Bachmann arbeitete zuerst als Landwirt, dann besuchte er die Missionsschule der Herrnhuter Brüdergemeine von 1890 bis 1892. 1891 trat er in die Herrnhuter Brüdergemeine ein. 1892 wurde er von dieser Missionsgesellschaft nach Rungwe, in den Südwesten Tansanias, nach Deutsch-Ostafrika gesandt, wo er den mit ihm gereisten und verstorbenen Georg Martin zu ersetzen hatte. Er arbeitete zuerst im landwirtschaftlichen Bereich. Ab 1894 unterrichtete er dreißig freigekaufte Sklaven, um sie in die örtliche Gemeinschaft einzugliedern, was jedoch nur bei Kindern gelang. 1897 konnte er den ersten Afrikaner taufen, der Christ geworden war.
1899 verließ er Rungwe und gründete die Station Mbozi im Gebiet der damals animistischen Ethnie der Nyika, die er sehr wertschätzte. Er versuchte ihre Sprache, Gewohnheiten und Gebräuche zu verstehen, um den christlichen Glauben an ihre Kultur angepasst zu lehren. Daher bewertete eigenständig ihre Traditionen und bezog sie in seine Missionsstrategie ein. Er deutete beispielsweise den Brautkauf als soziale Institution mit Erziehungswirkung für den Bräutigam. Polygamie, Gesang und Tanz verstand er auch in Verbindung mit der sozialen Lage. Er versuchte, zwischen akzeptablen Sitten und heidnischem Animismus zu unterscheiden. Seine Verkündigung war auch geprägt von Martin Luther, Nikolaus Ludwig von Zinzendorf und Johann Christoph Blumhardt, und sie wurde von vielen Einheimischen positiv aufgenommen. Dadurch konnte er dort eine Kirchengemeinde ins Leben rufen, und er übersetzte bis 1913 das Neue Testament in die Nyika-Sprache und ließ Gebrauchsliteratur drucken.
1916 musste Bachmann seine Arbeit wegen des 1. Weltkriegs abbrechen, und er wurde von den Briten interniert. Zusammen mit seiner Frau kehrte er 1919 nach Deutschland zurück, wo er als Prediger der Herrnhuter Brüdergemeine in Wetzlar, Hessen, und als Missionsagent tätig war.
Familie
1895 heiratete er Elisabeth Künzel aus Niesky. Sie hatten zusammen fünf Kinder, die in der Kolonie Kleinwelka aufgezogen und unterrichtet wurden, wie es für alle Missionarskinder damals üblich und zwingend war.
Schriften (Auswahl)
Praktische Lösung missionarischer Probleme auf einem jungen Arbeitsfeld (Nyassagebiet, Deutsch-Ostafrika), Hans-Windekilde Jannasch, Herausgeber, 1912.
Ambilishiye – Lebensbild eines eingeborenen Evangelisten aus Deutsch-Ostafrika, 1917 und 1921.
Nampoli – die letzten zwei Jahre einer Afrikanerin, Missionbuchhandlung, Herrenhut 1931.
Ich gab manchen Anstoss, 1956, 1964 und 1976, S. 160–169.
Als Übersetzer
Inongwa izya mwa Tesitamenti mukali Shiniha (Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament in Nyika), Missionsanstalt der Evangelischen Brüderunität, Herrnhut 1913.
Literatur
Theodor Bechler: Simoni, der Nikaknabe in Deutsch-Ostafrika, Herrenhut 1906.
Klaus Fiedler: Christentum und afrikanische Kultur – konservative deutsche Missionare in Tanzania 1900–1940, Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1983. Erweitert und bearbeitet: Mzuzu: Luviri Press, 2016.
Adam Jones, Petra Albert, Anja Reimers und Anja Schrödter: Afrikabestände im Unitätsarchiv der Herrnhuter Brüdergemeine. Schriftliches Material, Ethnographica, Bilder, Karten, Universität Leipzig, Leipzig 2000, ISBN 3-932632-49-4.
Werner Kessler: Traugott Bachmann (1865-1948): Ein Schüler und Zeuge Jesu, Der Brüderbote, N° 329, 1976, S. 28–32.
Werner Raupp: Art. Bachmann (Johann) Taugott, in: Biographical Dictionary of Christian Missions. Edited by Gerald H. Anderson, New York [u. a.] 1998, S. 37–38.
Renate Stierlen: Pädagogisch-antropologische Grundannahmen in der Bildungsarbeit der Herrnhuter Mission in Deutsch-Ostafrika, Langenau 28. Juni 2005, S. 24
↑Renate Stierlen: Pädagogisch-antropologische Grundannahmen in der Bildungsarbeit der Herrnhuter Mission in Deutsch-Ostafrika, Langenau 28. Juni 2005, S. 24