Ursprung und Verbreitung der sinotibetischen Sprachen. Rotes Oval ist die späte Cishan- und die frühe Yangshao-Kultur. Der schwarze Pfeil steht für den vermuteten Pfad der nicht-sinitischen Expansion. Nachdem die linguistisch vergleichende Methode auf die von Laurent Sagart im Jahr 2019 entwickelte Datenbank mit vergleichenden linguistischen Daten angewendet wurde, um Lautkorrespondenzen zu identifizieren und Kognaten zu ermitteln, werden phylogenetische Methoden verwendet, um Beziehungen zwischen diesen Sprachen abzuleiten und das Alter ihrer Herkunft und ihres Heimatlandes zu schätzen.
Die tibetanischen Sprachen (kurz Tibetanisch) bilden eine Untereinheit der bodischen Sprachen, die zu den tibetobirmanischen Sprachen gehören, einem Primärzweig des Sinotibetischen. Die etwa 50 tibetanischen Sprachen werden von über 8 Millionen Menschen im Himalayagebiet, vor allem in Tibet, Nord-Indien, Nepal und Bhutan gesprochen. Die größte Einzelsprache ist das Zentral-Tibetische, das von etwa 6 Millionen Tibetern in den Städten Lhasa, Shigatse und Ngari gesprochen wird.
Zur Bezeichnung
Die Bezeichnung „tibetanische Sprachen“ wird hier in einer umfassenderen Bedeutung als die Bezeichnung „tibetische Sprachen“ verwendet. Letztere umfasst nur das klassische Tibetisch und seine modernen Varianten, aber nicht etwas entfernter verwandte Sprachen wie Dzongkha, Bumthangkha oder Lhokpu. In der deutschsprachigen Literatur gibt es dazu keine einheitliche Begriffsbildung. Statt „tibetanisch“ wird manchmal auch „bodisch“ verwendet, das aber in der Regel – so auch hier – für die umfassendere Einheit benutzt wird, die außer den tibetanischen noch die Tamang-Ghale-Sprachen, Tshangla, Takpa und Dhimal-Toto umfasst (siehe Bodische Sprachen). In der englischsprachigen Fachliteratur wird „Tibetan“ für „tibetisch“, „Bodish“ für „tibetanisch“ und „Bodic“ für „bodisch“ verwendet.
Scott DeLancey:Sino-Tibetan Languages. In: Bernard Comrie (Hrsg.): The World's Major Languages. Oxford University Press, New York 1990, ISBN 0-19-520521-9.
↑Laurent Sagart, Guillaume Jacques, Yunfan Lai, Robin J. Ryder, Valentin Thouzeau:Dated language phylogenies shed light on the ancestry of Sino-Tibetan. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band116, Nr.21, 21.Mai 2019, ISSN0027-8424, S.10317–10322, doi:10.1073/pnas.1817972116, PMID 31061123 (pnas.org[abgerufen am 16.Oktober 2021]).
↑Tibetic languages.In:About World Languages.Abgerufen am 22.November 2018(amerikanisches Englisch).