Thomas Bell

Thomas Bell

Thomas Bell (* 11. Oktober 1792 in Poole; † 13. März 1880 in Selborne) war ein britischer Arzt und Zoologe.

Leben

Thomas Bell war ein Sohn des gleichnamigen Arztes Thomas Bell und dessen Frau Susan Gosse. Er besuchte zunächst die Schule seines Heimatortes und später die in Shaftesbury, bevor er 1813 seine Studien am Guy’s Hospital und St Thomas’ Hospital begann. 1815 trat er als Mitglied in das Royal College of Surgeons ein. 1817 wurde er als Nachfolger von Joseph Fox (1776–1816) Zahnarzt am Guy's Hospital und begann dort auch Vorlesungen über vergleichende Anatomie zu halten. Etwa um 1819 begann Bell Amalgamfüllungen in seiner Praxis einzusetzen.

1815 wurde Bell Mitglied der Linné-Gesellschaft und 1817 auch Mitglied der Geologischen Gesellschaft. Sein besonderes Interesse galt der Zoologie. 1824 gründete er gemeinsam mit John George Children (1777–1852), James de Carle Sowerby und George Brettingham Sowerby (1780–1854) das Zoological Journal von dem bis 1835 insgesamt 5 Bände erschienen. Dort veröffentlichte er auch seine ersten Beschreibungen neuer Reptilien-Arten, so beispielsweise die der Nordafrikanischen Dornschwanzagame, der Dreistreifen-Scharnierschildkröte (Cuora trifasciata) und die der von den Galápagos-Inseln stammenden Meerechse (Amblyrhynchus cristatus).

Am 10. Januar 1828 wurde er Mitglied der Royal Society, für die er von 1848 bis 1853 zunächst als Sekretär und zweimal als Vizepräsident (1853–1854 und 1858–1860) tätig war.

Mit einer ursprünglich auf 8 Bände angelegten, mit 40 Tafeln von James de Carle Sowerby und Edward Lear illustrierten Monografie (A Monograph of the Testudinata) unternahm er von 1832 bis 1836 den Versuch alle bekannten lebenden und ausgestorbenen Schildkröten in einem Werk zusammenzufassen. 1836 wurde er Professor für Zoologie am King’s College London, eine Position, die er bis zu seinem Tod innehatte. In dem in diesem Jahr erschienenen Werk A history of British Quadrupeds beschäftigte Bell sich mit den britischen Landwirbeltieren. Es wurde in der ein Jahr später folgenden zweiten Auflage noch um Kapitel über Wale ergänzt. 1839 folgte mit A history of British reptiles ein Werk, in dem er sich endgültig seinem Spezialgebiet, den Reptilien zuwandte.

Als Charles Darwin nach seiner Reise mit der Beagle Ende 1836 nach London zurückkehrte, zeigte Bell besonders für dessen Reptilien Interesse. Er wurde von Darwin schließlich gebeten für das geplante Werke The Zoology of the Voyage of H.M.S. Beagle die Reptilien als fünften Band zu bearbeiten. Die endgültige Fertigstellung dieses Teils verzögerte sich jedoch durch eine längere Krankheit Bells.

Von 1844 bis 1859 war Bell der erste Präsident der 1844 neu gegründeten Ray Society. Im gleichen Jahr wurde er Ehrenmitglied des Royal College of Surgeons. Mit dem von 1844 bis 1853 herausgegebenen Werk A History of the British Stalk-eyed Crustacea verfasste er ein Standardwerk über die britischen Krebstiere. 1848 wurde Bell Sekretär der Londoner Linné-Gesellschaft, der er schließlich von 1853 bis 1861 als Präsident vorstand. Während seiner Präsidentschaft wurden die Zusammenkünfte der Gesellschaft wieder lebendiger. Unter seinem Vorsitz wurden am 1. Juli 1858 unter dem Titel On the Tendency of Species to form Varieties; and on the Perpetuation of Varieties and Species by Natural Means of Selection gemeinsam zwei Arbeiten von Charles Darwin und Alfred Russel Wallace zur Theorie der Evolution durch natürliche Selektion verlesen.

Bell wurde zum Mitglied verschiedener ausländischer Wissenschaftsgesellschaften gewählt. So wurde er am 24. Mai 1853 als „Linnaeus II“ Mitglied der Leopoldina. Er war korrespondierendes Mitglied der Academy of Natural Sciences of Philadelphia, der Boston Society of Natural History, der Société d'Histoire de Naturelle von Paris und Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

1866 erwarb Bell von Gilbert Whites (1720–1793) Großnichte das „The Wakes“ genannte Haus in Selborne und zog sich dorthin zurück. 1877 veröffentlichte er eine erweiterte Ausgabe von Whites Werk The Natural History of Selborne.

Frederick William Hope (1797–1862) erwarb 1862 Bells Sammlung von Land- und Wasserschildkröten, Krokodilen sowie Eidechsen und schenkte sie der Universität Oxford. Im gleichen Jahr kaufte John Westwood (1805–1893) von Bell dessen Sammlung von Krebstieren und vermachte sie ebenfalls der Universität Oxford. Heute sind diese Teile seiner Sammlung im Oxford University Museum of Natural History zu sehen.

Schriften

Werke

Zeitschriftenbeiträge (Auswahl)

Literatur

Commons: Thomas Bell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Adrian Desmond, James Moore: Darwin. List Verlag, München Leipzig 1991, S. 263. ISBN 3-471-77338-X
  2. ↑ Charles Darwin an Smith, Elder & Co., 14. Januar 1843, Brief 658 (Memento des Originals vom 14. Juli 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. in The Darwin Correspondence Project (abgerufen am 15. August 2008)
  3. ↑ Desmond/Moore, S. 533
  4. ↑ Johann Ferdinand Neigebaur: Geschichte der Kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher während des zweiten Jahrhunderts ihres Bestehens. Friedrich Frommann, 1860; online
  5. ↑ Oxford University Museum of Natural History: Learning more... Thomas Bell. PDF online (abgerufen am 15. August 2008)
Personendaten
NAME Bell, Thomas
KURZBESCHREIBUNG britischer Arzt und Zoologe
GEBURTSDATUM 11. Oktober 1792
GEBURTSORT Poole
STERBEDATUM 13. März 1880
STERBEORT Selborne