Griesinger studierte Evangelische Theologie an der Universität Tübingen. Während seines Studiums wurde er 1827 Mitglied der Tübinger Commentburschenschaft. Nach seinem Studium war er eine Zeit lang im geistlichen Amte tätig, widmete sich aber schließlich der Schriftstellerei.
Er debütierte mit den beifällig aufgenommenen „Silhouetten aus Schwaben“ (Heilbr. 1838; 4. Aufl., Stuttg. 1868), redigierte 1839–41 die Zeitschrift „Der schwäbische Humorist“ und trat dann in eine Buchhandlung ein. Im Laufe der Märzrevolution 1848 gründete er das demokratische Blatt „Die Volkswehr“. Aufgrund seines publizistischen Engagements für die Demokratie wurde er 1849/50 wegen Hochverrats angeklagt und musste zwei Jahre in Untersuchungshaft auf dem Hohenasperg verbringen. Schließlich von den Geschworenen freigesprochen, wanderte er 1852 mit seiner Familie nach Nordamerika aus, kehrte aber enttäuscht von den Verhältnissen in den Vereinigten Staaten 1857 nach Stuttgart zurück, wo er am 2. März 1884 starb. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Fangelsbachfriedhof in Stuttgart.
Griesingers Roman „Jud Süß Oppenheimer“
Nach der Rückkehr aus Nordamerika setzte Griesinger seine Schriftstellerei in Stuttgart fort. Sein Fortsetzungsroman Jud Süß oder Württemberg wie es war von 1734 bis 1737 ist geprägt von einer extrem antijüdischen Darstellungsweise und groben historischen Entstellungen. Heftigen Widerspruch äußerte noch im Jahr der Publikation die Allgemeine Zeitung des Judentums. Griesingers „Jud Süß“ übertreffe an „Judenfresserei Alles […] was in dieser Richtung noch geliefert worden.“
Werke (Auszug)
Silhouetten aus Schwaben. Heilbronn, 1838
Humoristische Bilder aus Schwaben. Heilbronn, 1839
Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bearbeitet von Franz Brümmer. 6. völlig neu bearb. u. stark vermehrte Auflage. Bd. 2. Reclam, Leipzig [1913]. S. 442–443
Deutsches Schriftsteller-Lexikon. 1830–1880. Bearb. von Herbert Jacob. Band III.1. Berlin, Akademie Verlag, 2000. S. 432–439. (Ausführliche Bibliographie der Werke Griesingers von Thomas Lindenberg.)
↑Hermann Ziegler: Fangelsbach-Friedhof (= Friedhöfe in Stuttgart. Band 5). Stuttgart 1994, S. 71.
↑Theodor Griesinger: Jud Süß oder Württemberg wie es war von 1734 bis 1737. In: Dr. Theodor Griesinger (Hrsg.): Schwäbische Familien-Chronik. Vaterländische Novellen. Sagen und Geschichten, Zweiter Jahrgang, 2 Bände, Stuttgart 1860.
↑Vergleiche Barbara Gerber: Jud Süß. Ein Beitrag zur historischen Antisemitismus und Rezeptionsforschung. Hamburg 1990, S. 537, Anmerkung 13. Gerber schreibt: „Es ist untertrieben, den Roman als ‚leicht antisemitisch‘ einzustufen“, und er strotze „geradezu vor (rassen-) antisemitischen Stereotypen in der Judendarstellung.“
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