The Lost Cause

The Lost Cause von Henry Mosler (1868).

Mit dem Ausdruck The Lost Cause oder The Lost Cause of the Confederacy (wörtl. „Die Verlorene Sache (der Konföderation)“) wird eine revisionistische und pseudowissenschaftliche Ideologie bzw. Mythologie bezeichnet, die sich nach der Niederlage im Amerikanischen Bürgerkrieg unter der weißen Bevölkerung der Südstaaten entwickelte. Der Begriff des „Lost Cause“ für diese Geisteshaltung geht auf das 1866 von Edward Pollard veröffentlichte Buch The Lost Cause: A New Southern History of the War of the Confederates zurück.

Historische Einordnung

Der „Lost Cause“ beinhaltet den Glauben, dass die Sache der Konföderierten Staaten während des amerikanischen Bürgerkriegs gerecht und heroisch war. Damit verbunden ist die Behauptung, dass die Sklaverei gerecht und moralisch gut war, weil sie wirtschaftlichen Wohlstand gebracht habe und für die Schwarzen der beste oder „natürlichste“ Zustand gewesen sei. Die Lost-Cause-Ideologie wurde über mehr als hundert Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs verwendet, um rassistische Machtstrukturen im Süden der Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten. Sie betont die angeblichen ritterlichen Tugenden des „Alten Südens“. Sie betrachtet den Krieg daher als einen Kampf, der in erster Linie zur Rettung der südlichen Lebensweise und zum Schutz der Rechte der Einzelstaaten geführt wurde, insbesondere für das Recht auf Austritt aus der Union. Gleichzeitig leugnet sie die zentrale Rolle der Sklaverei und des Rassismus bei der Entstehung des Krieges oder spielt sie herunter.

Eine besondere Intensität erreichten die Bemühungen von Vertretern des Lost Cause während des Ersten Weltkrieges, als die letzten Veteranen der Konföderierten starben und versucht wurde, ihre Erinnerungen zu bewahren. Als Antwort auf die Bürgerrechtsbewegung der 1950er und 1960er Jahre verstärkten die Vertreter des Lost Cause erneut ihre Aktivitäten, wie den Bau prominenter Denkmäler für die Helden der Konföderierten und entsprechende Darstellungen der Geschichte in Schulbüchern. Dadurch wollte die Lost-Cause-Bewegung sicherstellen, dass zukünftige Generationen die von ihnen so genannten „wahren“ Gründe des Südens für den Kampf kennen und entsprechend die Politik der White Supremacy und der Jim-Crow-Gesetze unterstützen würden. Die Förderung der White Supremacy ist insofern ein zentrales Ziel der Lost-Cause-Erzählung.

Inhalte

Lost-Cause-Erzählungen stellen die Sache der Konföderation in der Regel als edel und ihre Führer und Armeen als Beispiele für altmodische Ritterlichkeit dar, die hinsichtlich ihrer militärischen Fähigkeiten und ihres Mutes überlegen waren. Die Niederlage wird in diesem Geschichtsbild nur auf die zahlenmäßige Überlegenheit und die immense industrielle Macht des Nordens, zusätzlich oft auch auf Verrat, zurückgeführt, so dass die weißen Südstaatler die Ursachen der Niederlage als außerhalb ihrer Kontrolle liegend sehen konnten. Vertreter der Lost-Cause-Bewegung verurteilten auch die Politik der Reconstruction nach dem Bürgerkrieg und behaupteten, sie sei eine bewusste Strategie von Politikern und Spekulanten aus dem Norden gewesen, den Süden wirtschaftlich auszubeuten oder politische Macht zu erlangen. Das Thema „Lost Cause“ hat sich auch zu einem wichtigen Element bei der Definition von Geschlechterrollen im weißen Süden entwickelt, um Vorstellungen über die Ehre der Familie und ritterliche Traditionen zu bewahren. Darüber hinaus hat sie auch auf religiöse Überzeugungen eingewirkt.

Grundsätze

Die wesentlichen Grundsätze des „Lost Cause“ waren:

Darstellung von Brutalitäten gegen Sklaven aus einem abolitionistischen Buch.

[Ihre] Sklaveninstinkte sorgten dafür, dass sie [die Sklaven] mit ihrem Los zufrieden waren, und ihre geduldige Arbeit segnete das Land, auf dem sie wohnten, mit unermesslichem Reichtum. Ihre starke Bindung an den Ort und die Person sicherte einen treuen Dienst ... nie gab es eine glücklichere gegenseitige Abhängigkeit von Arbeit und Kapital. Der Versucher kam wie die Schlange von Eden und lockte sie mit dem Zauberwort 'Freiheit' ... Er gab Waffen in ihre Hände und gewöhnte ihre bescheidene, aber emotionale Natur an Taten der Gewalt und des Blutvergießens und sandte sie aus, um ihre Wohltäter zu vernichten.

Literatur

Commons: Lost Cause of the Confederacy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Paul Duggan: The Confederacy Was Built on Slavery. How Can So Many Southern Whites Think Otherwise? In: The Washington Post. 28. November 2018, abgerufen am 2. März 2020.; The Black and the Gray: An Interview with Tony Horwitz. In: Southern Cultures. Band 4, 1998, S. 5–15, doi:10.1353/scu.1998.0065.
  2. 1 2 Adam Domby: The False Cause: Fraud, Fabrication, and White Supremacy In Confederate Memory. University of Virginia Press, 2020, ISBN 978-0-8139-4376-3 (google.com).
  3. ↑ Gary W. Gallagher, Alan T. Nolan (Hrsg.): The Myth of the Lost Cause and Civil War History. Indiana UP, 2000, ISBN 0-253-33822-0 (google.com).
  4. ↑ David W. Blight: Race and Reunion: The Civil War in American Memory. Harvard University Press, 2001, ISBN 0-674-00332-2, S. 259 (google.com).
  5. ↑ Karen L. Cox: Dixie's Daughters: The United Daughters of the Confederacy and the Preservation of Confederate Culture. University Press of Florida, 2003.
  6. ↑ Charles Reagan Wilson: Baptized in Blood: The Religion of the Lost Cause, 1865–1920. University of Georgia Press, 2011.
  7. ↑ Alan T. Nolan: "Given the central role of African Americans in the sectional conflict, it is surely not surprising that Southern rationalizations have extended to characterizations of the persons of these people. In the legend there exist two prominent images of the black slaves. One is of the "faithful slave"; the other is what William Garrett Piston calls "the happy darky stereotype". In: Gary W. Gallagher, Alan T. Nolan (Hrsg.): The Myth of the Lost Cause and Civil War History.. 2000, S. 16.
  8. ↑ Jefferson Davis: The Rise and Fall of the Confederate Government (1881), zitiert nach: Janice A. Radway (Hrsg.): American Studies: An Anthology. John Wiley & Sons, 2009, ISBN 978-1-4051-1351-9, S. 529 (google.com): „[The] servile instincts [of slaves] rendered them contented with their lot, and their patient toil blessed the land of their abode with unmeasured riches. Their strong local and personal attachment secured faithful service ... never was there happier dependence of labor and capital on each other. The tempter came, like the serpent of Eden, and decoyed them with the magic word of 'freedom' ... He put arms in their hands, and trained their humble but emotional natures to deeds of violence and bloodshed, and sent them out to devastate their benefactors.“