Teaching Analysis Poll (TAP) ist ein Verfahren der qualitativen Lehrveranstaltungsevaluation an Hochschulen. Eine Person, die nicht an der Veranstaltung beteiligt ist und meist aus der Hochschuldidaktik oder dem Qualitätsmanagement der Hochschule kommt, moderiert etwa zur Mitte der Vorlesungszeit in Abwesenheit der Lehrperson eine Gruppendiskussion mit den Studierenden. Diese beschreiben, was ihr Lernen in der Veranstaltung fördert, was es behindert und welche Verbesserungen sie vorschlagen. Die Moderation fasst die mehrheitlich geteilten Rückmeldungen zusammen und bespricht sie mit der Lehrperson, die sie in der nächsten Sitzung mit den Studierenden aufgreift. Änderungen sind so noch im laufenden Semester möglich.
Das Verfahren steht in der Tradition der Zwischenevaluationen, die seit den 1980er Jahren an amerikanischen Hochschulen entwickelt wurden, beginnend mit der Small Group Instructional Diagnosis. Zahlreiche Hochschulen im deutschsprachigen Raum bieten das TAP als Ergänzung zur fragebogengestützten Lehrveranstaltungsbewertung an.
Ein TAP findet nur auf Wunsch der Lehrperson statt, und die Ergebnisse gehen ausschließlich an sie. Die Lehrperson meldet ihre Veranstaltung an und vereinbart einen Termin in der Mitte der Vorlesungszeit. An diesem Tag beendet sie die Sitzung meist 30 Minuten früher, stellt die Moderation vor und verlässt den Raum. Die Studierenden besprechen in Kleingruppen, wodurch sie in der Veranstaltung am meisten lernen, was ihr Lernen erschwert und welche Verbesserungsvorschläge sie für die hinderlichen Punkte haben. Die Fragen zielen damit nicht auf eine Bewertung der Lehrperson, sondern auf den Lernprozess der Studierenden. Im Plenum klärt die Moderation unklare Aussagen durch Nachfragen und lässt abstimmen, welche Punkte die Mehrheit der Anwesenden teilt. An einzelnen Hochschulen werden die Fragen im Vorgespräch an das Anliegen der Lehrperson angepasst oder um eine vierte Frage ergänzt.
Die Moderation fasst die mehrheitsfähigen Rückmeldungen anonymisiert zusammen und bespricht sie möglichst vor der nächsten Sitzung mit der Lehrperson. Dabei wird auch überlegt, wie mit den Anregungen umgegangen werden kann. In der folgenden Sitzung erläutert die Lehrperson den Studierenden, welche Konsequenzen sie zieht und warum sie einzelne Vorschläge nicht aufgreift.
Die Moderation übernehmen meist Mitarbeitende der Hochschuldidaktik, der Evaluation oder des Qualitätsmanagements. Einige Hochschulen schulen dafür auch Studierende. Die Verortung bei der Hochschuldidaktik oder beim Qualitätsmanagement hat jeweils Vorteile und Nachteile. Hochschuldidaktisch geschulte Moderierende können die Rückmeldungen didaktisch einordnen und eine Beratung anschließen, während eine Anbindung außerhalb der Hochschuldidaktik als anonymer und ergebnisoffener gilt. An der Technischen Hochschule Köln ist das Verfahren in der Evaluationsordnung von 2018 als Alternative zur Fragebogenerhebung verankert.
Das TAP gehört zu einer Familie amerikanischer Verfahren der Zwischenevaluation, als deren Ausgangspunkt die Small Group Instructional Diagnosis (SGID) gilt. D. Joseph Clark und Mark V. Redmond entwickelten sie Anfang der 1980er Jahre an der University of Washington. Sie sah bereits ein Vorgespräch, eine Befragung der Studierenden in Kleingruppen, ein Rückmeldegespräch mit der Lehrperson und die Besprechung der Ergebnisse mit den Studierenden vor. Das Verfahren wurde in über 130 Lehrveranstaltungen erprobt. In einer Begleitstudie verbesserte sich die Lernmotivation der beteiligten Studierenden bei 10 von 18 Variablen signifikant, in der Kontrollgruppe dagegen nicht. Später entstanden an amerikanischen Hochschulen weitere Varianten wie die Group Instructional Feedback Technique und die Bare Bones Questions. Unter dem Namen Teaching Analysis Poll wird das Verfahren an mehreren amerikanischen Hochschulen angeboten. Nach Angaben in der Fachliteratur wurde diese Form am Teaching Ressource Center der University of Virginia entwickelt.
Die Universität Bielefeld gehörte zu den ersten Hochschulen in Deutschland, die das Verfahren einsetzten. Ihr Team „Lehren und Lernen“ erprobte das TAP im Wintersemester 2010/11, nachdem es die Methode von Dorothe J. Bach von der University of Virginia kennengelernt hatte. Bis zum Sommersemester 2011 wurden TAPs in 22 Veranstaltungen durchgeführt, von Seminaren mit 20 bis zu Vorlesungen mit über 300 Teilnehmenden. Rund die Hälfte der teilnehmenden Lehrenden waren Professorinnen und Professoren. Die Hochschulrektorenkonferenz nahm das Bielefelder Verfahren 2017 in die Beispielsammlung ihres Projekts nexus auf. Etwa zur gleichen Zeit führte die Universität Regensburg das Verfahren ein. In den folgenden Jahren übernahmen es zahlreiche weitere Hochschulen. Eine Übersicht der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) nannte 2019 mehr als ein Dutzend Anbieter, darunter die Universitäten Leipzig, Oldenburg, Paderborn, zu Köln und St. Gallen sowie die Ruhr-Universität Bochum und die Technische Hochschule Köln. Seit 2019 befasst sich in der dghd auch eine Arbeitsgruppe zu qualitativen Feedbackmethoden und Evaluationsmethoden mit dem Verfahren. Mehrere Hochschulen rechnen ein TAP auf hochschuldidaktische Zertifikate an. Außerhalb des deutschsprachigen Raums wird das TAP unter anderem an der Universität Bergen eingesetzt.
Für große Vorlesungen gibt es das big TAP, bei dem die Studierenden ihre Antworten vorab online abgeben, sodass die Zeit in der Veranstaltung vollständig für Klärung und Abstimmung zur Verfügung steht. TAPs werden auch in Videokonferenzen angeboten, teils mit elektronischen Abstimmungssystemen. Die Universität Regensburg verzichtet auf die Frage nach Verbesserungsvorschlägen, erfasst vorab die Lernziele und wertet die Rückmeldungen mit einem Kodierleitfaden aus. Die an der Technischen Universität Berlin beschriebene Formative Teaching Analysis Poll kommt ohne externe Moderation aus und wird von der Lehrperson selbst durchgeführt. An der Universität Bergen wird das Verfahren auch auf ganze Studiengänge angewendet. An anderen Hochschulen dient es zu Semesterbeginn als Erwartungsabfrage.
Für die Auswertung der Rückmeldungen entwickelte Birgit Hawelka an der Universität Regensburg ab 2016 einen Kodierleitfaden mit neun Kategorien, die von der Interaktion in der Veranstaltung über die Motivation und die Lernstrategien der Studierenden bis zu den Rahmenbedingungen reichen. Er soll die studentischen Aussagen nach didaktischen Kriterien ordnen und dem Beratungsgespräch eine einheitliche Grundlage geben. In einer Erprobung ließen sich fast alle Aussagen zuordnen, und die Kodierenden stimmten hoch überein. Der Leitfaden liegt seit 2019 auch auf Englisch vor.
Birgit Hawelka und Stephanie Hiltmann begründen die Wirksamkeit des Verfahrens vor allem damit, dass es studentisches Feedback mit einer Beratung verbindet. Für diese Kombination hat eine Metaanalyse von Angela Penny und Robert Coe einen mittleren bis großen Effekt auf die Qualität der Lehre ermittelt, während Evaluation ohne anschließende Beratung nach der Literaturübersicht der beiden Autorinnen kaum Wirkung entfaltet. Eine Studie zur SGID zeigte, dass Lehrende nach der Rückmeldung ihre Veranstaltungen veränderten.
Das TAP gilt als Ergänzung der quantitativen Lehrveranstaltungsevaluation, nicht als Ersatz. Da auch die Studierenden freiwillig teilnehmen, kann in Vorlesungen ein Teil der Anwesenden den Raum verlassen, sodass die Ergebnisse vor allem die Sicht der engagierten Studierenden wiedergeben. In sehr kleinen Gruppen kann die Abstimmung per Handzeichen durch Gruppendruck beeinflusst werden. Methodisch wird an der Grundform kritisiert, dass sie die Lernziele der Veranstaltung nicht berücksichtigt, dass spontan entwickelte Verbesserungsvorschläge zu verkürzten Lösungen führen können und dass die Qualität der Analyse ohne einheitliche Kriterien stark von der moderierenden Person abhängt. Wegen des Moderationsaufwands eignet sich das Verfahren nicht für eine flächendeckende Lehrveranstaltungsevaluation, und einzelne Hochschulen begrenzen die Zahl der angebotenen TAPs.