Tang Wuzong

Tang Wuzong

Tang Wuzong (chinesisch 唐武宗, Pinyin Táng Wǔzōng; * ca. 810; † 846) war der 15. Kaiser der chinesischen Tang-Dynastie, er regierte von 840 bis 846. Der Nachwelt blieb er vor allem als fanatischer Daoist in Erinnerung, der Andersgläubige verfolgen ließ.

Regierung

Vor Beginn seiner Herrschaft war der Einfluss der Eunuchen so stark, dass sie oft die praktischen politischen Entscheidungen trafen. Mehrere Vorgänger von Wuzong waren von ihnen ermordet worden. Es gelang Wuzong jedoch mit Hilfe seines Onkels Xuānzong und des Kanzlers Li Deyu, sich gegenüber den Eunuchen durchzusetzen und ihren Einfluss einzuschränken.

Wuzong, der selbst ein fanatischer Daoist war, nahm einen militärischen Erfolg über die Uiguren im Westen des Reiches zum Anlass, ihre Religion, den Manichäismus, zu verbieten. Er ordnete die Laisierung der manichäischen Priester an. Außerdem ließ er ihre Güter konfiszieren und ihre Schriften verbrennen. Damals hielt sich der japanische buddhistische Pilger Ennin in China auf und berichtete in seinem Tagebuch über die von ihm beobachteten Tötungen zahlreicher manichäischer Kleriker.

Es folgten weitere Repressionen gegen andere Religionen iranischen Ursprungs (nestorianische Christen, Mazdaismus) und schließlich auch gegen den in China zu dieser Zeit bereits weit verbreiteten und volkstümlich gewordenen Buddhismus. Die große Verfolgung dieser ausländischen Religionen, die im Zusammenhang mit einer allgemeinen fremdenfeindlichen und nationalistischen Bewegung stand, dauerte von 842 bis 845. Die Buddhisten wurden beschuldigt, für die moralische und ökonomische Schwächung der Südlichen Dynastien verantwortlich gewesen zu sein. Dieser Vorwurf findet sich im nachträglich 845 erlassenen Verfolgungsedikt, das auch die erzwungene Laisierung der Nestorianer- und Mazdaisten-Mönche damit begründete, die Chinesen vor weiterer Sittenverderbnis durch die Mönche schützen zu wollen. Teilweise waren die Unterdrückungsmaßnahmen durch die damalige schwere Finanzkrise des Staats motiviert, denn vor allem die buddhistische Kirche verfügte über viel Grundbesitz und in Form von Kultgegenständen, Glocken und Statuen über den Großteil der chinesischen Edelmetalle. Viele Tempel, die große Reichtümer angesammelt hatten, wurden zerstört und ihre Vermögen vom Staat konfisziert. Der Kaiser ließ Glocken und Statuen buddhistischer Klöster einschmelzen und aus ihnen Münzen prägen. Die Bevölkerung war mit dieser Maßnahme jedoch aus Angst, ein Sakrileg zu begehen, nicht einverstanden.

Die gegen den Buddhismus verhängten Repressionen waren anfangs noch maßvoll und wurden mit der Zeit immer radikaler. Zunächst wurden ungebildete und falsche buddhistische Kleriker entfernt. Danach kam es zur Beschlagnahmung der Privatbesitzungen reicher Mönche, denn alle Kleriker dieser Glaubensrichtung mussten ein Armutsgelübde ablegen. Buddhistische Zeremonien im Staatskult wurden abgeschafft und immer mehr Mönche in den Laienstand versetzt. Erst am Ende der Verfolgung fand die allgemeine Konfiszierung der Landgüter, Leibeieigenen und Vermögenswerte der buddhistischen Klöster statt. Insgesamt wurden 260.000 Mönchen und Nonnen zwangsweise laisiert, 150.000 im Dienst der Klöster stehende Personen zu Steuerzahlern gemacht, 4600 Klöster und 40.000 kleinere Kultstätten zerstört oder zu anderen Zwecken verwendet. In stark eingeschränktem Maße wurde die Ausübung der buddhistischen Religion jedoch weiterhin gestattet. Eine geringe Zahl von Tempeln mit einer personellen Besetzung von relativ wenigen Mönchen blieb bestehen. So waren in Chang’an 120 Mönche in nur vier Klöstern sowie in Luoyang 20 Mönche in 2 Klöstern tätig. Auch ausländische Gelehrte, u. a. Koreaner, Japaner und Inder, mussten China verlassen. Diese Nachricht findet sich im Tagebuch Ennins.

Wuzong starb 846 im Alter von 36 Jahren. Sein Onkel Xuānzong wurde sein Nachfolger, am Beginn seiner Amtszeit beendete er die Verfolgung der Buddhisten.

Siehe auch

Literatur

Filmdokumente

Commons: Tang Wuzong – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Johannes Preiser-Kapeller: Jenseits von Rom und Karl dem Großen. Mandelbaum-Verlag, Wien 2018, ISBN 978-3-85476-554-7, S. 104.
  2. ↑ Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988 (französische Originalausgabe Paris 1972), ISBN 3-518-38005-2, S. 248 f.
  3. ↑ Jacques Gernet: Die chinesische Welt, 1988, S. 249.
  4. ↑ Johannes Preiser-Kapeller: Jenseits von Rom und Karl dem Großen, 2018, S. 119.
VorgängerAmtNachfolger
WenzongKaiser von China
840–846
Xuānzong