Toni Zimmerer

Toni Zimmerer (Fotografie: Mac Walten)

Anton „Toni“ Zimmerer (* 10. Juni 1877 in München; † 5. Mai 1946 in Gaienhofen) war ein deutscher Theater- und Stummfilmschauspieler.

Leben und Wirken

Der Sohn des Branntweinbrenners und Küfers Julius Zimmerer und dessen Ehefrau Josefa, geb. Magg, begann seine Bühnenlaufbahn 1893 am Stadttheater Zürich, kam dann 1894 ins untersteirische Pettau und im Jahr darauf nach Graz. Weitere Stationen waren Prag (1897/98), Troppau (1898/99), Czernowitz (1899/1900), St. Gallen (1900/01) und Lübeck (1901–03). Anschließend trat er eine Stellung am Stadttheater Düsseldorf an. In seinen frühen Jahren spielte er hauptsächlich Liebhaberrollen.

1905 wurde der gebürtige Bayer erstmals in die Reichshauptstadt verpflichtet. Nachdem er dort am Berliner Theater und am Neuen Schauspielhaus in Schöneberg zu sehen gewesen war, holte man ihn 1907 zunächst als Gast an das prestigeträchtige Königliche Schauspielhaus, wo er alsbald festangestellt wurde und bereits im Jahr darauf den Titel eines Königlichen Schauspielers erhielt. Das Schauspielhaus wurde fortan zu Zimmerers primärer Wirkungsstätte, der er bis in die späten 1930er-Jahre treu bleiben sollte. Meist verkörperte er Heldenrollen, in späteren Jahren vermehrt auch Charakter- und Väterrollen.

In Berlin stieß Zimmerer spätestens während des Ersten Weltkriegs auch zum Stummfilm, wo er unter namhaften Regisseuren wie F. W. Murnau (Marizza, genannt die Schmugglermadonna), Richard Eichberg (Monna Vanna) und E. A. Dupont (Sie und die Drei) respektable Persönlichkeiten diverser Couleurs darzustellen hatte, etwa Fürsten, Staatsräte oder Prokuristen.

Seit Mitte der 1920er-Jahre lebte Toni Zimmerer in Neubabelsberg, wo er zuletzt das Jagdschloss Stern bewohnte. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gelang es dem NSDAP-Mitglied Zimmerer, sich in den sicheren Süden des Deutschen Reichs abzusetzen, indem er sich in Gaienhofen am Bodensee ansiedelte. Dort starb der von der Öffentlichkeit inzwischen vergessene Schauspieler im Frühjahr 1946 an den Folgen eines chronischen Gelenkrheumatismus.

Von 1907 bis zu deren frühem Ableben im Jahr darauf war Toni Zimmerer mit Olga Gellin verheiratet, anschließend in zweiter Ehe bis zu seinem eigenen Tod mit Wilhelmine Niemeier.

Tondokument

Das wohl älteste erhaltene Tondokument einer Goetheschen Dichtung, nämlich der Ballade Der Totentanz, wurde von Zimmerer gesprochen und ist auf einer Edison-Walze überliefert. Diese Aufnahme erschien auf einer CD.

„Sicherlich ist Zimmerer in Hinblick auf den Gebrauch quasi-sängerischer Stimmmittel kein prototypischer Sprecher. Er macht durchgehend Gebrauch von seiner Sprechstimme, die jedoch selbst schon ausgesprochen klangvoll und durchdringend (zuweilen etwas kehlig: „Nacht“ 0’24, „-bracht“ 0’29) ist. Mit ihr kann er alle Vokale sehr ausgeglichen artikulieren.“

– Matthias Nöther: Als Bürger leben, als Halbgott sprechen

Filmografie

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Stadtarchiv München, Geburtsregister Standesamt München, Nr. 4376/1877 (PDF; 122 MB).
  2. ↑ National Archives and Records Administration, NSDAP-Mitgliederkartei, A3340-MFKL-T0173 (online).
  3. ↑ National Archives and Records Administration, NSDAP-Mitgliederkartei, A3340-MFOK-Z0083 (online).
  4. ↑ Gemeindeverwaltungsverband Höri, Sterbebuch Standesamt Gaienhofen, Nr. 4/1946.
  5. ↑ Archiwum Państwowe we Wrocławiu, Heiratsregister Standesamt Breslau I, Nr. 38/1907 (online).
  6. ↑ Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Charlottenburg III, Nr. 797/1908 (online bei Ancestry, kostenpflichtig).
  7. ↑ Rolf Michaelis: Goethe für die Ohren. In: Die Zeit. 14. Januar 1999, abgerufen am 8. Juni 2026.
  8. ↑ Matthias Nöther: Als Bürger leben, als Halbgott sprechen. Melodram, Deklamation und Sprechgesang im Wilhelminischen Reich. Böhlau Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-412-20097-8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).