Theodor Wolf

Theodor Wolf
Gedenktafel für Franz Theodor Wolf am Haus Hohe Str. 62 in Dresden-Plauen

Franz Theodor Wolf SJ (* 13. Februar 1841 in Bartholomä bei Aalen; † 22. Juni 1924 in Dresden) war ein deutscher Jesuit sowie Geologe, Geograph und Botaniker, der vor allem durch seine Tätigkeit in Ecuador berühmt wurde.

Leben und Wirken

Als drittes von sieben Kindern eines Schulmeisters wuchs Theodor Wolf in einfachen Verhältnissen auf. 16-jährig trat er den Jesuiten bei, durchlief das Noviziat in Gorheim, absolvierte das Gymnasium, studierte Theologie in Aachen und Münster und ab 1862 Naturwissenschaften in Bonn. Schon 1864, erst 23-jährig, wurde er zum Dozenten für Naturwissenschaften am Collegium Maximum der Jesuiten in Maria Laach bestellt.

1870, im Jahr seiner Priesterweihe, wurde Wolf zum Professor für Geologie und Mineralogie an der Zentraluniversität von Ecuador sowie des Polytechnikums in Quito (heute: Escuela Politécnica Nacional) berufen. Diese Stellung musste er aufgeben, nachdem er 1874 seinen Orden verlassen hatte.

Mit der indigenen Ecuadorianerin Jacinta Pasaguay gründete er eine Familie, die heute ca. 500 Nachfahren in Ecuador zählen soll.

1875 erkundete er die Galápagos-Inseln und beschrieb deren Pflanzenwelt. Daraufhin wurde er von Präsident Antonio Borrero Cortázar zum „geólogo oficial de Ecuador“ (Amtlicher Geologe von Ecuador) ernannt. Er widmete sich diesem Amt nicht zuletzt mit vielen Exkursionen durch die ecuadorianischen Provinzen. Daraus erwuchs sein Hauptwerk, die Geografía y Geología del Ecuador (1892 in Leipzig erschienen).

1891 kehrte Theodor Wolf nach Deutschland zurück und ließ sich in Dresden-Plauen nieder, wo er als Privatgelehrter seine Forschungen fortsetzte. Er wurde im Familiengrab auf dem Inneren Friedhof in Dresden-Plauen beigesetzt, das 2000 aufgelöst und 2013 rekonstruiert wurde.

Nachlass

Die über 50 Bände seiner bedeutenden herbarischen Sammlung von Potentillen (Fingersträucher) mit ca. 5000 Blättern werden im Institut für Botanik der TU Dresden aufbewahrt.

Wolfs Urenkel Dario Aguirre brachte seinen Dokumentarfilm Wir, die Wolfs 2026 in die Kinos, in dem er sich auf die Spurensuche begibt …

Ehrungen

Namensgeber für Tier- und Pflanzenarten

Das offizielle botanisches Autorenkürzel von Theodor Wolf lautet „Th.Wolf“. Nach ihm benannt sind:

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Dorothee Hermann: Ein Jesuit mit zwei Familien. In: Südwest Presse-Schwäbisches Tagblatt. 24. April 2026, S. 13.
  2. ↑ Eintrag bei „Catalogue of the Vascular Plants of Ecuador“ (engl.).
  3. ↑ Kurzeintrag bei tmbl.gu.se (Memento vom 18. September 2013 im Internet Archive) (engl.).
  4. 1 2 Annechristin Kleppisch: Ein Grabmal für den Kolumbus von Plauen. Sächsische Zeitung, 2./3. Januar 2014.
  5. ↑ Paul Dittrich: Zwischen Hofmühle und Heidenschanze. Zur Geschichte der Dresdner Vororte Plauen und Coschütz. 2., durchgesehene Auflage, Verlag Adolf Urban, Dresden, 1941, S. 171.
  6. ↑ Werner K. Mayer stellte seine Biographie über den Naturforscher Franz Theodor Wolf vor, aus der Rems-Zeitung vom 7. Februar 2010, abgerufen am 22. Februar 2010.
  7. ↑ Gerhard Wülker: Cephalopoden der Aru- und Kei-Inseln. In: Abhandlungen der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, Bd. 34 (1913), S. 451–488.
  8. ↑ Luis Sodiro. In: Anales de la Universidad central del Ecuador, Bd. 17 (1902), Heft 120, S. 262–264.
  9. ↑ Karl Johansson und Gunnar Samuelsson. In: Svensk Botanisk Tidskrift, Bd. 21 (1927), S. 138.
Commons: Theodor Wolf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Theodor Wolf – Quellen und Volltexte
Personendaten
NAME Wolf, Theodor
ALTERNATIVNAMEN Wolf, Franz Theodor (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Jesuit, Geologe, Geograph und Botaniker
GEBURTSDATUM 13. Februar 1841
GEBURTSORT Bartholomä
STERBEDATUM 22. Juni 1924
STERBEORT Dresden