Thomas Gartmann (* 1961 in Chur) ist ein Schweizer Musikwissenschaftler, Germanist, Historiker und Publizist. Er leitet die Forschung an der Hochschule der Künste in Bern, ist Mitglied der Departementsleitung und verantwortet zahlreiche Projekte des Schweizerischen Nationalfonds.
Thomas Gartmann studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich bei Ernst Lichtenhahn, Max Lütolf, Peter von Matt sowie Peter Stadler. Er schloss 1988 sein Lizentiat mit einer Arbeit zur historischen Aufführungspraxis ab. Daneben nahm er Violinunterricht bei Rudolf Bamert, Elemer Glanz und Daniel Zisman, dazu Komposition bei Hans Ulrich Lehmann. 1982 bis 1988 war er Konzertmeister des Akademischen Orchesters Zürich, 1988 bis 1992 des Orchestervereins Meilen. 1987 gründete er das Ensemble Miramis. 1989–1994 war er Mitglied des Bündner Kammerorchesters, für das er unter anderem eine Orgel-Passacaglia von Jürg Brüesch orchestrierte. 1982 bis 1994 arbeitete er als Assistent am Musikwissenschaftlichen Seminar. Daneben unterrichtete er an den Universitäten Bern und Basel sowie an der Akademie für Kirchenmusik Luzern, am Conservatorio della Svizzera Italiana, an der Hochschule für Musik Basel und am Konservatorium Bern, war Musikredaktor des Schweizer Lexikon, Mitarbeiter bei der Neuen Zürcher Zeitung und bei Schweizer Radio DRS2 sowie in der Musikdramaturgie des Tonhalleorchesters Zürich und kuratierte dort eine Mozart-Ausstellung. 1994 promovierte er bei Ernst Lichtenhahn zum Instrumentalwerk von Luciano Berio.
1994 wurde er zum Leiter der Musikabteilung bei der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia berufen. Hier stellte er die Komponistenförderung neu auf und begründete die Prioritäre Jazzförderung. 1994–2004 war er Vorstandsmitglied der Schweizer Musikforschenden Gesellschaft, Zürich, 1995–2012 wirkte er als Stiftungsrat der Fondation SUISA pour la musique. Als Präsident der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung schweizerischer Musik 1996–2011 revitalisierte er das Label Grammont. 2000–2003 war er Stiftungsrat des Schweizer Nationalfonds, 2005–2011 Stiftungsrat im Künstlerhaus Boswil, 2007–2008 stellvertretender Direktor von Pro Helvetia.
2011 wechselte er als Gastprofessor an die Hochschule der Künste Bern, wo er 2012 die Leitung der neu geschaffenen Forschungsabteilung übernahm. 2012–2015 war er Vorstandsmitglied des Vereins Kulturvermittlung Schweiz, 2013–2017 Präsident vom Gönnerverein der Zeitschrift «Dissonance», 2014 Co-Leiter der Summer School «Forschung und Kunstwissen» von HKB und ZHdK, 2014–2026 Vorstandsmitglied der Schweizer Musikedition SME, die er 2014–2015 auch präsidierte, 2014–2024 Stiftungsrat des Klingenden Museums Bern, das er 2017 mitgegründet hatte. 2014–2025 verantwortete er das gemeinsame interdisziplinäre Doktoratsprogramm «Studies in the Arts» (SINTA, vormals «Graduate School of the Arts») von HKB und Universität Bern, das auch ohne Universitätsabschluss erstmals in der Schweiz eine künstlerisch-wissenschaftliche Promotion ermöglichte. 2015 war er Präsident des Internationalen Kirchenmusikkongresses Bern, 2016–2019 Gründer und Leiter BFH-Zentrums «Arts in Context» und 2020 Initiant des «HKB-Business Lab». 2021 initiierte er eine weitere Kooperation für ein künstlerisch-wissenschaftliches Doktorat, diesmal mit der Anton Bruckner Privatuniversität Linz.
Gartmann leitete sieben Forschungsprojekte des Schweizerischen Nationalfonds zu den Themen Musik und Politik, Librettistik, Jazz in der Schweiz, Musik und Medien, Ontologie der Musik, Interpretationsforschung, historisches Klavierspiel insbesondere bei Beethoven, Musikdiskurse, Musik und Bild sowie Musikinstrumente des Mittelalters und der Renaissance. Auf internationale Beachtung stiess dabei insbesondere die von ihm initiierte Neufassung von Othmar Schoecks letzter Oper (gemeinsam mit Francesco Micieli und Mario Venzago), die wegen ihrer politischen Dekontaminierung auf ein sehr gemischtes Echo stiess. Weitere Forschungen beschäftigten sich mit Hochleistungsteams in der Musik und Wirtschaft, mit künstlerischer Forschung, mit Improvisation und deren Konservierung, mit Raubkunst/Fluchtgut und mit dem Smartphone als Musikinstrument. Auch wissenschaftspolitisch engagiert sich Gartmann, etwa indem er sich gegen populistische Kritik an der Forschungsförderung wehrt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gartmann, Thomas |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Musikwissenschaftler, Germanist, Historiker und Publizist |
| GEBURTSDATUM | 1961 |
| GEBURTSORT | Chur |