Eine Transversalwelle – auch Quer-, Schub- oder Scherwelle – ist eine physikalische Welle, bei der die Schwingung senkrecht zu ihrer Ausbreitungsrichtung erfolgt. Das Gegenstück ist eine Längs- oder Longitudinalwelle, bei der die Schwingung parallel zu der Ausbreitungsrichtung stattfindet. Beispiel für eine Transversalwelle ist eine stehende Welle auf einer gespannten Saite, die sich als Saitenschwingung äußert, oder eine elektromagnetische Welle, wie Licht im Vakuum, während Schall in Luft eine Longitudinalwelle ist.
Eine Transversalwelle schwingt senkrecht zu ihrer Ausbreitungsrichtung. Voraussetzung für die Entstehung einer mechanischen Transversalwelle ist das Vorhandensein einer Rückstellkraft, die einen aus seiner Lage des Kräftegleichgewichts gebrachten Massenpunkt dazu zwingt, wieder in seine ursprüngliche Gleichgewichtslage zurückzukehren. Die Welle lässt sich anhand eines herabhängenden Seils veranschaulichen, dessen oberes Ende in der Hand gehalten wird. Im Zustand des Kräftegleichgewichts hängt das Seil wegen der Schwerkraft senkrecht nach unten. Bewegt man das obere Seilende rhythmisch hin und her, werden die Seilpunkte aus der Ruheposition seitwärts ausgelenkt und führen Schwingungen durch. Diese Auslenkung pflanzt sich entlang des Seils nach unten fort. Der Wellenvektor, der die Ausbreitungsrichtung der Welle kennzeichnet, steht damit senkrecht zur Seilschwingung, weist in diesem Fall also senkrecht nach unten.
Im Gegensatz zu Longitudinalwellen sind Transversalwellen polarisierbar, da die Schwingung in der gesamten Ebene stattfinden kann, die senkrecht zur Ausbreitungsrichtung der Welle ausgerichtet ist. Läuft die Welle beispielsweise in z-Richtung, kann die Schwingung in x-Richtung, y-Richtung oder in einer beliebigen (nicht zwingend festen) Kombination beider Richtungen erfolgen, also in der kompletten x-y-Ebene. Dadurch ergeben sich unter anderem folgende Spezialfälle der Polarisation:
Aus der Navier-Stokes-Gleichung lässt sich für die Bewegung von dissipationsfreien elastischen Wellen in einem Festkörper die Differentialgleichung
für die zeit- und ortsabhängige Auslenkung herleiten. Dabei sind , und konstante Materialparameter. Das Vektorfeld lässt sich, wie jedes Vektorfeld, in einen rotations- und einen divergenzfreien Teil aufspalten:
wobei für den rotationsfreien Teil gilt
und für den divergenzfreien
Damit erhält man zwei getrennte Wellengleichungen für den transversalen und longitudinalen Teil der Welle:
mit unterschiedlichen Phasengeschwindigkeiten für die Longitudinalwelle und für die Transversalwelle. Im selben Medium ist die Geschwindigkeit von Transversalwellen stets kleiner als die von Longitudinalwellen.