Die Laubheuschrecken (Tettigoniidae) sind eine Familie der Langfühlerschrecken (Ensifera). Diese Gruppe ist sehr arten- und formenreich.
Merkmale
Häufig sind die Flugorgane reduziert. Ausgenommen die Gruppe der Meconematinae sind die Flugorgane aber wenigstens bei Männchen im Basalteil, mit dem Stridulationsorgan, erhalten. In den Vordertibiae (Vorderschienen) finden sich immer Gehörorgane (vgl. Tympanalorgan). Die Tarsen sind depress (abgeflacht) und viergliedrig. Das dritte Tarsenglied ist ungefähr herzförmig. Die Cerci der Männchen sind ungegliedert. Der Legebohrer oder Ovipositor der Weibchen weist unterschiedliche Längen auf, ist aber bei allen Arten gut ausgebildet. Er ist zusammengesetzt aus drei Gonapophysenpaaren.
Systematik
Die Familie der Tettigoniidae ist die einzige rezente Familie der Überfamilie Tettigonioidea, der außerdem nur zwei fossile Gattungen (mit unklarer Zuordnung) zugeschrieben werden. Der Familie werden zahlreichen Unterfamilien zugeordnet:
Der Überfamilie der Tettigonioidea werden außerdem die folgenden fossilen Formen zugeordnet:
† Permotettigonia gallica, Nel & Garrouste 2016. Für diese fossile Art wurde eine Familie † Permotettigoniidae eingerichtet. Erhalten ist der Abdruck eines Vorderflügels aus der Cian Formation, Roadium (mittleres Perm), gefunden in den französischen Seealpen. Nach Ansicht der Autoren entspricht der Flügel in seiner Gestalt derjenigen moderner Laubheuschrecken, die in einer Form der Mimikry Blätter nachahmen. Dies würde diese Form der Mimikry bis ins Perm zurückschreiben, sie wäre danach älter als die Bedecktsamer unter den Pflanzen. Mit Taeniopteris existierten aber in der damaligen Flora bereits Pflanzenarten mit ähnlichen Blättern.
† Haglotettigonia egregia Gorochov, 1988. Für diese fossile Art wurde eine Familie † Haglotettigoniidae eingerichtet. Es liegt vor ein unvollständiger Abdruck eines Vorderflügels in Sedimenten der Unterkreide, gefunden im Tal des Witim, Burjatien, Sibirien. Gorochov stuft den Fund als Übergangsform zwischen der Familie der Prophalangopsidae (Aboilinae, Überfamilie Hagloidea) und den Tettigoniidae ein, was er mit der Namensgebung zum Ausdruck bringen will. Eine Beziehung zu den Tettigoniiden macht er an einem Flügelfeld fest, dass er als Vorläufer des Spiegels, des schallverstärkenden Felds bei der Lauterzeugung mittels Stridulation, interpretiert, ansonsten wäre eine Einbeziehung in die Prophalangopsidae ohne weiteres möglich. Die Interpretation dieses Bereichs als Spiegel-Vorläufer wird von Romain Garrouste und Kollegen bezweifelt, was die Zuordnung zu den Tettigonioidea zu einer offenen Frage macht.
†?Haglotettigonia aenigmatosa Gorochov, 2010 Gefunden wurden zwei frühe Nymphenstadien als Inklusen in Libanon-Bernstein, dieser wird von ihm ins Barremium bis Aptium (Unterkreide) gestellt. Die Zuordnung zu den Tettigonioidea beruht auf der Gestalt der Tarsen (mit seitlichen Loben am dritten Glied und Euplantulae als Hafteinrichtungen), des langgestreckten hinteren Loben des Pronotum und den Proportionen des Kopfs, die Zuordnung zur Gattung ist allerdings rein provisorisch, aufgrund der ähnlichen Altersstellung, erfolgt, es gibt tatsächlich keinerlei übereinstimmende Merkmale.
12Romain Garrouste, Sylvain Hugel, Lauriane Jacquelin, Pierre Rostan, J.-Sebastien Steyer, Laure Desutter-Grandcolas, André Nel (2016): Insect mimicry of plants dates back to the Permian. Nature Communications 7, Article number 13735. doi:10.1038/ncomms13735, open access.
↑ A.V. Gorochov (1988): Klassifikation und Phylogenie der Tettigonioidea (Gryllida = Orthoptera). Kapitel 4 in: A.G. Ponomarenko (Herausgeber): Die biozönotische Krise der Kreidezeit und die Evolution der Insekten (Меловой биоценотический кризис и эволюция насекомых). S. 145–190. Nauka, Moskau 1988 (russisch).
↑A. V. Gorochov (2010): New and Little Known Orthopteroid Insects (Polyneoptera) from Fossil Resins: Communication 4. Paleontological Journal (Paleontologicheskii Zhurnal) 44 (6): 657–671.