The Paper Menagerie

The Paper Menagerie ist eine Fantasy-Kurzgeschichte im magischen Realismus des chinesisch-US-amerikanischen Schriftstellers Ken Liu, zuerst veröffentlicht in The Magazine of Fantasy & Science Fiction im Jahr 2011. Die Kurzgeschichte erschien ebenfalls in der Sammlung The Paper Menagerie and Other Stories. Die Kurzgeschichte gewann den Nebula Award, Hugo Award und World Fantasy Award. Ken Liu wurde damit der erste Autor, der für ein Werk alle drei gewann.

Handlung

Jack wächst in Connecticut in den Vereinigten Staaten als Sohn einer chinesischen Mutter und eines US-amerikanischen Vaters auf. Seine Mutter, die von seinem Vater einst in Hongkong gekauft wurde, besitzt die Fähigkeit, sorgfältig gefaltete Origami-Tiere zum Leben zu erwecken, was Jack als Kind außerordentlich begeistert. Er spielt oft mit den Origami-Tieren, insbesondere Laohu, einem Tiger passend zu seiner Geburt im Jahr des Tigers, und lässt sie oft von seiner Mutter reparieren, etwa als ein Origami-Wasserbüffel in Sojasoße steigt und sich seine Beine damit vollsaugen. Eines Tages lädt Jack den Nachbarsjungen Mark ein, der eine Spielfigur von Obi-Wan Kenobi aus Star Wars mitbringt und sich über die Origami-Tiere als „dummen billigen chinesischen Müll“ lustig macht. Als Jack die Spielfigur versehentlich beschädigt, brüllt Mark, sie habe mehr gekostet als seine Mutter, und zerreißt aus Rache den ihn verteidigenden Laohu. Jack scheitert an dessen Reparatur. Da Mark in der Schule sehr beliebt ist, wird Jack fortan gemobbt, etwa durch Schlitzaugen-Gesten. Als Folge ist ihm seine chinesische Herkunft fortan extrem peinlich: Er entsorgt alle Origami-Tiere in einem alten Schuhkarton und fragt seinen Vater nach einer Sammlung von Star Wars-Spielzeugen, von denen er Mark den Obi-Wan Kenobi gibt. Bei einem Abendessen fragt er seinen Vater beschämt auf Englisch, ob er wie ein „Chink“ aussehe und ob sie US-amerikanisch anstatt chinesisch essen könnten. Als seine Mutter nicht ganz versteht und auf Chinesisch fragt, was „Chink“ bedeute, fordert Jack sie mehrmals aggressiv auf, Englisch zu reden. In gebrochenem Englisch erklärt sie daraufhin, wenn sie „Liebe“ auf Englisch sage, fühle sie nur auf ihren Lippen. Doch wenn sie „Liebe“ auf Chinesisch sage, fühle sie es aus vollem Herzen.

Über die folgenden Jahre versucht sie sich im zuliebe jedoch anzupassen und lernt fleißig US-amerikanischen Umgang. Jack findet sie trotzdem weiterhin peinlich und fragt sich, wie sie überhaupt seine Mutter sein kann, denn sie hätten nichts gemeinsam. Eines Tages bricht sie zusammen und wird ins Krankenhaus gebracht, wo nach jahrelanger Vernachlässigung ihrer Symptome schließlich Krebs im Endstadium diagnostiziert wird. Auf Chinesisch bekräftigt sie Jack auf dem Sterbebett, ihn zu lieben und durch seine Origami-Tiere weiterhin bei ihm zu sein. Ihre eigene Tradition war es, Briefe an ihre verstorbene Familie zum Qingming-Fest zu schreiben und dann zu Kranichen zu falten und über den Pazifik zu schicken. Als Jack sich auf dem Flug zum Studium in Kalifornien befindet, stirbt sie. Später holt er mit seiner Freundin Susan den Schuhkarton mit den Origami-Tieren wieder hervor, doch alle sind bewegungslos. Entweder hat die Magie aufgehört zu wirken oder Jack habe sich alles mit seiner kindlichen Fantasie nur eingebildet. Susan schwärmt jedoch trotzdem von seiner Mutter als beeindruckender Künstlerin.

Zwei Jahre später hat Susan alle Origami-Tiere in ihrer gemeinsamen Wohnung als Dekoration aufgestellt. Eines Tages springt Jack der von seiner Mutter reparierte Laohu, von ihm bisher komplett übersehen, in seinen Schoß und entfaltet sich komplett. Im Inneren befindet sich ein auf Chinesisch verfasster Brief seiner Mutter. Jack bestätigt im Internet seine Vermutung, dass genau an diesem Tag das Qingming-Fest ist. Da er den Brief nicht lesen kann, nur das Wort „Sohn“ am Anfang, fragt er in einem chinesischen Viertel nach Hilfe. Dort liest ihm eine Chinesin den Brief auf Englisch vor. Seine Mutter schildert darin, dass die Erweckung von Origami-Tieren eine alte Magie ihres Heimatdorfes sei. Tatsächlich würden alle Origami-Tiere diese mit ihrem Tod verlieren, doch nicht am Qingming-Fest, wenn sie all ihre Liebe hineinstecke. Daher musste sie den Brief auf Chinesisch verfassen. Seine Mutter schildert daraufhin ihre Geschichte: Ihre Kindheit verbrachte sie in der Provinz Hebei in der Großen Chinesischen Hungersnot, an der ihre Eltern für ihre Fürsorge starben, und der darauffolgenden Kulturrevolution. Wegen eines nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hongkong umgezogenen Onkels stand ihre Familie unter Spionageverdacht, was ihre Großmutter in den Suizid trieb. Ihr Großvater wurde von einer örtlichen Bande an Jugendlichen in den Wald getrieben und kehrte nie wieder. Mit zehn Jahren machte sie sich in einem Frachtenzug verwaist auf dem Weg zu diesem Onkel nach Hongkong. Nach einer erfolgreichen Schmuggelaktion aus der Provinz Guangdong wurde sie dort von Familie Chin adoptiert, jedoch nur als Arbeitskraft verwendet. Mit sechzehn Jahren wurde sie schließlich von Familie Chin an einen US-Amerikaner verkauft. Auch wenn niemand sie in Connecticut verstand und sie umgekehrt auch nichts verstand, änderte sich alles mit der Geburt von Jack. In ihm sah sie ihre Eltern wieder, er hatte ihre Augen und ihre Haare, alles wofür er sich jahrelang schämte. Seine bloße Existenz sei ihr größtes Geschenk gewesen. Seine Mutter schreibt abschließend, in China wird der größte Schmerz darin gesehen, zu spät die Fürsorge für die eigenen Eltern erkannt zu haben. So wie Jack sie behandle, habe sie sich gefühlt, als würde sie alles erneut verlieren und es schmerze, überhaupt weiterzuschreiben. An dieser Stelle bricht der Brief ab. Extrem beschämt wagt es Jack nicht einmal, die vorlesende Chinesin anzusehen, fragt jedoch nach ihrer Hilfe, das chinesische Schriftzeichen für „Liebe“ am Ende des Briefes zu schreiben und macht es gleich mehrmals. Mit alten Erinnerungen faltet er eigenhändig den Brief wieder zu Laohu, der erneut zu schnurren beginnt.

Auszeichnungen

Die Kurzgeschichte gewann den Nebula Award im Jahr 2011, Hugo Award im Jahr 2012, World Fantasy Award im Jahr 2012, den spanischen Ignotus Award im Jahr 2013, japanischen Seiun-Preis im Jahr 2014 und französischen Grand Prix de l’Imaginaire im Jahr 2016. Die Kurzgeschichte war in der finalen Auswahl für den Locus Award im Jahr 2012 und erreichte den dritten Platz bei Theodore Sturgeon Memorial Award im Jahr 2012.

Kritik

Lee Mandelo schrieb für das Reactor Magazine, dass die Kurzgeschichte unglaublich spektakulär („utterly spectacular“) sei. Ken Liu habe ein Talent für die Darstellung von Familien, dem gewöhnlichen Leben und den menschlichen („real talent for rendering families, domestic life, and human attachment of various sorts“). Es gäbe dadurch eine schwer zu ignorierende Vibration und Farbe der Charaktere („vibrancy and color to the characters“).

Einzelnachweise

  1. 1 2 © 2026 Science Fiction, Fantasy Writers of America, Inc SFWA®, Nebula Awards® are registered service marks of Science Fiction, Fantasy Writers of America, Inc Opinions expressed on this web site are not necessarily those of SFWA: 2011. In: The Nebula Awards®. Abgerufen am 2. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  2. 1 2 2012 Hugo Awards. In: The Hugo Award. 7. April 2012, abgerufen am 2. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  3. 1 2 World Fantasy Awards Winners. In: Locus. 4. November 2012, abgerufen am 2. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  4. ↑ sfadb: Ignotus Awards 2013. Abgerufen am 2. August 2026.
  5. ↑ admin: 2014 Seiun Award Winners. In: Locus. 21. Juli 2014, abgerufen am 2. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  6. ↑ Mike Glyer: Grand Prix de l’Imaginaire 2016. In: File 770. 10. Mai 2016, abgerufen am 2. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  7. ↑ admin: 2012 Locus Awards Winners. In: Locus. 16. Juni 2012, abgerufen am 2. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  8. ↑ Campbell and Sturgeon Award Winners. In: Locus. 29. Juni 2012, abgerufen am 2. August 2026 (amerikanisches Englisch).
  9. ↑ Lee Mandelo: Making Genre Personal: The Paper Menagerie and Other Stories by Ken Liu. In: Reactor. 8. März 2016, abgerufen am 2. August 2026 (amerikanisches Englisch).