Theodor Haering

Unterschrift von Theodor Haering, Teil einer Widmung in einem Exemplar seines letzten Buches, datiert Weihnachten 1963
Grab auf dem Stadtfriedhof Tübingen

Theodor Lorenz Haering, auch Theodor Haering (* 22. April 1884 in Stuttgart; † 15. Juni 1964 in Tübingen) war ein deutscher Philosoph und Schriftsteller sowie Professor für Philosophie an der Universität Tübingen.

Leben

Theodor Haering war der Sohn des evangelischen Theologen und Universitätsprofessors Theodor von Haering und Bruder des Historikers Hermann Haering. Er studierte zunächst an der Universität Tübingen evangelische Theologie und legte darin 1906 das 1. theologische Examen ab. Er gehörte dem Evangelischen Stift Tübingen an und war Mitglied der Studentenverbindung Luginsland Tübingen. Nach kurzem Vikariat ließ er sich 1907/08 beurlauben zum Philosophiestudium in Berlin. Auf die Tübinger Dissertation 1910 bei Erich Adickes (über den Duisburg’schen Kantnachlaß) folgte, nach erneutem Studium in Bonn (1911/12), wo er von dem Experimentalpsychologen Oswald Külpe beeindruckt war, seine Tübinger Habilitation bei Adickes (1912) über Die Psychologie der Wertung.

Ab 1919 in Tübingen wurde Haering Hochschullehrer, zuerst als außerordentlicher Professor für Philosophie. Nach dem Tode Adickes 1928 wurde er auf dessen Lehrstuhl für historische und systematische Philosophie berufen.

In der Zeit des Nationalsozialismus war Theodor Haering führendes Mitglied des NS-Dozentenbundes, er beantragte am 23. Oktober 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.896.006). Mit der Partei hatte er schon vorher sympathisiert. Er verstand Philosophie als geistige Rassenkunde (so der Titel eines Vortrags aus dem Jahr 1939) und schrieb bereits 1935: „Neben dem Rassenprinzip steht das Führerprinzip“. Während des Zweiten Weltkriegs beteiligte er sich am NS-Projekt Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften. Wegen seiner NS-Verstrickung stufte die Universitätsspruchkammer ihn 1948 als „Mitläufer“ ein, er verlor für drei Jahre die Bürgerrechte sowie seine Professur. Seine Emeritierung erfolgte 1951 zeitgleich mit seiner Rehabilitierung und Wiedereinstellung nach dem 131er Gesetz. Auch nach dem Krieg hat er an antidemokratischen Überzeugungen festgehalten.

Neben philosophischen Werken schrieb er auch heimatkundliche und literarische Werke. Er war langjähriger Vorsitzender der Tübinger Museumsgesellschaft und gehörte ab 1953 für die Freie Wählervereinigung dem Tübinger Gemeinderat an. Bei seinem Ausscheiden im November 1957 wurde er Ehrenbürger von Tübingen. Im Gegenzug vererbte er der Stadt Tübingen seine Villa (Neckarhalde 31), die heute Theodor-Haering-Haus heißt und einen Teil der Städtischen Sammlungen sowie Räumlichkeiten für künstlerische und museumspädagogische Angebote beherbergt. 1959 wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Am 17. Juni 2013 ist die Tübinger Ehrenbürgerschaft durch Gemeinderatsbeschluss aberkannt worden.

Sein Nachlass und seine Privatbibliothek befinden sich in der Universitätsbibliothek Tübingen.

Werke

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Theodor Haering in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  2. 1 2 3 4 Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 217.
  3. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/12950283
  4. ↑ Zitat bei Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Fischer Taschenbuch 2005, S. 217.
  5. ↑ Manfred Hantke: Prof. Theodor Haering empfahl sich höchstwahrscheinlich selbst als Ehrenbürger. Schwäbisches Tagblatt vom 22. Dezember 2008, zuletzt abgerufen am 8. September 2013.
  6. ↑ Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat er sich in einem anonymen Brief selbst für die Ehrenbürgerschaft vorgeschlagen. Siehe Manfred Hantke: Prof. Theodor Haering empfahl sich höchstwahrscheinlich selbst als Ehrenbürger. Schwäbisches Tagblatt vom 22. Dezember 2008
  7. ↑ Ehrenbürgerwürde aberkannt - Mehrheit gegen Scheef, Haering, Hindenburg Schwäbisches Tagblatt vom 17. Juni 2013.
  8. ↑ Bundesarchiv, Zentrale Datenbank Nachlässe. Abgerufen am 11. September 2019.