Karte von Ägypten |
Tarchan (engl. Tarkhan) ist die moderne Bezeichnung eines großen Gräberfeldes in Ägypten. Der Friedhof liegt ca. 50 km südlich von Kairo nahe den Ortschaften Kafr Ammar und Kafr Turki. In den Ausgrabungspublikationen werden mit dem Fundort Tarchan die Gräber der altägyptischen 1. Dynastie bezeichnet, mit Fundort Kafr Ammar alle späteren, obwohl sich die Bestattungen aller Epochen auf demselben Gräberfeld befinden.
Tarchan wurde von 1911 bis 1912 unter Leitung von Flinders Petrie ausgegraben, wobei über 2000 Gräber gefunden wurden. Die Mehrzahl davon datiert in die Zeit um 3000 v. Chr. Es gibt ferner Bestattungen des Alten Reiches, der 1. Zwischenzeit, der 3. Zwischenzeit, der Spätzeit und der griechisch-römischen Periode. Das Mittlere und das Neue Reich waren dagegen nur mit einzelnen Gräbern vertreten. Seit 2024 graben Archäologen von der Universität Warschau und dem ägyptischen Ministerium für Tourismus und Altertümer unter Leitung von Anna Wodzińska und Aiman Ashmawy den Friedhof weiter aus.

In Tarchan fanden sich drei große Mastabas mit einer Palastfassade, die in die 1. Dynastie datieren und zahlreiche eher einfache Bestattungen aus der Zeit kurz vor der 1. Dynastie. Es kann vermutet werden, dass sich in der Nähe einst eine große Stadt befand, die vor allem am Beginn der ägyptischen Geschichte blühte, im Verlaufe der 1. Dynastie aber an Bedeutung verlor.
Die meisten Grabanlagen waren einfache Gruben, sie enthielten meist Hockerbestattungen. Beigaben waren einige Gefäße, Schmuck bei Frauen, Waffen und Werkzeuge für Männer. Die Erhaltungsbedingungen für organische Materialien sind relativ gut und so fanden sich viele, teilweise recht einfache Holzsärge, aber auch Möbel oder Gefäße aus Holz. In einer der großen Mastabagrabanlagen konnte ein Grabräuberversteck entdeckt werden, das vor allem Leinen enthielt. Von hier stammt das vielleicht älteste erhaltene Gewand Ägyptens.
Aus dem Alten Reich stammen einige undekorierte Mastabas. In der Spätzeit wurde hier ein Tempel errichtet, der jedoch unverziert ist und somit keinem Gott zugewiesen werden kann. Aus römischer Zeit stammt ein Mumienporträt.

Grab 414 datiert vom Übergang zur 1. Dynastie. Die Grabkammer ist ca. 1,67 × 3,55 × 1,8 m groß und war mit Lehmziegeln verkleidet. Es ist damit das größte Grab in Tarchan aus dieser Zeit und dürfte einer wichtigen Person gehört haben. Von einem Oberbau fanden sich keine Reste. Die Grabkammer war beraubt, doch fanden sich darin noch ein großes mit einer Ritzungsinschrift beschriftetes Gefäß und zahlreiche Siegelabdrücke. Auf ihnen erscheint vor allem der Name von König Narmer, so dass angenommen werden kann, dass der Grabbesitzer unter diesem Herrscher verstarb. Ein Siegel zeigt eine Palastfassade mit einem Rinderkopf bekrönt. Neben diesem Bau sind Krokodile dargestellt. Günter Dreyer sah darin das Siegel eines Königs Krokodil. Andere Ägyptologen vermuten, dass es sich um das Siegel des Sobektempels handelt.
Mastaba 1060 ist die größte und älteste Mastaba in Tarchan, die vielleicht unter König Wadji erbaut wurde. Der Bau ist 34 × 15,6 m groß und zeigt an den Längsseiten etwa 10 Nischen, wobei diese Zahl geschätzt ist, da die Mastaba an den Enden nicht gut erhalten ist. Im Inneren befinden sich 14 Räume, in denen vielleicht Grabbeigaben lagen. In der Mitte liegt die unterirdische Grabkammer, an deren Schmalseiten jeweils zwei Nebenkammern, die ohne Tür waren, jedoch symbolische Türen in der Grabkammer hatten. Die Nischen der Palastfassade waren einst rot bemalt, nur eine Nische war unbemalt; hier fand sich ein hölzerner Fußboden. Vielleicht stand hier einst eine Stele, dabei würde es sich mit Sicherheit um eine Opferkultstelle gehandelt haben. Die Mastaba war von einer Mauer umgeben. Der Name des Besitzers ist unbekannt.
Tarchan ist der größte publizierte Friedhof aus der Zeit der Reichseinigung. Aus dem Grab 2025 aus der Ersten Dynastie stammt das älteste Kleidungsstück aus Ägypten (Inventarnummer UC 28614bI).
Koordinaten: 29° 30′ 0″ N, 31° 13′ 30″ O