Theismus

Theismus (gr. θεός theós „Gott“) bezeichnet den Glauben an Götter bzw. eine göttliche Ordnung hinter allem Existierenden im Universum. Spezieller bezeichnet der Monotheismus den Glauben an einen personifizierten und absolutistischen Gott und der Polytheismus den Glauben an mehrere Götter. In dieser Sichtweise bezeichnet der Theismus eine Art Überbegriff für Gottesvorstellungen aller Art. Einer anderen Sichtweise nach entspricht der Theismus einer Vorstellung Gottes, welche (im Gegensatz zum absolutistischen Gott in den monotheistischen Vorstellungen) zwar omnipräsent und „regelgebend“ wirkt, jedoch nicht aktiv in das Weltgeschehen eingreift, bzw. eingreifen kann, da sonst das Prinzip von Actio und Reactio auf der einen und die Existenz des Freien Willens auf der anderen Seite gestört würden. Ein theistisches Weltbild lässt demnach auch die Vorstellung monotheistischer Gottesbilder zu, verneint aber gleichzeitig nicht andere Ausprägungen desselben (absoluten) Gottes. Allah, JHWH und Vishnu schließen sich nach dieser Vorstellung nicht gegenseitig aus. „Monotheismus ist der Glaube an einen einzigen Gott. Theismus ist der Glaube an einen absoluten Gott.“

Ein Teil der theistischen Religionen begreift Gott als Schöpfer der Welt, der sie auch erhält und lenkend in sie eingreift. Darin unterscheiden sie sich vom Deismus, der jeden Eingriff eines Gottes in die Welt bestreitet. Der Gott theistischer Religionen ist überwiegend transzendent; teilweise hat er auch immanente Erscheinungsformen oder Elemente. Er wirkt zwar in der Welt (etwa durch Wunder und Offenbarungen), ist jedoch in der Substanz komplett von ihr verschieden (Dualismus von Schöpfer und Schöpfung). Darin unterscheidet der Theismus sich vom Pantheismus und Panentheismus.

Die Bezeichnung wurde als ein kategorisierender Begriff der Religionsphilosophie in der Aufklärung (18. Jahrhundert) geprägt gegenüber dem Atheismus, aber auch als Abgrenzung zum Deismus.

Differenzierende Begriffe

Innerhalb des Theismus kann unterschieden werden zwischen

Theistische Religionen

Theistische Religionen sind u. a.

sowie einige historische, meist dem Henotheismus zuzuordnende Religionen; unter anderen

Kritik am theistischen Gottesbegriff

Ein wichtiger Einwand gegen den theistischen Gottesbegriff entsteht aus dem Theodizeeproblem. Wenn ein Gott lenkend und leitend in den Lauf der Welt eingreifen kann, so stellt sich die Frage, warum er es dann zulässt, dass Unschuldige großes Leid erfahren. Dabei werden bei diesem Gott die Eigenschaften Allmacht und Allgüte vorausgesetzt.

Ein mögliches Eingreifen eines Gottes in die Welt wird auch deswegen von einigen abgelehnt, weil dies darauf hinausliefe, „aus Gott ein Seiendes neben anderen zu machen“.

Abgrenzende Begriffe

Der Theismus wird unterschieden von anderen Positionen zur Existenz Gottes oder zum Wesen des Göttlichen, beispielsweise

Eine scharfe Abgrenzung ist häufig nicht möglich, da es vielfache Überschneidungen gibt.

Siehe auch

Literatur

Wiktionary: Theismus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑
    • Theismus. In: Friedrich Kirchner: Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe. 5. Auflage. Leipzig 1907.
    • Theismus. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19, 6. Aufl., Leipzig 1909.
  2. ↑ Armin Risi: Der radikale Mittelweg Überwindung von Atheismus und Monotheismus; das Buch zum aktuellen Paradigmenwechsel. 3. Auflage. Rottenburg 2020, ISBN 978-3-938516-99-7, S. 22.
  3. ↑ Peter Knauer SJ: Der Glaube kommt vom Hören. Ökumenische Fundamentaltheologie. Styria, Graz/Wien/Köln 1978, S. 50 ff.
  4. ↑ Christof Bauernfeind: Gott hat keinen Plan für dein Leben! ideaSpektrum, Liestal/Wetzlar, 24. Januar 2018, S. 8–11.
  5. ↑ Norbert Hoerster: Die Frage nach Gott. Beck’sche Reihe 1635, Beck, München 2005, S. 87–111.
  6. ↑ Peter Knauer: Der Glaube kommt vom Hören. Ökumenische Fundamentaltheologie. Styria, Graz 1978, S. 52.
  7. ↑ Paneism.org, abgerufen am 20. März 2021