Tosso Leeb (* 16. November 1967 in Füssen) ist ein deutsch-schweizerischer Biochemiker und Genetiker. Er ist Professor für Veterinärmedizinische Genetik und Tierzucht an der Universität Bern.
Leeb wuchs in Hohenschwangau auf und legte 1986 sein Abitur am dortigen Gymnasium ab. Nach Ableisten des Wehrdiensts studierte er Chemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1995 wurde er zum Dr. rer. nat. in Biochemie promoviert. Im Anschluss an ein Postdoktorat am University of Texas Health Science Center at San Antonio wechselte Leeb an die Georg-August Universität Göttingen, wo er sich 1999 bei Bertram Brenig am Tierärztlichen Institut habilitierte. Im selben Jahr nahm er einen Ruf auf die Professur für Molekulare Veterinärgenetik an der Tierärztlichen Hochschule Hannover an. Seit 2005 ist er ordentlicher Professor für Veterinärmedizinische Genetik und Tierzucht sowie Direktor des Instituts für Genetik an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern.
Leeb forscht zur Genetik von Erbkrankheiten und anderen erblichen Merkmalen bei Haustieren. Im Zentrum steht dabei die Aufklärung der molekulargenetischen Veränderungen, die für erbliche Merkmale verantwortlich sind. Leeb leistete Pionierarbeit bei der Einführung moderner experimenteller Methoden in die veterinärmedizinische Genetik. Leeb und seine Arbeitsgruppe konnten bereits weit über 100 ursächliche DNA-Varianten aufklären, die für Erbkrankheiten bei Hunden, Katzen, Pferden oder Rindern verantwortlich sind. Die Forschungsergebnisse sind die Grundlage von gendiagnostischen Verfahren («Gentests»), mit denen sich diese Erkrankungen auf züchterischen Weg wirksam bekämpfen lassen und die Tiergesundheit gefördert werden kann. Leeb ist ein international gefragter Spezialist für die Erforschung von erblichen Hauterkrankungen. Seine Arbeiten an Haustieren liefern dabei auch grundlegende Erkenntnisse für die biomedizinische Forschung. Die Bedeutung seiner Forschung wurde durch die Verleihung von zahlreichen Preisen, auch aus dem Bereich der Humanmedizin, gewürdigt.
Neben den Arbeiten zu Erbkrankheiten untersucht Leeb insbesondere die Genetik der Farbvererbung bei verschiedenen Tierarten. Bei Pferden identifizierte seine Arbeitsgruppe zahlreiche genetische Varianten, die einerseits zu vollständig oder teilweise fehlender Pigmentierung und damit zu weissen oder weiss gefleckten Pferden führen. Mehrere dieser Farbvarianten sind andererseits gleichzeitig auch mit unerwünschten Folgen für die Gesundheit verbunden, wie z. B. einem erhöhten Risiko für Taubheit. Weitere wichtige Arbeiten widmeten sich der Vererbung von bestimmten Farbmustern, etwa bei Ziegen oder Hunden.
Leeb ist an mehreren internationalen Kooperationsprojekten beteiligt, um Forschungsgrundlagen zu schaffen. So war er an der Entschlüsselung des Pferdegenoms beteiligt und ist aktuell Mitglied in verschiedenen globalen Konsortien zur Genomforschung bei verschiedenen Tierarten. Er ist Autor von über 450 wissenschaftlichen Publikationen (Stand Juli 2025).
Leeb ist Kurator bei der OMIA-Datenbank, in der Informationen zu erblichen Merkmalen bei Tieren aufbereitet und zusammengefasst werden. Mehrere von Leeb betreute Personen wurden auf Professuren in der Veterinärmedizin berufen, u. a. Cord Drögemüller und Bianca Waud (geb. Haase).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Leeb, Tosso |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-schweizerischer Biochemiker und Genetiker |
| GEBURTSDATUM | 16. November 1967 |
| GEBURTSORT | Füssen |