Teichbinsen

Teichbinsen

Gewöhnliche Teichbinse (Schoenoplectus lacustris, rechts), Illustration. Links unten ist die Borstige Schuppensimse (Isolepis setacea; Syn.: Scirpus setaceus) abgebildet

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Sauergrasgewächse (Cyperaceae)
Gattung: Teichbinsen
Wissenschaftlicher Name
Schoenoplectus
(Rchb.) Palla

Teichbinsen (Schoenoplectus), auch Teichsimsen, Seebinsen oder Flechtbinsen, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Sauergrasgewächse (Cyperaceae). Die 18 bis zu 30 Arten sind fast weltweit verbreitet.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Teichbinsen-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen und erreichen Wuchshöhen von bis über 250, selten 400 Zentimetern. Der Stängel ist unten rund, oben entweder oval oder dreikantig und blattlos. Die Farbe des Stängels variiert zwischen frisch-grün und grau-grün. Der Stängel hat meist nur am Grund mehr oder weniger spreitenlose Blätter.

Generative Merkmale

An den oberen Enden der Stängel befindet sich eine scheinbar seitenständige Spirre aus braunen Ährchen – ein Hüllblatt erscheint wie eine „Fortsetzung“ des Stängels. Es sind keine oder bis zu sechs hypogynen Borsten vorhanden. Jede Blüte enthält drei Staubblätter. Es sind zwei oder drei Narben vorhanden.

Die Frucht ist meist linsenförmig, glatt und braun.

Standortbedingungen in Mitteleuropa

Teichbinsen-Arten wachsen in der Regel an feuchten Plätzen, vor allem an Ufern von Gewässern. Die Gewöhnliche Teichbinse bildet beispielsweise in idealtypisch zonierten Seen eine eigene Pflanzengesellschaft (Scirpetum lacustris) in Form von Rieden, die sich seeseitig, also in schon recht tiefem Wasser, an Schilfröhrichte anschließen. An manchen Gewässern werden auch Dominanzbestände ohne andere Großröhrichte und -riede ausgeprägt. Mehrere Schoenoplectus-Arten sind salztolerant und besiedeln entsprechend salzhaltige Gewässer in Küstennähe oder an Binnensalzstellen.

Totora-Schilf (Schoenoplectus californicus)
Tümpel mit Gewöhnlicher Teichbinse (Schoenoplectus lacustris), rechts
Salz-Teichbinse (Schoenoplectus lacustris subsp. glaucus)
Kleine Dreikant-Teichbinse (Schoenoplectus pungens)
Dreikantige Teichbinse (Schoenoplectus triqueter)

Systematik und Verbreitung

Die Gattung Schoenoplectus wurde 1888 durch Eduard Palla in Verhandlungen der Kaiserlich-Königlichen Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien, Band 38 (Sitzungsbericht), Seite 49 aufgestellt. Der Gattungsname Schoenoplectus leitet sich aus den altgriechischen Wörter schoinos für „Binse“ und plektos für „geflochten“ ab. Synonyme für Schoenoplectus (Rchb.) Palla nom. cons. sind: Elytrospermum C.A.Mey., Heleogiton Schult. nom. illeg., Heleophylax P.Beauv. ex T.Lestib., Malacochaete Nees, Pterolepis Schrad., Pterygolepis Rchb.

Gelegentlich wurden sie auch in die Gattung Scirpus einbezogen.

Die Arten der Gattung Schoenoplectus sind fast weltweit verbreitet. In Mitteleuropa kommen die Arten Gewöhnliche Teichbinse (Schoenoplectus lacustris (L.) Palla), Strand-Teichbinse, Schoenoplectus litoralis ((Schrad.) Palla), Kleine Dreikant-Teichbinse (Schoenoplectus pungens ((Vahl) Palla)), Salz-Teichbinse (Schoenoplectus tabernaemontani ((C.C.Gmel.) Palla)), Dreikantige Teichbinse (Schoenoplectus triqueter ((L.) Palla)) vor. Die genannten mitteleuropäischen Arten sind mit Ausnahme von Schoenoplectus lacustris zerstreut bis sehr selten und stehen zum Teil auf der Roten Liste.

Insgesamt gehören 18 bis 30 Arten zur Gattung Schoenoplectus:

Naturhybride sind:

Nicht mehr in diese Gattung Schoenoplectus werden die Arten der Gattung Schoenoplectiella gerechnet:

Künstliche schwimmende Inseln aus Totora-Schilf (Schoenoplectus californicus), gebaut von den Urus für ihre Siedlungen im Titicaca-See

Verwendung

In der Jungsteinzeit flochten Menschen, wie noch heute aus der „Binse“ Matten und Körbe. Teichbinsen-Arten werden außerdem in biologischen Kläranlagen eingesetzt. Die Erforschung dieser Möglichkeiten durch die Gewöhnliche Teichbinse ist besonders Käthe Seidel (1907–1990) zu verdanken.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Wolfram Schultze-Motel: Familie Cyperaceae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band II, Teil 1. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1980, ISBN 3-489-54020-4, S. 11–12.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 Datenblatt Schoenoplectus bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
  3. 1 2 Michael Koltzenburg: Schoenoplectus. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 252–253.
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