Thea Bauriedl (* 25. Juli 1938 in Berlin als Theodore Kraus; † 24. November 2022 in München) war eine deutsche Psychologin und Psychoanalytikerin. Sie betrieb eine Praxis und lehrte Klinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie gilt als Begründerin der Beziehungsanalyse, einer Weiterentwicklung der Psychoanalyse als Beziehungstheorie. Sie war Mitherausgeberin der Zeitschrift für Politische Psychoanalyse und im Beirat der Humanistischen Union. Des Weiteren war sie Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac.
Thea Bauriedl besuchte Schulen in Tirol, Oberbayern und München, die sie 1956 mit dem Abitur beendete. Anschließend studierte sie Musik in München und Sprachen in Genf. 1966 begann sie Psychologie, Philosophie und Psychopathologie zu studieren. Bauriedl war von 1971 bis 1975 Assistentin am Institut für Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1975 promovierte sie mit einer Arbeit über Theoretische Probleme der ichpsychologischen Diagnostik. Von 1971 bis 1978 machte sie in München eine Ausbildung als Psychoanalytikerin. 1985 habilitierte sie sich in München. Seit 1981 ist Thea Bauriedl an der Münchner Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie in Ausbildung und Lehre tätig. Seit 1986 leitet sie das von ihr aufgebaute Institut für Politische Psychoanalyse. Seit 1989 ist sie Lehranalytikerin. Bauriedl hält zahlreiche Funktionen und Ehrenämter, insbesondere im Bereich der Friedens- und Konfliktforschung.
Bauriedl war seit Beginn ihrer Studien an Beziehungen und deren Analyse interessiert. Sie bezog Stellung zum psychotherapeutischen Prozess, zu Fragen der analytischen Abstinenz und der Ethik. Sie publizierte insbesondere zu allen Facetten von Beziehungen und Paartherapie, ohne Couch, und setzte sich mit manipulativen und suggestiven Methoden der Psychotherapie auseinander.
Bauriedls Konzept der Beziehungsanalyse versteht sich als Weiterentwicklung der Objektbeziehungstheorie nach Melanie Klein und kann als verwandt mit dem in den 1970ern in den Vereinigten Staaten entstandenen Konzept der Interpersonellen Psychoanalyse nach Erik H. Erikson oder Harry Stack Sullivan angesehen werden. Die Patient-Therapeut-Beziehung wird als weitgehend symmetrisch angesehen, es besteht eine weitgehend unbewusste Verflechtung von Übertragung und Gegenübertragung. Bauriedls zentraler Beitrag zu den Wirkmechanismen dieser Therapieform lautet: „Die Veränderung beginnt im Therapeuten.“ Bauriedl lenkte die Aufmerksamkeit des akademischen Diskurses damit auf durchaus praktische Fragen, wie Setting und Abstinenz. Der Analytiker muss sich laut Bauriedl immer wieder in jenen Zustand inneren Gleichgewichts bringen und so dem Analysanden einen psychischen Freiraum anbieten, in dem dieser – in freier Assoziation nach Freud – bisher verdrängte Gefühle und Fantasien in sich finden, benennen und dadurch integrieren kann.
Bauriedl war von 1960 bis 1975 mit dem Musikverleger Ruprecht Bauriedl (1927–2018) verheiratet; aus der Ehe stammen zwei Töchter. In zweiter Ehe war sie ab 1982 mit dem Psychoanalytiker Friedrich Wölpert (1949–2018) verheiratet und hatte mit ihm einen Sohn.
Beiträge in Sammelwerken und Zeitschriften
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bauriedl, Thea |
| ALTERNATIVNAMEN | Bauriedl, Theodore (Langform); Kraus, Theodore (Geburtsname, Langform); Bauriedl-Wölpert, Theodore (vollständiger Name, Langform); Kraus, Thea (Geburtsname, Kurzform); Bauriedl-Wölpert, Thea (vollständiger Name, Kurzform) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Psychologin, Psychoanalytikerin und Buchautorin |
| GEBURTSDATUM | 25. Juli 1938 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 24. November 2022 |
| STERBEORT | München |