Theodor Wittstein

Theodor Wittstein (auch: Theodor Ludwig Wittstein; * 5. November 1816 in Hann. Münden; † 1. März 1894 in Hannover) war ein deutscher Mathematiker, Gymnasiallehrer und Schulbuch-Autor.

Leben

Theodor Wittstein wurde zu Beginn des Königreichs Hannover als Sohn eines in Hann. Münden tätigen Gymnasiallehrers geboren. Sein älterer Bruder Georg Christoph Wittstein wurde später Pharmazeut, Chemiker, Lehrer und Botaniker. Anfangs vorgebildet auf der Mündener Schule, besuchte er von 1832 bis 1836 zunächst in Hannover die dortige höhere Gewerbeschule, um sich für den Maschinenbau ausbilden zu lassen. Von 1839 bis 1842 studierte er an der Universität Göttingen vor allem Mathematik bei Carl Friedrich Gauß sowie die Fächer Philosophie und Physik.

1842 nahm Wittstein in der nunmehrigen Residenzstadt Hannover die Stelle eines Lehrers für Mathematik und Physik am städtischen Lyceum an, trat jedoch 1844 aus der Anstellung aus, da ihm für den Unterricht nur 300 Taler Gehalt gezahlt wurden. Ebenfalls 1844 promovierte er und begann seitdem schriftstellerisch tätig zu werden, behandelte zuerst die mathematische Psychologie von Johann Friedrich Herbart. Etwa zu diesem Zeitraum entstanden Wittsteins Vorbereitungen für sein Lehrbuch der Mathematik, das insbesondere in Österreich große Verbreitung fand.

Im Revolutionsjahr 1848 übernahm Wittstein die Stellung eines Lehrers für Mathematik und Geodäsie beim Königlichen Cadetten-Corps; unterrichtete drei Jahre später dann in der Königlich Hannoverschen Generalstabs-Akademie. Ebenfalls 1848 verfasste Wittstein seine Schrift An die hohe allgemeine Ständeversammlung des Königreichs Hannover. Ehrerbietige Vorstellung betreffend den Zustand unserer Gymnasien, doch die Eingabe war nicht von Erfolg gekrönt.

1848 übersetzte Wittstein als Herausgeber ein mehrbändiges Lehrbuch der Differential- und Integralrechnung und gab dem Werk auch eine erste Abhandlung der Methode der kleinsten Quadrate bei.

Aus dem Jahr 1851 hat sich ein handschriftlicher Brief Wittsteins an Alexander von Humboldt erhalten.

1852 übernahm Wittstein Unterrichtseinheiten an der städtischen Handelsschule zu Hannover. 1855 wurde ihm der Titel eines Professors verliehen. Im selben Jahr verlieh ihm König König Georg V. die von ihm gestiftete Gauss-Medaille, 1857 wurde Wittstein mit der Verleihung des Königlichen Guelphen-Ordens vierter Klasse geehrt. Schließlich wurde ihm 1862 die Goldene Ehrenmedaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

1866 gab Theodor Wittstein seine Lehrtätigkeit auf und trat in die Hannoversche Lebensversicherungs-Anstalt ein, übernahm 1870 deren Geschäftsleitung und führte das Unternehmen bis 1889.

Ebenfalls 1866 war Wittstein Bevollmächtigter der Europäischen Gradmessung. Er verfasste im selben Jahr das Vorwort zu Oscar Schreibers Theorie der Projectionsmethode der Hannoverschen Landesvermessung und wird als Schreibers Berater angesehen.

Der Mathematiker und Versicherungsdirektor hatte unterdessen die Bezeichnung „mathematische Statistik“ erfunden und veröffentlichte 1867 eines seiner Hauptwerke unter dem Titel Mathematische Statistik und deren Anwendung auf National-Ökonomie und Versicherungs-Wissenschaft.

Im September 1868 gab der Mathematiker Wittstein das von dem Geodäten Carl Friedrich Gauß verfasste Allgemeine Koordinaten-Verzeichniss als Ergebnis der Hannoverschen Landesvermessung aus den Jahren 1821 bis 1844 heraus, das laut dem Untertitel „zum Zwecke der Benutzung bei den Vermessungsarbeiten zur Vorbereitung der anderweiten Regelung der Grundsteuer“ 1868 bei Wilhelm Riemschneider abgedruckt wurde.

Am 24. Januar 1874 referierte Wittstein im Hannoverschen Künstlerverein in einer dann publizierten Schrift über den Goldenen Schnitt und dessen Anwendung in der Kunst.

Das Adressbuch Hannover für 1894 verzeichnete den letzten Wohnsitz des Prof. Dr. phil. im Parterre des Hauses Wilhelmstraße 10.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Archivalien

Archivalien von und über Theodor Wittstein finden sich beispielsweise

Einzelnachweise

  1. 1 2 Angaben der Deutschen Nationalbibliothek
  2. ↑ o. V.: Wittstein, Theodor Ludwig in der Datenbank Niedersächsische Personen (Neueingabe erforderlich) der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 4. November 2019
  3. 1 2 3 4 5 Wilhelm Rothert: Wittstein, Theod., in ders.: Allgemeine Hannoversche Biographie, Band 3: Hannover unter dem Kurhut 1646–1815 Sponholtz, Hannover 1916 (posthum von seiner Frau A. Rothert und M. Peters herausgegeben), S. 372
  4. ↑ Johann C. Poggendorff: Wittstein, Thedor Ludwig und Wittstein, Georg Christoph, in ders.: Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften. Enthaltend Nachweisungen über Lebensverhältnisse und Leistungen von Mathematikern, Astronomen, Physikern, Chemikern, Mineralogen, Geologen usw. aller Völker und Zeiten, Band 2: M – Z, Leipzig: Verlag von Johann Ambrosius Barth, 1863; Spalten 1345–1346; Digitalisat über Google-Bücher
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Wittstein †, Nachruf mit einem Auszug aus der Tageszeitung Hannoverscher Courier in der Zeitschrift für Vermessungswesen, Band XXIII, 1894, S. 190; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche oder Digitalisat über archive.org
  6. ↑ Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, Berlin; New York: de Gruyter, 2007, ISBN 978-3-11-019056-4 und ISBN 3-11-019056-7, S. 139; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  7. 1 2 Titelblatt von Wittsteins Kurzer Abriß der Elementar-Mathematik von 1858 ... über die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
  8. ↑ Bernhard von Poten: Geschichte des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens in den Landen deutscher Zunge ( = Bibliotheca rerum militarium, Band 2), Bd. 4: Preussen ( = Monumenta Germaniae Paedagogica, Bd. 17), Neudruck der Ausgabe Berlin, Hofmann, 1896, Osnabrück: Biblio-Verlag, 1982, S. 113; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  9. ↑ Nachweis
  10. ↑ Digitalisat über die Österreichische Nationalbibliothek
  11. ↑ Digitalisat der Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz
  12. ↑ Peter Koch: Geschichte der Versicherungswissenschaft in Deutschland, hrsg. vom Deutschen Verein für Versicherungswissenschaft e.V. aus Anlaß seines 100-jährigen Bestehens, Karlsruhe: VVW, 1998, ISBN 978-3-88487-745-6 und ISBN 3-88487-745-3, S. 90; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  13. ↑ Digitalisat der SUB Göttingen
  14. ↑ besitzende Bibliotheken des Werkes
  15. ↑ Adressbuch, Stadt- und Geschäftshandbuch der Königlichen Residenzstadt Hannover und der Stadt Linden, Abteilung I: Alphabetisches Verzeichnis der Behörden und Anstalten, der Einwohner und Handelsfirmen, S. 904
  16. ↑ Besitz in der Bibliothèque nationale de France (BnF)
  17. ↑ Digitalisat über die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Personendaten
NAME Wittstein, Theodor
ALTERNATIVNAMEN Wittstein, Theodor Ludwig (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Pädagoge und Schulbuchautor
GEBURTSDATUM 5. November 1816
GEBURTSORT Hann. Münden
STERBEDATUM 1. März 1894
STERBEORT Hannover