Thiago de Mello

Thiago de Mello 2010

Thiago de Mello ist der Literatenname des brasilianischen Schriftstellers, Übersetzers und aktiven Regenwaldschützers Amadeu Thiago de Mello (* 30. März 1926 in Barreirinha, Bundesstaat Amazonas; † 14. Januar 2022 in Manaus). Er zählte zu den am meisten geschätzten Schriftstellern des Landes und galt als Ikone der regionalen Literatur des Amazonasgebiets. Sein Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Leben

Nachdem Thiago de Mello seine Grundschulausbildung in der Grupo Escolar Barão do Rio Branco und das Gymnasium am Gyminásio Pedro II in Manaus abgeschlossen hatte, zog er nach Rio de Janeiro, wo er sich in der Fakultät der Medizin (Faculdade Nacional de Medicina) einschrieb, die er jedoch nach vier Jahren wieder verließ, um den Weg eines unabhängigen Dichters einzuschlagen. In der glamourösen brasilianischen Hauptstadt der 1950er-Jahre war dies für ihn nicht nur eine politische Entscheidung, sondern auch eine der Notwendigkeit literarischen Engagements. 1951 erschien mit Silêncio e Palavra sein erstes Buch, mit dem er sofort das Wohlwollen der Kritik empfing.

Während der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 exilierte er zunächst nach Chile, wo er in Pablo Neruda einen Freund und politischen Sympathisanten fand und den gewaltsamen Sturz des Präsidenten Salvador Allende sowie den folgenden Militärputsch miterleben musste.

1964 entstand sein wohl bekanntestes Gedicht Os Estatutos do Homen (deutsch: „Die Statuten des Menschen“), das in der Proklamation simpler Menschenrechte einen Protest gegen das Militärregime darstellte und angeblich von dieser sofort verboten wurde. Sein weiteres Exil führte ihn nach Argentinien, Portugal, Frankreich und Deutschland. Nach dem Ende der brasilianischen Militärdiktatur zog er wieder in seine Geburtsstadt Barreirinha, wo er in einem Haus des Architekten Lúcio Costa lebte und sich für die Unversehrtheit des Amazonasgebiets und für die Menschenrechte einsetzte.

In den Jahren seines literarischen Schaffens wurden dem Dichter Thiago de Mello nationale und internationale Preise und Auszeichnungen verliehen.

Leonardo Boff, links, und Thiago de Mello 2010

Leistungen

Außer auf sein eigenes Werk konnte er auf seine lange Karriere als Übersetzer lateinamerikanischer Lyrik von Pablo Neruda, César Vallejo, Ernesto Cardenal, Eliseo Diego, Nicolás Guillén, aber auch von T. S. Eliot ins Portugiesische zurückblicken. Seine eigenen Werke erschienen außer in Brasilien in Chile, auf Kuba, in Argentinien, Portugal, in den USA, in Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Besonders sein Gedicht Die Statuten des Menschen erschien zudem in verschiedenen Sammlungen und Anthologien etwa zur sozialen und politischen Situation in Brasilien, so hierzulande im Almanach 10 für Literatur und Theologie (Wuppertal 1976), und es kursieren davon diverse Übersetzungen im Internet. Pablo Neruda sagte über ihn: „Thiago de Mello ist ein Seelentransformator“, er widmete ihm das Gedicht Thiago y Santiago.

Auszeichnungen

Darüber hinaus ist Thiago de Mello in den 1980er-Jahren zum Chevalier des Arts et des Lettres de France gekürt worden.

Werke

Diskografie

Commons: Thiago de Mello – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Morre poeta amazonense Thiago de Mello aos 95 anos. In: globo.com. 14. Januar 2022, abgerufen am 14. Januar 2022 (portugiesisch).
  2. ↑ Siehe die Abbildung auf der Internetseite über Thiago de Mello bei Antonio Miranda.
  3. ↑ Siehe etwa die im deutschen Sprachraum nach 1976 verwendete Übersetzung von Catharina Wendt im Lateinamerikanisch-österreichischen Literaturforum (Memento vom 15. Januar 2016 im Internet Archive) oder die leicht korrigierte neuere von Ronald M. Filkas
  4. ↑ Zitiert nach Thiago de Mello beim V. Festival lateinamerikanischer Poesie in Wien (Memento vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive), zuletzt abgerufen am 8. August 2018
  5. ↑ Jornal de Poesia – Pablo Neruda: Thiago y Santiago
  6. ↑ Siehe V. Festival lateinamerikanischer Poesie in Wien, wie oben
  7. 1 2 Für eine vollständige Übersicht der Werke siehe Jornal de Poesia – Thiago de Mello: Bibliografia (portugiesisch)
  8. ↑ AgênciaConsciência.Net: „Selo Karmim lança disco em comemoração aos 80 anos de Thiago de Mello (Memento vom 14. August 2011 im Internet Archive)“ vom Mai 2006, zuletzt abgerufen am 17. Juli 2012 (portugiesisch)
Personendaten
NAME Mello, Thiago de
ALTERNATIVNAMEN Thiago de Mello, Amadeu
KURZBESCHREIBUNG brasilianischer Dichter, Schriftsteller, Übersetzer
GEBURTSDATUM 30. März 1926
GEBURTSORT Barreirinha, Amazonas, Brasilien
STERBEDATUM 14. Januar 2022
STERBEORT Manaus