand an Überlieferungen aus (schriftlich oder mündlich) oder von einer literarischen Abhängigkeit unter den Evangelien. Dabei wurde die Redaktionsgeschichte, als Teil der Historisch-kritische Methode zu einer hervorstechenden Methode der Synoptikerexegese.
Die meisten Theorien nehmen an, dass die späteren Evangelisten die Werke der früheren kannten und verwendeten. Daher spricht man von Benutzungshypothesen.