Thomas Clarkson

Thomas Clarkson, Gemälde von Carl Frederik von Breda

Thomas Clarkson (* 28. März 1760 in Wisbech, Cambridgeshire; † 26. September 1846 in Playford, Ipswich, Suffolk) war ein britischer anglikanischer Diakon, Sozialreformer, Gegner der Sklaverei und einer der Gründer der Abolitionistenbewegung, aus der die Anti-Slavery International hervorging.

Leben und Wirken

Thomas Clarkson war ein Sohn des Geistlichen und Lehrers John Clarkson († 1766) und seiner Frau Anne Ward. Nachdem er bei seinem Vater das Gymnasium (englisch: grammar school) besucht hatte, studierte er ab 1779 am St John’s College der Universität Cambridge. 1783 wurde er zum Diakon geweiht. Er ging 1785 nach London und gewann einen vom Hochschultheologen Peter Packard ausgeschriebenen Rhetorikwettbewerb zum Thema: Ist es rechtens, andere gegen ihren Willen zu versklaven? (lateinisch: Anne liceat invitos in servitutem dare? englisch: Is it lawful to enslave the unconsenting?) Der lateinisch verfasste Essay erregte Aufsehen und brachte ihn zudem in Kontakt mit Granville Sharp und weiteren Abolitionisten. Die Schrift von Anthony Benezet mit dem Titel Historical Account of Guinea (deutsch: Historischer Bericht von Guinea) schockierte ihn und rüttelte ihn weiter auf. Am 22. Mai 1787 gründete er mit dem Sklaverei-Gegner Granville Sharp, dem Drucker James Phillips und neun weiteren Personen in London die Gesellschaft zur Abschaffung des Sklavenhandels (englisch: Society for Effecting the Abolition of the Slave Trade), die auch Abolitionisten-Bewegung genannt wurde. Neun von zwölf der Gründungspersonen waren Quäker. Der Quäker und Buchverleger James Phillips publizierte im gleichen Jahr seinen Essay zu Sklaverei und Menschenhandel (englisch: An Essay on the Slavery and Commerce of the Human Species, Particularly the African), der eine weite Beachtung fand. Die Quäker bildeten laut dem Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann „eine Art Avantgarde des Kampfes gegen die Sklaverei“.

Zunächst bekämpfte die Bewegung nur den Sklavenhandel, den das Bewegungsmitglied Olaudah Equiano, der aus Nigeria verschleppt worden war, am eigenen Leib erlitten hatte. Clarkson führte umfangreiche Recherchen in verschiedenen Hafenstädten durch, interviewte Beteiligte, etwa 20.000 Seeleute, und sammelte Material über den Menschenhandel im atlantischen Sklavenhandel; dafür reiste er über 35.000 Meilen. Zur politischen Durchsetzung seiner Ziele nutzte er die Kontakte zum Unterhausabgeordneten William Wilberforce. 1789 reiste er nach Paris, wo er erfolglos versuchte, die neue französische Regierung für das Verbot des Sklavenhandels zu gewinnen. 1791 und 1792 half sein Bruder John (1764–1828) als englischer Gouverneur mit, ehemalige Sklaven im westafrikanischen Sierra Leone anzusiedeln. 1807 wurde schließlich der Sklavenhandel in England verboten. Der Adlige Castlereagh konnte ihm 1815 die Verurteilung des Sklavenhandels weiterer europäischer Mächte zusichern. Durch zwei Besuche bei dem russischen Zar Alexander I. versuchte er auch diesen für sein Anliegen zu gewinnen.

Als überzeugter Pazifist wurde er mit seinem Bruder John 1816 zum Begründer der Society for the Promotion of Permanent and Universal Peace (deutsch: Gesellschaft zur Förderung des fortwährenden und universellen Friedens). Der internationale Kongress zur Sklavenabschaffung 1818 in Aix-la-Chapelle zeitigte jedoch kaum Ergebnisse. Die Anti-Slavery Society (deutsch: Anti-Sklaverei-Gesellschaft) wurde 1823 gegründet, und Clarkson wurde zum Vizepräsidenten gewählt. Er erlebte noch die endgültige Abschaffung der Sklaverei im Britischen Weltreich 1833.

Clarkson starb am 26. September 1846 im Alter von 86 Jahren in Playford, Suffolk Coastal District. Er wurde auf dem dortigen St Mary Churchyard beigesetzt.

Familie

Thomas Clarkson heiratete Catherine Buck (1775–1856). Ihr einziges Kind mit Namen Thomas (1796–1836) starb vor seinem Vater und wurde, wie er, auf dem Friedhof der Marienkirche in Playford bei Ipswich begraben.

Andenken und Ehrungen

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Thomas Clarkson in der Datenbank Find a Grave (2. Januar 2008, englisch, abgerufen am 28. September 2026)
  2. ↑ Anne Moore Mueller: Thomas Clarkson, Quakers & Slavery Digitization Project Intern, Drexel University (2008, englisch, abgerufen am 12. April 2024)
  3. ↑ Thomas Clarkson, 1760 – 1846, Website quakersintheworld.org (englisch, abgerufen am 12. April 2024)
  4. ↑ Thomas Kaufmann: Die Täufer – Von der radikalen Reformation zu den Baptisten (= C. H. Beck Wissen. Nr. 2897). Verlag C. H. Beck, München 2019, ISBN 978-3-406-73866-1, S. 103.
  5. ↑ History: Thomas Clarkson (1760-1846), Website bbc.co.uk (2014, englisch, abgerufen am 9. April 2024)
  6. ↑ Wisbech and Fenland Museum: Thomas Clarkson, 28 March 1760 - 26 September 1846, Website wisbechmuseum.org.uk (englisch, abgerufen am 12. April 2024)
  7. ↑ Thomas Clarkson. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 9. April 2024 (englisch).
  8. ↑ Thomas Clarkson in der Datenbank Find a Grave (2. Januar 2008, englisch, abgerufen am 28. September 2026)
  9. ↑ Thomas Clarkson, Abolitionist, Website westminster-abbey.org (2024, englisch, abgerufen am 11. April 2024)
  10. ↑ Wisbech and Fenland Museum: Thomas Clarkson, 28 March 1760 - 26 September 1846, Website wisbechmuseum.org.uk (englisch, abgerufen am 12. April 2024)
  11. ↑ John Cooper: A Guide to the National Portrait Gallery. National Portrait Gallery Publications, London 2009, ISBN 978-1-85514-407-1, S. 35.
  12. ↑ Thomas Clarkson, Abolitionist, Website westminster-abbey.org (2024, englisch, abgerufen am 11. April 2024)
  13. ↑ Church honours anti-slavery campaigner Thomas Clarkson, BBC