| Auaris in Hieroglyphen | ||||||
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Hut-waret Ḥw.t-wˁr.t | ||||||
| Griechisch | Αὔαρις (Auaris) | |||||
Auaris (auch Avaris) ist der griechische Name der altägyptischen Stadt Hut-waret. Sie lag im östlichen Nildelta in unmittelbarer Nähe des heutigen Ortes Tell el-Dabʿa.
Bereits im Jahr 1885 führte Édouard Naville erste Untersuchungen durch. Obwohl sich unter den Funden syrisch-palästinische Bronzen und Keramik befanden, blieben diese nur kursorisch veröffentlicht und wenig beachtet. 1928 stieß Mahmud Hamza ca. 2 km nördlich von Tell el-Dabʿa, am Südrand der Ortschaft Qantir, bei Ausgrabungen auf eine gewaltige Palastanlage aus der Zeit der 19. und 20. Dynastie, die er als Pi-Ramesse identifizierte. Dabei kamen Fayence-Kacheln und Architekturteile zu Tage, die sich zu Thronaufgängen, Erscheinungsfenstern und prächtigen Portalen zusammenfügen ließen. Nach Ausgrabungen westlich von Tell el-Dabʿa 1942 bis 1944 identifizierte Labib Habachi diesen Fundplatz als Erster als Hyksos-Hauptstadt Auaris. Zur selben Zeit untermauerte er die Ansicht, dass es sich beim Fundplatz Qantir um Pi-Ramesse handelte, da er beim nahe gelegenen Didamun-Kanal auf Portale stieß, die aus Häusern von hohen Beamten aus der Ramessidenzeit stammten.
Allerdings vertraten Ägyptologen wie Pierre Montet die Ansicht, dass Auaris und Pi-Ramesse in Tanis liegen müssten, da sich dort eine Unzahl von Steinmonumenten befindet, die nur aus Pi-Ramesse und Auaris stammen können. Man konnte sich nicht vorstellen, dass die enorme Menge an Steinmonumenten während der 21. und 22. Dynastie von Qantir in das 25 km entfernt liegende Tanis abtransportiert wurde. Andererseits wurde nicht ein einziger Block in Tanis in ursprünglicher in-situ-Verwendung gefunden.
Shehata Adam entdeckte bei Ausgrabungen von 1951 bis 1954 einen Teil des Gebietes aus der 12. Dynastie bei ʿEzbet Rushdi, darunter einen Tempel für den Kult des Amenemhet I. Seit 1966 (mit einer kurzen Unterbrechung von 1970 bis 1974) wird das Gebiet durch das Österreichische Archäologische Institut untersucht, von 1966 bis 2009 und 2011 unter der Leitung von Manfred Bietak, seit 2009 unter der Leitung von Irene Forstner-Müller. Durch die Grabungen des Österreichischen Archäologischen Institutes konnte eine eindeutige Lokalisierung von Auaris in Tell el-Dabʿa und Pi-Ramesse in Qantir vorgenommen werden.
Von 1966 an war der Forschungs-Schwerpunkte auf Siedlungsarchäologie, basierend auf stratigraphischen Siedlungsfolgen sowie auf Siedlungsmorphologie ausgerichtet Siedlungsarchäologie Eine umfassende geophysikalische Prospektion des Fundplatzes ermöglichte weiterführende Rekonstruktionen der Stadttopographie und fließen in einen Gesamtübersichtsplan von Tell el-Dabʿa ein. Grundlage dafür bietet der auf Basis der Magnetik und Widerstandsmessung erstellte Übersichtsplan von Tell el-Dab'a. Dazu gehören unter anderem die Erforschung der antiken Flussarme und die Rekonstruktion der Hafen-Landschaft.

Der Fundplatz Tell el-Dabʿa liegt heute im ägyptischen Ostdelta am Didamun-Kanal, ca. 8 km nördlich von Faqus bzw. ca. 140 km nordöstlich von Kairo. In der Antike lag Auaris am östlichsten der Deltaarme, dem Pelusischen Nilarm. Ab dem späten elften Jahrhundert v. Chr. begann der Fluss jedoch zu versanden und verlagerte sich nach Westen. Für die Lokalisierung von Auaris bei Tell el-Dabʿa und Pi-Ramesse bei Qantir war es deshalb besonders wichtig, den ursprünglichen Verlauf des Pelusischen Nilarms festzustellen. Gerade in diesem Gebiet ist er eindeutig anhand eines stark ausgeprägten Sedimentationsrückens nachweisbar. Die beiden Uferdämme sind hier höher erhalten, da sich die Konturen durch Siedlungstätigkeit, also durch Baurelikte aus Lehmziegeln, stark erhöht hatten.
Die antike Topographie, die weitestgehend nicht mehr erhalten ist, konnte in der Umgebung von Tell el-Dabʿa anhand von Bodenbohrungen rekonstruiert werden. Die moderne Oberfläche erscheint flach und ist bedeckt von landwirtschaftlich genutzten Feldern. Nur ein kleiner Tell ist sichtbar (nördlich von Areal A/II), der heute als Friedhof verwendet wird.
Zu pharaonischer Zeit bestand das Gelände aus einer Hügelkette aus Sandrücken, sogenannten Geziras. Als vor der Überschwemmung geschütztes Land boten sie günstige Besiedlungsgründe. Vom Pelusischen Nilarm zweigten zwei breite Nebenarme nach Osten ab (F2 und F3), die durch kleinere Verzweigungen verbunden waren und so die Geziras als „Inseln“ umschlossen. Der Arm F2 war seichter als F1, aber noch schiffbar. F3 war zu Beginn des Mittleren Reiches vermutlich noch als Flussarm aktiv, aber in der späten Hyksoszeit bereits weitgehend verlandet.

Die größte Ausbreitung erreichte die Siedlungsstruktur während der 19. und 20. Dynastie mit zwei Ballungszentren, im Norden bei Qantir und im Süden bei Tell el-Dabʿa. Die beiden zwei Kilometer entfernt liegenden Gebiete waren durch weitere Siedlungsgründe auf kleineren Sandrücken und einen Besiedlungsstreifen entlang der östlichen Uferdammzone des Pelusischen Nilarmes noch stärker miteinander verbunden. Nördlich vom Tell el-Dabʿa lag ein Seebecken, in dessen Mitte das Wasser fast das ganze Jahr hindurch stehen blieb und das vom westlich gelegenen Pelusischen Nilarm über eine kanalartige Einmündung gespeist wurde. Nach Berichten aus der Biographie des Ahmose, Sohn der Ibana, und der zweiten Kamose-Stele zu urteilen, wurden in den Gewässern um Auaris sogar Flottenoperationen durchgeführt.
Insgesamt nahm die Stadt einen strategisch äußerst günstigen Platz ein:
Koordinaten: 30° 47′ N, 31° 49′ O


Der Ort erscheint in ägyptischen wie auch in griechischen Quellen als Hauptstadt der Hyksos, einer Fremdherrscherdynastie vorderasiatischer Herkunft in Ägypten. Die Überreste dieser Stadt werden mit der heutigen Ortschaft Tell el-Dabʿa im östlichen Nildelta identifiziert. Auaris befand sich auf überschwemmungsfreien Geziras (Sandrücken) östlich des pelusischen Nilarms und war nach Osten hin von einem Altwasserarm umgeben. Die Stadt war ein bedeutender Seehafen und bildete den Ausgangspunkt der wichtigsten Verkehrswege in den Vorderen Orient.
Schon im frühen Mittleren Reich gab es hier eine große planmäßig angelegte Siedlung mit. Hauseinheiten von ca. 27 m². Weiter nordöstlich, bei Ezbet Ruschdi, lag eine etwas spätere Siedlung des Mittleren Reiches mit einem Gedächtnistempel für den Gründer der 12. Dynastie Amenemhet I., den Sesostris III. in seinem 5. Regierungsjahr (ca. 1878 v. Chr.) errichten ließ.
Ab der späten 12. Dynastie (ca. ab 1850 v. Chr.) ließen sich südlich der bestehenden Siedlung – gewiss mit Zustimmung der ägyptischen Krone – Einwanderer aus der nördlichen Levante nieder, die den Ort in der Folge zu einem florierenden Handelszentrum entwickelten. Die Ausgrabungen brachten ein großes Herrenhaus von mehr als 1400 m² zutage, das vermutlich von einem hochrangigen Würdenträger bewohnt wurde. Südlich dieses Gebäudes lag ein Garten mit Bewässerungssystem, in dem sich ein Friedhof befand.
Während die Grabarchitektur eindeutig ägyptische Formen zeigt, belegen die Beigaben – etwa vorderasiatische Waffen – sowie der Brauch, paarweise Esel, Schafe und Ziegen im Eingangsbereich der Grüfte zu deponieren, die vorderasiatische Herkunft der Bestatteten. Ein goldgefasster Amethystskarabäus aus einem der Gräber nennt zudem einen Herrscher von Retjenu.
Neben dem ersten Herrenhaus wurde bald ein noch größeres angelegt, das jedoch unvollendet blieb. Auch das ältere Herrenhaus wurde schließlich aufgegeben.
Im Ostteil der Stadt wurde ein großer Sakralbezirk freigelegt, in dem sich ein über 30 m langer Tempel vorderasiatischen Typs befand. Sein Sanktuar besaß einen Breitraum mit einer großen Nische. Davor lag ein offener Altar für Brandopfer, der im Schatten von Eichenbäumen stand. Am westlichen Rand des Kultareals erhob sich ein Knickachsentempel mit freistehendem Turm. Der gesamte Sakralbezirk war von Friedhöfen umgeben, die wiederum von Bauten mit rituellen Funktionen begleitet wurden.
Anhand eines lokal geschnittenen Rollsiegels mit der Darstellung des Wettergottes Hadad/Baal-Zephon als Schirmherr der Seefahrer ist es wahrscheinlich, dass dieser durch die Siedler aus der Levante in der 13. Dynastie eingeführt und schließlich als interpretatio aegyptiaca mit dem ägyptischen Wettergott Seth identifiziert wurde. Seth, der Herr von Auaris, wurde der Schirmherr der Dynastie des Königs Nehesi (14. Dynastie) und scheint in der Folgezeit die wichtigste Gottheit von Auaris geworden zu sein, die mit der Hyksosdynastie (15. Dynastie) fest verbunden war. Dass Seth von Auaris die ganze Zeit hindurch in Gestalt des syrischen Wettergottes verehrt worden war, können wir anhand seiner wesentlich späteren Darstellung in asiatischer Gestalt auf der sogenannten 400-Jahres-Stele als Ahnherr der 19. Dynastie annehmen.
Der Sethtempel der Hyksoszeit befand sich im Bereich des heutigen Tells. Dieser war mit einem Palast der 15. Dynastie (Areal F/II) durch eine Allee verbunden. Im Stadtzentrum (Areal F/I) fanden sich noch Reste eines großen Tempels, der der Ackertätigkeit zum Opfer gefallen ist.
Unter dem genannten Palast kamen Magazine eines älteren Palastes zum Vorschein. In der späten Hyksoszeit (ca. 1580–1540 v. Chr.), wurde ein neuer Palastbezirk im Westteil der Stadt unmittelbar am Ostufer des östlichsten Nilarmes (des Pelusischen Nilarmes) angelegt. Von diesem sind nur Gartenanlagen und Randgebäude freigelegt worden. Der Großteil des Palastes dürfte rezenten Kanal- und Straßenbauten zum Opfer gefallen sein.
Die Bevölkerung von Auaris setzte sich in der Zweiten Zwischenzeit aus Menschen ägyptischer wie auch vorderasiatischer Herkunft zusammen. Die Stadt war bereits seit dem Mittleren Reich – und besonders während der Hyksoszeit – eine bedeutende Hafenstadt und verfügte über ein großes Hafenbecken.
Die materielle Kultur zeigt zunächst eine weitreichende Ägyptisierung, die sich vor allem im häuslichen Bereich – in Architektur und Alltagskultur – beobachten lässt. Im sakralen und funerären Bereich hielten die Bewohner jedoch deutlich beharrlicher an Traditionen der mittleren Bronzezeit in der Levante fest.
Im Verlauf der Hyksoszeit ist zudem ein auffälliger Rückgang des Außenhandels mit der Levante zu verzeichnen.
Die thebanische 17. Dynastie unternahm schließlich unter Kamose einen militärischen Vorstoß bis nach Auaris. Sein Nachfolger Ahmose, der Begründer der 18. Dynastie, konnte Auaris um ca. 1530 v. Chr. einnehmen. In der frühen 18. Dynastie entstand hier ein rund 5 Hektar großer Palastbezirk. Zwei der Paläste waren mit minoischen Wandmalereien dekoriert, deren Motive und Embleme einen direkten Bezug zu Knossos erkennen lassen.

Unter Sethos I. und Ramses II. wurde nördlich von Auaris die Deltaresidenz Pi-Ramesse in der Nähe des heutigen Qantir errichtet. Auaris bildete damit den südlichen Bereich dieser neuen Residenzstadt. Vor allem der Seth-Tempel wurde in dieser Zeit weiter ausgebaut. Während ein Teil von Auaris weiterhin als Hafen diente, lag der Großteil des alten Stadtgebiets brach und wurde vor allem als Begräbnisplatz für die Einwohner von Pi-Ramesse genutzt.
Am Ende der 20. Dynastie, um etwa 1110 v. Chr., wurde Pi-Ramesse aufgegeben – vermutlich infolge der Verlandung des pelusischen Nilarms. Mit dem Umzug der Residenz in das rund 30 km entfernte Tanis ging der umfangreiche Transport zahlreicher Monumente aus Pi-Ramesse einher. Aufgrund der vielen dort verbauten Inschriften wurde Tanis lange Zeit irrtümlich mit der Ramses-Stadt identifiziert.
Durch die Versandung des pelusischen Nilarms blieb das Gebiet nach der 20. Dynastie fast ein halbes Jahrtausend lang unbewohnt. Erst mit der Reaktivierung dieses Wasserwegs wurde der Ort ab der Saïten- und Perserzeit bis in die frühe ptolemäische Epoche erneut besiedelt. Es entstand eine ausgedehnte Siedlung mit charakteristischen Turmhäusern und einem Tempel.
Aktuelle Vorberichte erscheinen in: Egypt and the Levant. International Journal for Egyptian Archaeology and Related Disciplines. Wien 1990 ff.
Manfred Bietak (Hrsg.): Ausgrabungen in Tell el-Dab‛a. Verlag der Österreichischen Akademie er Wissenschaften, Wien