Wrase absolvierte die Hochschule der Künste Berlin. Anschließend spielte sie in verschiedenen deutschen und internationalen Jazzformationen. Ihre bevorzugten Instrumente waren Sopransaxophon und Bassklarinette. Sie hatte mit dem Linear Ensemble und dem Duo Azoth mit dem Gitarristen Lothar Fiedler zwei eigene Bands und war auch als Theatermusikerin tätig. Gemeinsam mit Lothar Fiedler vertonte sie Texte von Christa Wolf und begleitete eine Reihe von Kunstperformances zu Wolfs Texten Im Stein, Kassandra und Medea: Stimmen (z.B. 2000 Medea gemeinsam mit Christa Wolf am Théâtre national de la Colline in Paris) sowie von John Barton Epsteins Vega.
Im September 2000 starb sie an einer Krebserkrankung. Im Andenken widmete Steve Lacy ihr seine Komposition „Tina’s Tune“, die auf seinem Album November veröffentlicht ist.
Musikalische Kollaborationen
Wrase arbeitete unter anderem mit folgenden Musikern/Gruppen zusammen:
Tilmann Dehnhard (Zusammenarbeit seit der Studienzeit an der Hochschule der Künste Berlin, z.B. Journey Street produziert von Lee Townsend)
Martina Cizek (Flötistin/Saxophonistin)
Veronika Vogel (Gitarristin/Sängerin)
Vega (mit Lothar Fiedler, Heiner Reinhardt sowie John Barton Epstein)
Tom Lord verzeichnet im Bereich des Jazz sieben Aufnahmen Wrases zwischen 1988 und 1995. Weiterhin ist sie auf Alben von Georgette Dee, Nûrê und der Hochschule der Künste Berlin zu hören.
Diskographische Hinweise
Association Urbanetique: Ass Bedient (Jazz4Ever 1995, nur auf dem Titel „Teneriffa-Kakerlaken“ Bassklarinette)
↑Anna Chiarloni, Alain Lance, Halina Ludorowska & Christiane Zehl Romero:Internationale Rezeption. In: Carola Hilmes, Ilse Nagelschmidt (Hrsg.): Das Christa Wolf Handbuch: Leben – Werk – Wirkung. J. B. Metzler, 2016, S.350–369.
↑Carsten Gansel:Christa Wolf – Im Strom der Erinnerung. V&R Unipress, 2014, S.48,70.
↑Christa Wolf:Ein Tag im Jahr: 1960–2000. Luchterhand, München 2003, ISBN 3-630-87149-6 (Genaues Datum des Todes ist nicht belegt. Christa Wolf beschreibt in einem auf den 27. September 2000 datierten Eintrag, dass sie am Tag davor die Trauerfeier für Tina Wrase besucht hat.).
↑Dort hieß es in einer Besprechung: „Die unverwechselbaren Klänge von Petia Kaufmans Cembalo und Cathrin Pfeifers Akkordeon verbanden europäische Klassik und französisches Kabarett, während die Sopransaxophone von Lacy und Tina Wrase wie spirituelle Dudelsackspieler umherschwirrten und sich duellierten.“ Christopher Porter:Lacy's Mini-Opera 'Cry' Mixes Music and Poetry. In: Washington Post. 1.Juli 1998 (washingtonpost.com).