Theodor Bracher

Theodor Bracher (* 6. Dezember 1876 in Allmersbach am Weinberg, Königreich Württemberg; † 12. Mai 1955 in Stuttgart) war ein deutscher Ministerialbeamter.

Werdegang

Bracher war der Sohn eines Lehrers. Nach seinem Schulabschluss besuchte er die Präparandenanstalt und anschließend das Lehrerseminar in Esslingen am Neckar. 1895 legte er die erste Prüfung zum Volksschullehrer ab. Von 1895 bis 1898 unterrichtete er zunächst an Volks- und höheren Mädchenschulen. Nebenher legte er in Schwäbisch Hall das Abitur ab und studierte von 1899 bis 1903 Klassische Philologie (mit Sanskrit), Germanistik und Geschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Ab 1899 war er Mitglied der Studentenverbindung Lichtenstein Tübingen. Er legte 1903 und 1904 die Dienstprüfungen für das höhere Lehramt ab. Von 1903 bis 1908 unterrichtete er an höheren Schulen.

Von 1908 bis 1912 war Bracher als Oberpräzeptor am Karls-Gymnasium Stuttgart und als Professor am evangelischen Lehrerseminar in Künzelsau tätig. Danach war er von 1912 bis 1919 Sachbearbeiter beim evangelischen Oberschulrat; zunächst als Schulrat, zuletzt als Regierungsrat. Während des Ersten Weltkriegs war er zudem für die Organisation und Leitung der Jugendkriegshilfe der Stadt Stuttgart tätig; dafür wurde ihm das Wilhelmskreuz verliehen. Von 1911 bis zu deren Auflösung 1918 war er Mitglied der nationalliberalen Deutschen Partei.

Von 1919 bis 1924 war Bracher als Ministerialrat Sachbearbeiter beim württembergischen Kultusministerium. Während der Weimarer Republik war er bis zu deren Auflösung 1933 Mitglied der liberalen DDP. Ab 1924 leitete er die Ministerialabteilung für die höheren Schulen im württembergischen Kultusministerium. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Bracher, der nie der NSDAP beitrat, vom nationalsozialistischen Kulturminister Christian Mergenthaler schrittweise entmachtet. 1946 wurde Bracher von Kultusminister Theodor Heuss in den Ruhestand versetzt.

Von 1903 bis 1906 arbeitete Bracher an Hermann Fischers Schwäbischem Wörterbuch mit. Später verfasste er die Schrift Das württembergische Bildungswesen im Pädagogischen Lexikon. Er war Mitglied des Vereins für das Deutschtum im Ausland, des Konservatoriums für Musik in Stuttgart und des von Robert Bosch gegründeten Vereins zur Förderung der Volksbildung. 1953 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Bracher war mit Gertrud geb. Zimmermann (1891–1973), einer Enkelin des Kunstgießers Wilhelm Pelargus, verheiratet. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor: Der Politikwissenschaftler und Historiker Karl Dietrich Bracher (1922–2016), die Architektin Ingeborg Winter-Bracher (1923–?; verheiratet mit dem Architekten Fritz G. Winter), Ilse verheiratete Schlien (1925–2012), der Manager Erich Bracher (1925–2017), die Autorin Gertrud verheiratete Mander (1927–2018) sowie der Übersetzer Ulrich Bracher (1927–2020). Theodor Bracher starb im Mai 1955 im Alter von 78 Jahren in Stuttgart.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Lichtenstein e. V. (Hrsg.): Der Tübinger Lichtenstein 1873–1933. 1933, S. 157.
  2. 1 2 3 4 Jutta Braun: Karl Dietrich und Theodor Bracher. Die biographische Dimension der „Auflösung der Weimarer Republik“. In: Frank Bösch u. a.: Public Historians. Göttingen 2021, S. 199 ff.
  3. ↑ Bracher, Theodor. In: Das Deutsche Führerlexikon. 1934/1935. Stollberg, Berlin 1934, S. 68f. (online).
  4. ↑ Architekturguide Krefeld | Winter-Bracher, Ingeborg und Winter, Fritz G. In: architekturguide-krefeld.de. Abgerufen am 7. Oktober 2026.
  5. ↑ Traueranzeigen von Ilse Schlien. In: zeit-des-gedenkens.de. Abgerufen am 7. Oktober 2026.
  6. ↑ Dr. Erich Bracher - Erich Bracher Schule. In: erich-bracher-schule.de. Abgerufen am 7. Oktober 2026.
  7. ↑ Traueranzeige von Gertrud Mander. In: zeit-des-gedenkens.de. Abgerufen am 7. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Bracher, Theodor
KURZBESCHREIBUNG deutscher Ministerialbeamter
GEBURTSDATUM 6. Dezember 1876
GEBURTSORT Allmersbach am Weinberg, Königreich Württemberg
STERBEDATUM 12. Mai 1955
STERBEORT Stuttgart