Spitzschwanzsittich

Spitzschwanzsittich

Thectocercus acuticaudatus neumanni in Bolivien.

Systematik
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Eigentliche Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Neuweltpapageien (Arinae)
Gattung: Thectocercus
Art: Spitzschwanzsittich
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Thectocercus
Ridgway, 1912
Wissenschaftlicher Name der Art
Thectocercus acuticaudatus
(Vieillot, 1818)

Der Spitzschwanz- oder Blaukopfsittich (Thectocercus acuticaudatus, Syn.: Aratinga acuticaudata, Psittacara acuticaudatus) ist eine südamerikanische Papageienart.

Beschreibung

Spitzschwanzsittiche

Er ist 33 bis 38 cm lang und wiegt 170 bis 176 g, ist überwiegend grün, mit dumpfer Blaufärbung auf der Stirn, Krone, den Wangen und Ohren. Um jedes Auge hat er einen weißen, federlosen Ring. Die Brust ist grün bis gelb-grün, oft auch blau getönt. Die Flügel sind grün. Bei ausgebreiteten Flügeln sind die äußeren Schwungfedern blau-braun. Die Schwanzfedern sind oben grün, braun bis rotbraun und an der Unterseite leuchtend orange bis scharlachrot. Die Beine sind rosa-braun mit grau-braunen Krallen. Der Oberschnabel ist hornfarben, der Unterschnabel dunkel. Die Iris ist orange rot.

Jungvögel haben weniger Blau am Kopf. Spitzschwanzsittiche können zwischen 30 und 40 Jahre alt werden.

Verbreitung und Lebensraum

Sie bewohnen disjunkt den Norden Venezuelas und den Nordosten Kolumbiens, das Innere des nordöstlichen Brasilien, Nordargentinien und das Gebiet um den Río Paraguay und den Gran Chaco. Sie leben dort in trockenen Savannen, wie den Cerrado, Trocken- und Galeriewälder und mit Kakteen oder Mauritia-Palmen bewachsene Gebiete. In Kolumbien und Venezuela gehen sie in Höhen bis 400 bzw. 600 Metern, die bolivianische Unterart Thectocercus acuticaudatus neumanni wir noch in Höhen von 1500 bis 2650 Metern angetroffen.

Lebensweise und Ernährung

Spitzschwanzsittiche wandern in Abhängigkeit vom regionalen Nahrungsangebot. Bei großem Nahrungsangebot finden sich auch in große Schwärme zusammen.

Ihre Nahrung, die sie sowohl am Boden wie auch in den Wipfeln der Bäume suchen, besteht hauptsächlich aus Samen, Früchten (auch von Kakteen), Beeren (von Condalia-Arten) und Nüssen und sie richten gelegentlich Schäden auf Feldern an.

Fortpflanzung

Die Brutzeit in Venezuela ist März bis Juli, von Mai bis August auf der Isla Margarita, im Dezember in Argentinien. Die Nester bauen diese Vögel in Baumlöchern in hohen Bäumen, die Unterart Thectocercus acuticaudatus neoxena nutzt ausschließlich die Schwarze Mangrove (Avicennia germinans). Die Vögel legen in der Regel 2 bis 5 weiße Eier die vom Weibchen ca. 23 Tage bebrütet werden. Nach ca. 50 Tagen sind die Jungen flügge und verlassen das Nest. Während der Brutzeit zeigen Spitzschwanzsittiche eine erhöhte Aggression gegenüber Artgenossen und Feinden.

Die Erstzucht in Gefangenschaft gelang 1971 in England.

Unterarten

Es werden fünf Unterarten unterschieden:

Systematik

Der Spitzschwanzsittich wurde lange Zeit zu den Keilschwanzsittichen der Gattung Aratinga gestellt. Nachdem er zwischenzeitlich der Gattung Psittacara zugeordnet wurde, zeigten molekulargenetische Studien jedoch nur eine entfernte Verwandtschaft zu diesen beiden Gattungen, weshalb der Vogel in die monotypische Gattung Thectocercus transferiert wurde.

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung des Spitzschwanzsittichs erfolgte 1818 durch Louis Pierre Vieillot unter dem wissenschaftlichen Namen Psittacus acuticaudatus. Als Verbreitungsgebiet gab er Paraguay an und bezog sich auf Maracaná del cabeza azulada von Félix de Azara. 1912 führte Robert Ridgway die für die Wissenschaft neue Gattung Thectocercus für den Spitzschwanzsittich ein. Der Begriff ist ein Wortgebilde aus θηκτος, θηγω thēktos, thēgō, deutsch ‚scharf, schärfen‘ und κερκος kerkos, deutsch ‚Schwanz‘. Der Artname acuticaudatus setzt sich aus lateinisch acutus, acuere ‚scharfkantig, schärfen‘ und lateinisch -caudatus, cauda ‚-schwänzig, Schwanz‘ zusammen. Neumanni ist Oscar Neumann gewidmet, koenigi Alexander Koenig. Haemorrhous hat seinen Ursprung in αἱμα, αἱματος haima, haimatos, deutsch ‚Blut‘ und ορρος orrhos, deutsch ‚Steiß, Bürzel‘, neoxena in νεος neos, deutsch ‚neu‘ und ξενος xenos, deutsch ‚Fremder, Gast, Besucher‘. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay sechs Bälge, gesammelt von Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973), Hans Krieg (1888–1970) und Telfs in Puerto Casado sowie in in Puerto Sastre im Gran Chaco und in Estancia Estrella sowie Centurion im Bergland des Río Apa, zur Verfügung. In der Literatur sah er z. B. Fortín Page am Río Pilcomayo, in Waikthlatingmayalwa im Gran Chaco durch John Graham Kerr, in Puerto María Auxiliadora im Departamento Alto Paraguay durch Claude Henry Baxter Grant, am Oberlauf des Río Paraná durch Arnaldo de Winkelried Bertoni und in Puerto Guaraní durch Ricardo Nestor Orfila Nachweise für das Land.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Louis Pierre Vieillot (1818), S. 369.
  2. ↑ Johann Baptist von Spix (1823), S. 29, Tafel 13.
  3. 1 2 Thomas Arndt (1995), keine Seitenzahlen. Nummer 221.
  4. ↑ Charles Barney Cory (1901), S. 243.
  5. 1 2 Emmet Reid Blake u. a. (1947), S. 166–168.
  6. ↑ J. V. Remsen, Jr. et al.: DNA-sequence data require revision of the parrot genus Aratinga (Aves: Psittacidae). In: Zootaxa. Band 3641, 2013, S. 296–300, doi:10.11646/zootaxa.3641.3.9.
  7. ↑ Félix de Azara (1805), S. 421–422
  8. ↑ Robert Ridgway (1912), S. 99–100
  9. ↑ Thectocercus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  10. ↑ acuticaudatus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  11. ↑ haemorrhous The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  12. ↑ neoxena The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling
  13. ↑ John Graham Kerr (1892), S. 140
  14. ↑ John Graham Kerr (1901), S. 229.
  15. ↑ Claude Henry Baxter Grant (1911), S. 326.
  16. ↑ Arnaldo de Winkelried Bertoni (1914), S. 45.
  17. ↑ Ricardo Nestor Orfila (1936), S. 221.
  18. ↑ Alfred Laubmann (1939), S. 178–179
Commons: Blaukopfsittich (Thectocercus acuticaudatus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien