Tamuli

Nuraghe Tamuli

Die Nuraghe und die drei Gigantengräber von Tamuli liegen westlich von Macomer auf der Hochebene Pranu ’e Murtas in der Provinz Nuoro auf Sardinien. Die in Sardu „Tumbas de los zigantes“ und (italienisch Tombe dei Giganti) genannten Bauten sind die größten pränuraghischen Kultanlagen Sardiniens und zählen europaweit zu den spätesten Megalithanlagen. Die 321 bekannten Gigantengräber sind Monumente der bronzezeitlichen Bonnanaro-Kultur (2.200–1.600 v. Chr.), die Vorläuferkultur der Nuraghenkultur ist.

Nuraghe

Die Nuraghe liegt auf einem Felsvorsprung aus Basalt und überblickt das Areal. Es handelt sich um einen komplexen Korridornuraghen mit einem runden zentralen Turm und zwei an der Front errichteten Seitentürmen, deren Architektur sich die Form des anstehenden Felsens zunutze macht. Der Hauptturm ist in sich zusammengefallen. Der Zugang, der in einen heute oben offenen Gang führt, ist nach etwa drei Metern durch Schutt versperrt. Hypothesen legen nahe, dass die Anlage eigentlich als Protonuraghe einzustufen ist. Auch die Bastion ist aufgrund von Einstürzen kaum zugänglich. Im linken Bereich lässt sich ein Gang begehen, der nach etwa sechs Metern endet. Am Fuße des Nuraghen erstreckt sich die Nuraghensiedlung, die aus mindestens 15 runden oder ovalen Hütten besteht. Sie wurden in Trockenmauertechnik mit doppelter Mauerschale errichtet. Einige sind noch intakt und wurden bis in jüngste Zeit von Hirten als Unterstand für ihr Vieh genutzt. Sowohl dIE Nuraghe als auch die Siedlung waren durch eine vorgelagerte Mauer geschützt, die aus großen, nur grob behauenen Trachytblöcken errichtet worden war.

Typenfolge der Gigantengräber

Baulich treten Gigantengräber in zwei Varianten auf. Die Anlagen mit Portalstelen und Exedra gehören zum älteren Typ. Bei späteren Anlagen besteht die Exedra statt aus monolithischen Stelen, aus einer in der Mitte deutlich erhöhten Quaderfassade aus bearbeiteten und geschichteten Steinblöcken (italienisch tipo dolmenico – Dolmentyp). Bei den Gigantengräbern von Tamuli ist nur eine der Exedren einigermaßen erhalten. Sie sind Anlagen des jüngeren Typs (mit Quaderfassade) aus Basalt.

Beschreibung

Das Gigantengrab mit den sechs Baityloi
Die Steine mit den Brüsten

Wenige Meter von einem Gigantengrab stehen die etwa 1,5 Meter hohen „perdas marmuradas“ – sechs nuraghische Baityloi (italienisch Betili) drei männliche und drei weibliche Menhire, die schon im Mittelalter als „sa petra uue sunt sos thithiclos“ (der Stein mit den Brüsten) bezeichnet wurden und auf den sardischen Steinkult verweisen.

Siehe auch

Literatur

Commons: Tamuli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 40° 15′ 39″ N, 8° 43′ 4″ O