Therkel Mathiassen

Therkel Mathiassen (1921)

Therkel Mathiassen (* 5. September 1892 in Favrbo; † 14. März 1967 in Søborg) war ein dänischer Archäologe. Er begründete die arktische Archäologie und machte sich um die Registrierung der Bodendenkmäler Dänemarks verdient.

Leben

Herkunft und Jugend

Therkel Mathiassen war der Sohn des Lehrers und Organisten Mathias Jens Mathiassen (1863–1938) und seiner Frau Nicoline Nielsen (1864–1914). Er wurde in einem Dorf im Særslev Sogn zwischen Kalundborg und Holbæk im Westen Sjællands geboren. Sein Vater war stark natur- und geschichtsinteressiert und fand 1900 gemeinsam mit seinen Schülern die Überreste eines prähistorischen Wohnplatzes im Moor bei Mullerup (Maglemose). Dieser wurde anschließend von Georg L. Sarauw ausgegraben, der anschließend den Begriff Maglemose-Kultur (alternativ Mullerupkultur) einführte.

Therkel Mathiassen schloss 1911 die Schule in Odense mit der Hochschulreife ab und begann im selben Jahr ein Studium in Geografie und Naturgeschichte an der Universität Kopenhagen, das er 1917 als cand.mag. abschloss. Während des Studiums nahm er gemeinsam mit Lauge Koch an Ausgrabungen in Mullerup teil. Er bewarb sich nach dem Studium um eine Stelle am Dänischen Nationalmuseum, wurde aber vom Abteilungsdirektor Sophus Müller abgelehnt. 1919 wurde er als Adjunkt an der Kathedralschule in Viborg angestellt.

Am 7. Mai 1919 heiratete er in Frederiksberg Asta Gammeltoft (1893–1973), Tochter des Lehrers Morten Madsen Gammeltoft (1864–1922) und seiner Frau Else Kirstine Thomsen (1867–?). Aus der Ehe gingen die kurz zuvor geborene Tochter Inger Rørbeck Mathiassen und die 1924 geborenen Zwillingstöchter Agnete und Kirsten Rørbeck Mathiassen hervor.

Erforschung Grönlands

In Viborg traf er Knud Rasmussen, der ihn auf die Fünfte Thule-Expedition einlud. Gemeinsam mit Knud Rasmussen, Peter Freuchen, Kaj Birket-Smith, Helge Bangsted, Jakob Olsen, Leo Hansen und den Inughuit Arĸioĸ, Arnánguaĸ, Nasaitsordluarssuk, Aĸátaĸ, Arnarulunnguaq und Qaavigarsuaq Miteq bereiste er von 1921 bis 1923 die nordamerikanische Arktis. Er bereiste vor allem den Osten Kanadas, führte archäologische Untersuchungen durch und kartografierte die Gegend. Während der Expedition entdeckte er die Thule-Kultur und konnte beweisen, dass die Inuit alle derselben aus Alaska stammenden Kultur angehörten. Für diese Entdeckung wurde ihm 1927 der Doktorgrad (dr.phil.) verliehen.

1929 beschloss die Kommission für Wissenschaftliche Untersuchungen in Grönland die systematische archäologische Erforschung Grönlands. Hierfür würde Therkel Mathiassen die Leitung übertragen. 1929 erforschte er die Gegend um Upernavik, wobei er unter anderem von Frederica de Laguna begleitet wurde, die später selbst eine bedeutende Forscherin werden sollte. Während der Ausgrabungen prägte er den Begriff Inussuk-Kultur für die grönländische Form der Thule-Kultur, die Einflüsse der Grænlendingar zeigte. 1930 untersuchte er die Gegend um Maniitsoq und wurde hierbei unter anderem vom jungen Helge Larsen begleitet. Von 1931 bis 1932 nahm er gemeinsam mit seinem früheren Kommilitonen Lauge Koch an der Dreijahresexpedition nach Nordostgrönland teil und hiet sich in Tasiilaq auf. Dort traf er wieder auf Knud Rasmussen, der ihn zur Teilnahme an der Siebten Thule-Expedition nach Südostgrönland 1933 aufforderte. 1934 untersuchte er die Diskobucht. Hierbei wurde er von Erik Holtved begleitet, den er ebenfalls prägte. 1935 erforschte er Südgrönland, wo er vor allem versuchte, Kulturkontakte zwischen Inuit und Grænlendingar nachzuweisen.

Erforschung Dänemarks

Bereits 1933 wurde er am Nationalmuseum angestellt. 1941 wurde er zum Leiter/Direktor der 1. Abteilung (Archäologie) des Museums befördert und 1946 zum Oberinspektor ernannt. Er beendete die Erforschung Grönlands und widmete sich von 1937 bis 1957 archäologischen Untersuchungen zur Steinzeit in Dänemark. Er bereiste und registrierte in diesen 20 Jahren alle rund 80.000 Bodendenkmale Dänemarks. Zudem untersuchte er zahlreiche Moore, wo der Torfstich archäologische Fundplätze zu zerstören drohte. Er beschrieb die Gudenå-Kultur, die Ertebølle-Kultur und die Bromme-Kultur. 1948 schloss er seine Steinzeituntersuchungen ab und widmete sich einer topografischen Beschreibung der Fundplätze in Vestjylland und Nordvestsjælland. Neben der Archäologie interessierte er sich auch für die Herrenhäuser Dänemarks, die er in mehreren Büchern beschrieb.

Therkel Mathiassen ging davon aus, dass die Thule- bzw. Inussuk-Kultur die erste eskimoische Kultur in Grönland gewesen war, was von Jørgen Meldgaard in den 1940er Jahren durch die Entdeckung der Saqqaq-Kultur widerlegt werden konnte. Zum gelang es zeitgleich Erik Holtved, die Dorset-Kultur als separate Kultur in Grönland nachzuweisen, deren Überreste Therkel Mathiassen ebenfalls der Thule-Kultur zugeschlagen hatte. 1955 nahm er gemeinsam mit Erik Holtved noch einmal an einer Expedition in die Gegend um Ilulissat teil, wobei sie auch von Svend Jørgensen und Jørgen Troels-Smith begleitet wurden. Hierbei bestätigten sie die Entdeckungen von Meldgaard und Holtved. 1962 ging Therkel Mathiassen in Rente.

Mitgliedschaften, Auszeichnungen und Tod

Therkel Mathiassen gehörte zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften an. Von 1933 bis 1951 war er Vizevorsitzender von Det Grønlandske Selskab, von 1946 bis 1962 Sekretär von Det Kongelige Nordiske Oldskriftselskab und ab 1957 Mitglied der Videnskabernes Selskab. Er war außerdem Mitglied des Scoresbysundkomitees, und des Rats der Geografisk Selskab, Fellow der American Geographical Society und des Arctic Institute of North America, Ehrenmitglied der Prehistoric Society, Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts, des Instituto Italieno di Preistoria e Protohistoria und des Conseil permanent des sciences préhistoriques et protohistoriques. Bis 1963 war er zudem Vorsitzender des C14-Komitees, Vorstandsmitglied von Skibsreder C. Kraemer og Hustru Mathilde Kraemers Grønlandsfond und der Historisch-topografischen Gesellschaft der Gladsaxe Kommune.

Therkel Mathiassen erhielt 1924 die Fortjenstmedaljen in Silber. Er war seit 1948 Ritter und seit 1957 Ritter 1. Grades des Dannebrogordens und erhielt 1932 die Hans-Egede-Medaille von Det Kongelige Danske Geografiske Selskab.

Nach seiner Pensionierung arbeitete er als Mitredakteur der fünften Ausgabe des topographischen Monumentalwerks Trap Danmark. Im März 1967 reichte er sein Manuskript ein und starb eine Woche später im Alter von 74 Jahren im Kopenhagener Vorort Søborg.

Werke

Quelle:

  • 1919: Stenaldertidens Folk
  • 1926: Med Knud Rasmussen blandt Amerikas Eskimoer
  • 1927: Archaeology of the Central Eskimos
  • 1928: Material Culture of the Iglulik Eskimos
  • 1929: Eskimoerne i Fortid og Nutid
  • 1930: Archaeological Collections from the Western Eskimos
  • 1930: Inugsuk
  • 1931: Ancient Eskimo Settlements in the Kangâmiut Area
  • 1931: Herregaarde og Godser i det tyvende Aarhundrede
  • 1933: Prehistory of the Angmagssalik Eskimos
  • 1933: Geography of Baffin Land and Melville Peninsula
  • 1934: Archaeology of Disko Bay
  • 1935: Skrælingerne i Grønland
  • 1936: Eskimo Archaeology of Julianehaab District
  • 1937: Gudenaa-Kulturen
  • 1941: Grønland gennem tusinde Aar
  • 1942: Dyrholmen: en Stenalderboplads paa Djursland
  • 1943: Stenalderbopladser i Aamosen
  • 1943: Vore Herregaarde
  • 1943: Herregaardene og Samfundet (Redakteur)
  • 1945: Report of the Fifth Thule Expedition
  • 1948: Danske Oldsager I
  • 1948: En senglacial Boplads ved Bromme
  • 1948: Studier over Vestjyllands Oldtidsbebyggelse
  • 1959: Nordvestsjællands Oldtidsbebyggelse
  • 1963: Nordvestsjælland gennem 10000 år
Commons: Therkel Mathiassen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Poul Kjærum: Therkel Mathiassen. Dansk Biografisk Leksikon.
  2. 1 2 3 4 5 Therkel Mathiassen. Kraks Blå Bog 1967 (digitale Ausgabe, Abonnement erforderlich).
  3. 1 2 3 4 5 6 Hans Christian Gulløv: Udforskningen af Grønlands forhistorie. Therkel Mathiassens arktiske indsats i 100 året for hand fødsel. In: Tidsskriftet Grønland. Nr. 1992/9, S. 241–248 (Online [PDF]).
  4. ↑ Knud Schwensen: Stamtavle over Lauritz Walsøes Slægt. Charles Johansens Bogtrykkeri, Kopenhagen 1926, S. 31 (Online [PDF]).