Theodor Kilian

Theodor Kilian (ca. 1903–1904)

Theodor Kilian (* 21. November 1870 in New York City; † 22. Juni 1945 in Bad Tölz) war ein deutsch-amerikanischer Violinist und Professor an der Münchener Akademie der Tonkunst.

Familie

Theodor Kilian wurde in New York als Sohn des Unternehmers Friedrich Kilian (1830–1901) und dessen Ehefrau Luise, geb. Henkenius (1837–1931) geboren. Sein Großvater Georg Christoph Kilian (1789–1854) war Konditor in Sinsheim und Weinheim gewesen und 1847 aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage von Baden nach New York ausgewandert. Dessen Sohn Friedrich Kilian, Theodor Kilians Vater, war seinen Eltern nach Amerika gefolgt, nachdem er noch bei der Revolution von 1848 mitgewirkt hatte. In New York hatte Friedrich Kilian schließlich mit seinen Brüdern eine erfolgreiche Möbelfabrik gegründet, die ihm die Finanzierung eines gehobenen Lebensstils ermöglichte.

Durch das Vermögen des Vaters wurde Theodor Kilian und seinen beiden Geschwistern eine hochwertige musikalische Ausbildung zuteil. Seine Schwester Clara Kilian (* 1872) studierte 1892/93 an der Akademie der Tonkunst in München Sologesang bei Anna Schimon-Regan und hatte außerdem Unterricht bei den Opernsängerinnen Mathilde Weckerlin (München) und Caroline Bader (Stuttgart). Sie heiratete 1897 in Stuttgart Ermanno Wolf-Ferrari, der schon seit längerem ein Freund der Familie gewesen war. Nicht zuletzt war es auch Friedrich Kilian, der die Uraufführung von Wolf-Ferraris Oper Cenerentola finanzierte. Aus der Ehe von Clara Kilian und Ermanno Wolf-Ferrari, die 1921 geschieden wurde, ging der Theaterregisseur Federico Wolf-Ferrari hervor.

Theodor Kilians Bruder Hermann Kilian (1875–1930) studierte 1890/91 am Stuttgarter Konservatorium Cello und Klavier und arbeitete später als Geigenbauer in München.

Leben

Kilian und seine Geschwister wuchsen abwechselnd in den USA und Deutschland auf. In New York hatte Theodor Kilian vier Jahre Violinunterricht bei einem Herrn Schüffel und zwei Jahre bei einem Herrn Schmuhl erhalten, bevor er im Vorfeld zum Studium über vier Monate hinweg Stunden beim Baden-Badener Konzertmeister Johann Gustav Krasselt nahm. Im April 1887 begann er ein Violinstudium am Königlichen Konservatorium in Leipzig bei Friedrich Hermann und Hans Sitt, welches er nach einem Jahr beendete. Anschließend studierte er von 1888 bis 1892 am Stuttgarter Konservatorium Violine im Kunstfach bei Edmund Singer und ab 1890 außerdem noch Klavier. Zudem erhielt er auch Unterricht von Joseph Joachim. Im Zuge seines Studiums und der musikalischen Ausbildung seiner beiden Geschwister hatte die ganze Familie Ende der 1880er Jahre ihren Wohnsitz nach Leipzig, dann nach Stuttgart und später nach München verlegt.

Nach der Beendigung seines Studiums sammelte Kilian erste Erfolge mit Auftritten in ganz Süddeutschland, unter anderem in München, Augsburg, Ulm und Stuttgart. Den Abschluss dieser vierjährigen Tournee bildete ein Konzert am 15. September 1896, bei dem er zusammen mit seinen beiden Geschwistern und Ermanno Wolf-Ferrari, dem zukünftigen Ehemann seiner Schwester, in Stuttgart spielte.

Im Herbst 1896 reiste er wieder in seine Geburtsstadt New York und schloss sich vier Winter lang der Damrosch Opera Company von Walter Damrosch an, mit der er im Metropolitan Opera House spielte. Im Juli 1900 kehrte Theodor Kilian nach Deutschland zurück, machte sich in München ansässig und war auch in den folgenden Jahren sehr aktiv als Konzertgeiger.

Das Münchener Streichquartett (Theodor Kilian, Georg Knauer, Ludwig Vollnhals und Heinrich Kiefer)

Zum 12. März 1903 trat er vertretend für Franz Brückner eine Stelle als Aushilfslehrer für Violine an der Akademie der Tonkunst in München an. Im Herbst desselben Jahres gründete er das sogenannte Münchner Streichquartett zusammen mit Georg Knauer (2. Violine), Ludwig Vollnhals (Viola) und Heinrich Kiefer (Cello). Am 27. Oktober 1903 fand im Münchener Museumsaal das erste Konzert des neugegründeten Ensembles statt. Das hochkarätige Quartett trat in den nächsten Jahren deutschlandweit auf, unter anderem in Berlin, Leipzig, München und Karlsruhe. Durch den nicht nachlassenden Erfolg des Münchner Streichquartetts entstanden sogar Pläne für eine Konzertreise nach Ägypten im Februar 1911, für deren Umsetzung bisher jedoch keine Belege bekannt sind.

Gemeinsam mit seinem Quartettkollegen Ludwig Vollnhals wurde Theodor Kilian am 23. Dezember 1907 der Titel des königlichen Professors an der Akademie der Tonkunst verliehen. 1920 wurde er zum außerordentlichen Akademieprofessor befördert und erhielt 1931 eine Meisterklasse für Violine. Am 27. Juni 1936 wurde er schließlich vom Hochschulpräsidenten Richard Trunk in den Ruhestand verabschiedet.

Am 4. September 1909 hatte er in München Berta Brauser (1876–1950) geheiratet, die Tochter von Karl Brauser, dem ehemaligen Direktor der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. Mit ihr lebte er kinderlos in München in der Montenstraße 2 und verstarb am 22. Juni 1945 im Alter von 74 Jahren im Hilfskrankenhaus Bad Tölz an Blasenkrebs.

Einzelnachweise

  1. ↑ Karl Zinkgräf: Die ehrbare Bäcker- und Müllerzunft zu Weinheim a. d. Bergstraße. Weinheim 1911, S. 164 f.
  2. ↑ Münchner Neueste Nachrichten. Nr. 414, 7. September 1901, S. 3 (digitale-sammlungen.de).
  3. ↑ Archiv der Hochschule für Musik und Theater München: Neunzehnter Jahresbericht der k. Akademie der Tonkunst in München 1892/93. S. 26.
  4. ↑ Stadtarchiv Stuttgart, Standesamt Stuttgart, Heiratsregister 1897/153.
  5. ↑ Peter Hamann: Ermanno Wolf-Ferrari. Tutzing 1986, S. 24.
  6. 1 2 3 Sophie-Drinker-Institut: SchülerInnen des Konservatoriums Stuttgart. Abgerufen am 20. Februar 2026.
  7. ↑ Hochschule für Musik und Theater Leipzig: 4627-5100 – A, I.2/10 Inskriptionen. Nr. 4672, S. 23 (slub-dresden.de).
  8. ↑ Hochschule für Musik und Theater Leipzig: 4500-4999 – A, I.3 Zeugnisse. Nr. 4672, S. 267 (slub-dresden.de).
  9. ↑ Münchener Kunst- und Theater-Anzeiger. Nr. 2207, 28. Februar 1894, S. 1.
  10. ↑ Neues Tagblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg. Nr. 218, S. 9.
  11. ↑ II. Bayerisches Musikfest in Regensburg an Pfingsten 1904, Programmbuch. S. 73.
  12. 1 2 Stephan Schmitt: Geschichte der Hochschule für Musik und Theater München. Tutzing 2005, S. 404.
  13. ↑ Münchner Neueste Nachrichten. Nr. 502, 27. Oktober 1903, S. 3.
  14. ↑ Allgemeine Zeitung. Nr. 24, 11. Juni 1910, S. IV.
  15. ↑ Allgemeine Zeitung. Nr. 600, 28. Dezember 1907, S. 4.
  16. ↑ Münchner Neueste Nachrichten. Nr. 184, 10. Juli 1931, S. 2.
  17. ↑ Archiv der Hochschule für Musik und Theater München: Jahresbericht 1935/36. S. 46 f.
  18. ↑ Stadtarchiv München, Standesamt I, Heiratsregister 1909/983.
  19. ↑ Stadtarchiv Bad Tölz, Standesamt Bad Tölz, Sterberegister 1945/344.
Personendaten
NAME Kilian, Theodor
KURZBESCHREIBUNG deutscher Violinist und Professor
GEBURTSDATUM 21. November 1870
GEBURTSORT New York City
STERBEDATUM 22. Juni 1945
STERBEORT Bad Tölz