Thomas G’schrey

Thomas G’schrey (* 31. Juli 1959 in Berlin), bekannt unter den Künstlernamen TT Geigenschrey, Thomthom Geigenschrey bzw. TThomthom Geigenschrey, ist ein deutscher Geiger, Improvisationsmusiker, Musikjournalist und Kulturmanager im Bereich von Krautrock, Post-Punk, Pop, Jazz und experimenteller Musik.

Karriere

Thomas G’schrey ist seit 1982 in der subkulturellen wie überregionalen Studio- und Live-Musikszene aktiv. Er ist der Sohn des 1967 verstorbenen Berliner-Gruppe-Informel-Gründers und Bauhauskünstlers Paran G’schrey und Enkel des bis 2002 in der Künstlerkolonie Berlin wirkenden Kunstmalers und Poeten Ludwig G’schrey.

Als „TT Geigenschrey“ arbeitete er als Musikjournalist, Konzertveranstalter, Kulturmanager, Studio-, Tour- und Improvisationsmusiker, Songwriter sowie Film- und Theatermusiker. Zudem erstellte er Live-Stummfilmvertonungen und musizierte bei Performances und Lesungen.

Als Musikjournalist war er unter anderem für folgende Publikationen tätig:

Geigenschrey veröffentlichte unter dem Namen Thomthom Geigenschrey in den 1990er Jahren Künstlerporträts, Interviews und Rezensionen in der Musikzeitschrift Zillo sowie eine mehrteilige Bandbiografie über Abwärts. Seine Beiträge verbanden Gespräche mit Musikern und Werkbesprechungen mit der Einordnung in Independent- und Popszenen. Er schrieb unter anderem über Der Fremde, Die Haut und Blumfeld.

Von 1989 bis 1996 war er als Booking Agent und Promoter unter dem Namen „Kulturtäter Booking/Promotion“ für die Programmgestaltung des Berliner Clubs Insel der Jugend in Treptow verantwortlich.

Seit 1983 wirkt er genreübergreifend als Rock-, Pop-, Avantgarde- und Free-Jazz-Geiger bei Tourneen und Studioproduktionen mit, unter anderem in Zusammenarbeiten mit Faust, Embryo, Norbert Schwefel, Mooseheart Faith Stellar Groove Band, Artwork (Goethes Erben), Paul James Berry (The Rose of Avalanche), Exedra, Kiwisex (Kx Noizsystem), Santrra Oxyd, Vic Chesnutt, Giant Sand, HF Coltello, Bill Direen (The Bilders), Sandra Bell, Bernd Kistenmacher, Günter Schickert, Clive Product, The Hitmen 3, Messin Cissokho, The Renderers, Gianni Mimmo und dem Artaud Theater Berlin.

Im Umfeld des ostwestfälischen Independent-Labels Fast Weltweit verstärkte er 1990 als Geiger, im Herbst als Ersatz für Mirko Breder, für eine Tournee die Band Der Fremde von Achim Knorr und betreute das Management der Berliner Formation Jetzt!.

In den Jahren 2010 und 2011 nahm G’schrey mit Norbert Schwefel im Berliner Studio Audiomobil Musikstücke auf; das Duo trat unter dem Namen Schwefel & Geigenschrey unter anderem in der Theaterkapelle Friedrichshain auf.

2025 absolvierte TT Geigenschrey eine Tournee in Neuseeland und trat mit Musikern aus dem Umfeld des Labels Flying Nun Records auf. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe in Christchurch fand ein Konzert unter dem Titel „das Lebewohl TTG“ statt. Paul Kean (The Bats) beschrieb Geigenschrey in einem Interview als Gastviolinisten im Rahmen lokaler Kooperationen.

Wirkung

Sven Regener erinnerte sich in einem Interview an die Rezeption des ersten Konzerts von Element of Crime durch G’schrey: „In der ersten Rezension unseres allerersten Element-of-Crime-Konzerts in der taz schrieb damals Thomthom Geigenschrey: ‚Der Sänger soll mal lieber wieder Trompete spielen und nicht versuchen, Bruce Springsteen und Bob Dylan nachzumachen.‘ Dabei ist es im Grunde geblieben (lacht). Der Laden war übrigens rappelvoll, weil zuvor in der taz in einer Ankündigung gestanden hatte: ‚Neue Band mit Leuten von Neue Liebe und Fehlfarben.‘“

Musikalische Stilistik und Arbeitsweise

G’schreys Hauptinstrument ist die Violine. Als Improvisationsmusiker arbeitet er vorrangig ad hoc und nach Gehör, wobei er bestehende Ensemble-Arrangements live begleitet und mit melodischen oder perkussiven Linien (etwa als Ersatz für Rhythmusgitarren, Bassläufe oder Synthesizersätze) erweitert.

Album „Pi“

Am 20. März 2025 rezensierte Robert Mießner in der taz das Album Pi. Die rund 80-minütige Werkschau umfasst elf größtenteils instrumentale Titel und verbindet Psychedelic Rock, Krautrock und Free Jazz. Zu den Stücken gehören Sea of Total Darkness, Irrlichterloh und Main Man mit Gesang von Norbert Schwefel. Schwefel singt auch auf der rund 25-minütigen Bearbeitung von Sister Morphine, einem Lied von Marianne Faithfull, Mick Jagger und Keith Richards.

Filmvertonungen (Auswahl)

Im Rahmen seines Projekts „Sonic Inkraut“ sowie in Kooperation mit dem Kino Weissensee („GeigenarTT“) realisiert G’schrey Live-Vertonungen von Stumm- und Genrefilmen. Für die Vertonung von Paul Lenis Der Mann, der lacht initiierte er 2025 ein Quintett mit Theo Jörgensmann, Kurt Dahlke, Chris Hughes und Mark Beumer. Die musikalische Begleitung von The Last Man on Earth durch Sonic Inkraut beschrieb der Tagesspiegel als improvisiert.

Übersicht der Live-Filmvertonungen
AufführungsdatumFilmtitelOriginaljahr / RegieSpielortProjekt / BesetzungQuelle
14. Apr. 2023Vampyr1932, Carl Theodor DreyerSputnik Kino, BerlinSonic Inkraut (Trio mit Chris Hughes, Kurt Dahlke)
17. Mai 2023The Last Man on Earth1964, Ubaldo Ragona / Sidney SalkowXENON-Kino, BerlinSonic Inkraut (mit Kurt Dahlke, Chris Hughes, Michael Kemner)
22. März 2025Der Mann, der lacht1928, Paul LeniForum Factory, BerlinSonic Inkraut (Quintett mit Theo Jörgensmann, Kurt Dahlke, Chris Hughes, Mark Beumer)
18. Apr. 2025The Cat and the Canary1927, Paul LeniRegenbogenKino, BerlinTT Geigenschrey
13. Dez. 2025White Zombie1932, Victor HalperinKulturbahnhof BiesenthalSonic Inkraut (mit Pyrolator, Diego Ferri, Chris Hughes)
8. Mai 2026Mad God2021, Phil TippettFreilichtbühne Weißensee, BerlinSonic Inkraut feat. David Harrow

Diskografie (Auswahl)

Tonträger und Veröffentlichungen
JahrTitelKünstler / ProjektLabel / FormatBeteiligung / Beleg
2012Digitales AlbumDiego Ferri / TT Geigenschreyōnyūdō (Download)Kollaborationsalbum
2013UtopiaBernd KistenmacherGroove Unlimited (CD)Violine
2014The UtopiansThe BildersZelle Records (CD)Violine (Gastbeitrag)
2025PiTT GeigenschreySelbstverlag (Download/CD)Soloalbum
2026Demos and Sketches (1990–2017)TT GeigenschreySelbstverlag (Download)Archivveröffentlichung

Weitere Projekte, Kollaborationen und Produktionen

Einzelnachweise

  1. ↑ Biografie mit Projekten und Künstlernamen (Memento vom 4. Februar 2005 im Internet Archive)
  2. ↑ Thomthom Geigenschrey: Der Fremde – Unvergleichbar daneben. In: Zillo. Nr. 12/1990, S. 44–45.
  3. ↑ Thomthom Geigenschrey: Biografie: Abwärts. In: Zillo. Nr. 06/1991, S. 44–45.
  4. ↑ Thomthom Geigenschrey: Ramblin’ Jeffrey Lee. In: Zillo. Nr. 07/1992, S. 10.
  5. ↑ Thomthom Geigenschrey: Die Haut. In: Zillo. Nr. 09/1992, S. 30–31.
  6. ↑ Thomthom Geigenschrey: Blumfeld. In: Zillo. Nr. 12/1994, S. 10–12.
  7. ↑ Volker Backes: Der Fremde. In: What’s That Noise. fastweltweit.de, 1991, abgerufen am 24. August 2026.
  8. ↑ Fast-Weltweit-Interview Frank Werner. In: fastweltweit.de. Abgerufen am 24. August 2026.
  9. ↑ Christof Dörr: Fast Weltweit – Wie die Hamburger Schule in Ostwestfalen erfunden wurde. Verlag Andreas Reiffer, 2025.
  10. ↑ Mijk van Dijk: JETZT! – Liebe in GROSSEN Städten. In: microglobe.de. 1. Januar 2015, abgerufen am 24. August 2026.
  11. ↑ Die schöne Tuesdays. In: Zitty (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive)
  12. ↑ Konzerte: Schwefel & Geigenschrey. In: Livegigs.de. 12. April 2011, abgerufen am 24. August 2026.
  13. ↑ Interview mit Bernd Kistenmacher. In: AMAZONA.de. Abgerufen am 24. August 2026.
  14. 1 2 das Lebewohl TTG – Space Academy, Christchurch. In: Undertheradar. Abgerufen am 11. Februar 2026.
  15. ↑ Celebrating NZ Music Month with Paul Kean of The Bats. In: Toi Ōtautahi. Abgerufen am 11. Februar 2026.
  16. ↑ Sven Regener von Element of Crime. In: taz.de. 11. September 2009, abgerufen am 24. August 2026.
  17. ↑ Simon Hadler: Sven Regener im Interview: Mit 68 hat das nichts zu tun. In: ORF.at. 9. September 2009, abgerufen am 24. August 2026.
  18. 1 2 3 4 5 6 Robert Mießner: Amalgam mit Geige. In: taz.de. 20. März 2025, abgerufen am 24. August 2026.
  19. ↑ Thomas Wochnik: Krautrock-Filmvertonung: Spiel am Abgrund zum Vatertag. In: Der Tagesspiegel. 15. Mai 2023, abgerufen am 13. Februar 2026.
  20. ↑ Live-Neuvertonung: VAMPYR, Sputnik Kino am Südstern. In: Indiekino Berlin. 13. April 2023, abgerufen am 11. Februar 2026.
  21. ↑ Soundtrack: »Vampyr« – Filmvertonung. In: Junge Welt. 14. April 2023, abgerufen am 24. August 2026.
  22. ↑ Thomas Wochnik: Krautrock-Filmvertonung: Spiel am Abgrund zum Vatertag. In: Der Tagesspiegel. 15. Mai 2023, abgerufen am 13. Februar 2026.
  23. ↑ "CAT & CANARY" – Stummfilmvertonung im RegenbogenKino. In: radar.squat.net. 17. April 2025, abgerufen am 11. Februar 2026.
  24. ↑ Limited Edition #06 – SONIC INKRAUT. In: Mach mal grün. Abgerufen am 11. Februar 2026.
  25. ↑ Live-Neuvertonung: MAD GOD. In: Indiekino Berlin. 8. Mai 2026, abgerufen am 24. August 2026.
  26. ↑ D. Ferri / TT Geigenschrey bei ōnyūdō (Memento vom 20. Februar 2014 im Internet Archive)
  27. ↑ Stephan Schelle: Bernd Kistenmacher – Utopia. In: Musikzirkus-Magazin. November 2013, abgerufen am 1. Oktober 2026.
  28. ↑ The Bilders – The Utopians (2014, CD). In: Discogs. Abgerufen am 24. August 2026.
  29. ↑ TT Geigenschrey presents: Pi. In: Bandcamp. Abgerufen am 24. August 2026.
  30. ↑ TT Geigenschrey – Demos and Sketches (1990–2017). In: Bandcamp. 7. Februar 2026, abgerufen am 24. August 2026.
  31. ↑ Geigenschrey & Bluminth – Scissors & Insects. In: Bandcamp. Abgerufen am 24. August 2026.
  32. ↑ TTGeigenschreys: Informel: Hard Bop Kraut Edition. In: Bandcamp. Abgerufen am 24. August 2026.
  33. ↑ TTGeigenschrey: Tante Droll – Berlin Bridge Benefiz. In: Bandcamp. 1. Juli 2026, abgerufen am 24. August 2026.
  34. ↑ Bernd Kistenmacher Katalog. In: Cue Records. Abgerufen am 24. August 2026.
  35. ↑ PARO Berlin. In: Bandcamp. Abgerufen am 24. August 2026.
  36. ↑ Berlin – Sinfonie der Großstadt mit Live-Musik. In: Berliner Zeitung. 6. September 2001, abgerufen am 24. August 2026.
Personendaten
NAME G’schrey, Thomas
ALTERNATIVNAMEN Geigenschrey, Thomthom; Geigenschrey, TThomthom; Geigenschrey, TT
KURZBESCHREIBUNG deutscher Musiker, Geiger und Musikjournalist
GEBURTSDATUM 31. Juli 1959
GEBURTSORT Berlin