The Rival Queens

„The Rival Queens, or the Death Of Alexander the Great“ ist eine 1677 uraufgeführte englische Tragödie aus der Restaurationszeit von Nathaniel Lee.

Bühnenwerk

Dieses in Blankversen verfasste Theaterstück behandelt die Eifersucht von Roxane, der ersten Frau Alexanders des Großen, auf dessen zweite Frau Stateira. Das Ringen um seine Gunst endet in einer Tragödie. Das Stück wurde von der zehnbändigen (pseudo-)historischen Romanreihe Cassandre (verfasst zwischen 1642 und 1650) des französischen Dramatikers La Calprenède beeinflusst. Es wurde von Daniel Purcell und Gottfried Finger vertont und war auf den englischen Bühnen bis ins 19. Jahrhundert ein großer Erfolg.

Seine Premiere hatte The Rival Queens am 17. März 1677 im Theatre Royal in der Drury Lane (London). Die ausführende Theaterkompanie wird als „Her Majesty Servants“ („Die Diener ihrer Majestät“) angegeben; es wird vermutet, dass es sich hierbei um die hauseigene Theatertruppe der King’s Company unter Charles Killigrew handelt. Die Rolle der Stateira galt als größter Erfolg der Schauspielerin Elizabeth Boutell.

Rezeption

Francesca Cuzzoni
Faustina Bordoni

1726–1727 wurde der Titel des Stücks zu einem bis heute bekannten ironischen Epitheton für die beiden berühmten italienischen Opernsängerinnen Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni umgemünzt, die von der Royal Academy of Music engagiert waren und in Opern von Georg Friedrich Händel, Giovanni Bononcini und Attilio Ariosti auftraten. Angeheizt von der Presse, von Satirenschreibern und Pamphletisten entstand im Publikum ein regelrechter Theaterkrieg, der im Juni 1727, während einer Aufführung von Bononcinis Astianatte, in einer Saalschlacht der jeweiligen Parteien gipfelte. Dass es dabei auch zu einem grotesken Kampf der beiden Sängerinnen – d. h. den sogenannten „Rival Queens“ – auf offener Bühne gekommen sein soll, wurde in der Händel-Literatur vielfach wiederholt, ist aber aus heutiger Sicht eine reine Erfindung damaliger Pamphletisten.

Der Professor für englische Studien an der Southern Illinois University Carbondale David Muench Vieth schrieb, dass Lee in seinem Stück die soziale Psychologie einer Ermordung darstellt – so wie sie der Protagonist Alexander oder Julius Cäsar, Abraham Lincoln, Huey Long, John F. Kennedy und Robert F. Kennedy oder Martin Luther King erfuhren. Der charismatische Führer Alexander schafft hier aber zwei gegensätzliche Antworten: Von seinen Anhängern in Loyalität bewundert in einer Art, die über das hinausgehe, was solche Menschen normalerweise erreichen könnten. Andererseits provoziert er Neid bei denen, die den Gedanken dieser Überlegenheit nicht ertragen können. In einem Sinne sei er gottähnlich, in einem anderen ist er menschlich fehlbar und verletzlich.

Einzelnachweise

  1. ↑ Suzana Ograjenšek: The Rival Queens. In: Annette Landgraf, David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 544 f.
  2. ↑ David Muench Vieth: Restoration: Studies in English Literary Culture, 1660-1700 Band 2, Nr. 2 (Herbst 1978), Seiten 10–13 online als Vorschau