Thomas Henke

Thomas Henke (2017)
Thomas Henke im Gespräch mit Martina Gedeck und Reinhard Spieler (Sprengel Museum Hannover 2022)

Thomas Henke (* 21. August 1972 in Korbach) ist ein deutscher Hochschullehrer, Regisseur und Medienkünstler. Seine filmkünstlerische Arbeit ist eine experimentelle wie radikale Auseinandersetzung mit dem Genre des filmischen Porträts.

Biografie

Thomas Henke studierte 1992–1999 Freie Kunst an der Kunstakademie Münster bei Reiner Ruthenbeck (Meisterschüler) und 1999–2001 Medienkunst und Film an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Seit 2009 ist er Professor für Neue Medien an der Hochschule Bielefeld. Viele der Filmprojekte entstehen in Zusammenarbeit mit seiner Frau Peggy Henke. Gemeinsam haben sie zwei Töchter.

Werk

Henkes Filme zeigen Menschen in existenziellsten Lebenssituationen. Seine Porträt-Projekte, die oftmals über einen Zeitraum von mehreren Jahren angelegt sind, hinterfragen dokumentarfilmische Herstellungsweisen sowie Praktiken von Autorenschaft. Sie untersuchen filmische Authentifizierungsmechanismen und Prozesse von Selbsterzählung. Dabei etablieren sie innovative, experimentelle Herstellungs- und Präsentationsweisen wie zum Beispiel in den Projekten Liquid Identities, Social Dogma und Meta-Porträts. Zum Spektrum seiner filmischen Porträtarbeit gehören auch fiktionale, performative Strategien, wie zum Beispiel im Film Samstagmittag, 12 Uhr, der in Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Martina Gedeck entstanden ist. Typisch für Henkes Arbeitsweise ist neben bildkritischen, medienreflexiven Herstellungsverfahren die Auseinandersetzung mit existenziellen Themen wie der Umgang mit Leid und Tod sowie die Suche nach Zuflucht. In diesem Zusammenhang untersuchen Henkes Filmprojekte auch die Potentiale künstlerischer Prozesse. So sind eine Reihe von Filmen in der Zusammenarbeit mit den Schriftstellerinnen Felicitas Hoppe, Terézia Mora sowie den Schriftstellern Feridun Zaimoglu und Thomas Hürlimann sowie dem Philosophen Thomas Macho entstanden. Henkes filmisches Werk positioniert sich im Spannungsfeld zwischen Kunst und Religion sowie Kunst und Sozialem. 2023 widmete ihm das Grazer Museum für Gegenwartskunst und Religion (KULTUM) eine große Retrospektive. Hierzu erschien im Hatje Cantz Verlag eine umfangreiche Publikation unter dem Titel Cinema Altera mit Beiträgen u. a. von Felicitas Hoppe, Thomas Kellein, Thomas Macho, Terézia Mora, Johannes Rauchenberger und Reinhard Spieler.

Filme und Projekte (Auswahl)

Ausstellungen und Präsentationen

Die Experimental- und Dokumentarfilme Thomas Henkes wurden auf internationalen Filmfestivals (und im TV) gezeigt und ausgezeichnet. Im Kunstraum waren seine Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Einzelausstellungen u. a. im Leopold Museum Wien, International Art Centre New Delhi, Estonian National Museum Tartu, Kunstmuseum Thurgau, Sprengel Museum Hannover, Kunsthalle Bielefeld, Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, UNESCO Welterbe Zollverein Essen, Deutschen Filmmuseum Frankfurt a. M., Literaturmuseum der Moderne Marbach, Kunsthaus Graz, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Marta Museum Herford, Edith-Ruß-Haus für Medienkunst Oldenburg, Bielefelder Kunstverein, Oldenburger Kunstverein, Westfälischer Kunstverein Münster sowie Galerie Anita Beckers Frankfurt.

Werke in Sammlungen

Das künstlerische Gesamtwerk von Thomas Henke sowie das gemeinsame Werk von Peggy und Thomas Henke befindet sich seit 2023 in der Sammlung des Museums für Gegenwartskunst und Religion Graz sowie seit 2025 in der Draiflessen Collection Mettingen. Beide Institutionen haben die weltweiten Vertretungsrechte. Das Filmarchiv des gebürtigen Korbachers Thomas Henke ist auch Teil der Sammlung des Wolfgang-Bonhage-Museum Korbach. Im Rahmen der Dauerausstellung präsentiert das Museum jährlich einen Film aus dem Archiv.

Einzelne Werke befinden sich in folgenden Sammlungen: Sprengel Museum Hannover, Leopold Museum Wien, Stiftung UNESCO Welterbe Zollverein Essen, Kantonsmuseum Thurgau (CH), Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, Edith-Ruß-Haus für Medienkunst Oldenburg, KULTUMdepot Graz (A), Kunsthalle Bielefeld, Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster, Westfälische Provinzial Versicherung, Sparkassen-Stiftung Hessen-Thüringen, Öffentliche Versicherung Oldenburg, Emschergenossenschaft Essen, Künstlerhaus Hooksiel, Diözesanmuseum Osnabrück, Bistum Essen, Dominikaner Braunschweig, Katholische Akademie Berlin, Abtei Mariendonk Grefrath.

Publikationen (Monografien)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Thomas Henke auf der Homepage der Hochschule Bielefeld
  2. ↑ CINEMA ALTERA. Thomas Henke – Retrospektive. Abgerufen am 17. März 2024.
  3. ↑ Film der Antworten. Eine filmische Installation von Peggy und Thomas Henke, Ausst.-Kat. Welterbe Zollverein Essen u. a. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2012. Homepage Film der Antworten. Abgerufen am 23. Juni 2017.
  4. ↑ Liquid Identities (Volume IV–VII). Thomas Henke, Ausst.-Kat. Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen. Kerber Verlag, Bielefeld 2012. Thomas Henke. Liquid Identities (Volume I–III), Ausst. Kat. Fruchthalle Kaiserslautern. Kerber Verlag, Bielefeld 2008.
  5. ↑ Social Dogma. Ein Filmprojekt von Thomas Henke, Ausst.-Kat. Kunstverein Bielefeld. Kehrer Verlag, Heidelberg 2010. Homepage Social Dogma. Abgerufen am 23. Juni 2017.
  6. ↑ Porträts 1.13. Ein Filmprojekt von Joachim Hake und Thomas Henke (Regie), Porträts 1.13, unterschiedliche Präsentationsformen, Deutschland, 2014–2016. Homepage Porträts 1.13. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  7. ↑ Felicitas Hoppe sagt. Ein Film von Oliver Held und Thomas Henke, Videoinstallation, 79 Min. (3 Kanäle), Deutschland/Schweiz, 2017. Homepage Felicitas Hoppe sagt. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  8. ↑ Film der letzten Zuflucht. Abgerufen am 19. März 2020.
  9. ↑ Arolser Schloss-Gespräche. Abgerufen am 29. Juni 2020.
  10. ↑ Edna Brocke: Profil + Frontal. Abgerufen am 28. Februar 2024.
  11. ↑ SIE SAGEN IMMER TERÉZIA MORA. Abgerufen am 28. Februar 2024.
  12. ↑ Frau Dörrie und die Gespenster. Abgerufen am 28. Februar 2024.
  13. ↑ signatur 22. Abgerufen am 28. Februar 2024.
  14. ↑ Samstagmittag, 12 Uhr. Abgerufen am 28. Februar 2024.
  15. ↑ FAAG 25. Abgerufen am 28. Februar 2024.
  16. ↑ Und ich war Feridun Zaimoglu. Abgerufen am 28. Februar 2024.
  17. ↑ Draiflessen Collection – Filmarchiv Peggy und Thomas Henke. Abgerufen am 24. Juni 2025.