Nachdem Ertel im Jahr 1815 Teilhaber von Reichenbachs Institut geworden war, wurden ihm von diesem am 16.Mai 1821 alle Anteile und somit das komplette Unternehmen übertragen. Ertel richtete es strategisch neu aus und fokussierte die Produktion auf hochwertige Vermessungsinstrumente wie Theodolite und Meridiankreise (Bild). Im Jahr 1834 benannte er die Firma in „T.Ertel& Sohn“ um.
Traugott Ertel starb 1858 im Alter von 79 Jahren hoch angesehen und vielfach ausgezeichnet in München. Seinem Sohn Georg hinterließ er ein renommiertes Unternehmen mit etwa hundert Mitarbeitern. 1890 kaufte August Diez sämtliche Anteile am Unternehmen auf, das als Ertel-Werk für Feinmechanik am ursprünglichen Ort48.13766666666711.528055555556 (nordwestlich der Ecke Westendstraße und Barthstraße) bis 1944 bestand, bis es nach einem Bombenangriff am 25.April 1944 völlig ausbrannte. Das Werk fand nach dem Krieg vorübergehend einen neuen Standort in der Münchner Kuglmüllerstraße, bevor es am 1.Juni 1957 von München nach Puchheim verlegt wurde, wo es bis zur Insolvenz 1984 bestand.
Meridiankreisinstrument aus der feinmechanischen Werkstatt von Georg von Reichenbach und Traugott Ertel (München, 1825).
Postkarte von T.Ertel Sohn 1870 aus München an den Mechaniker Conrad Bube in Hannover…
…„Wir ersuchen Sie dringenst um umgehende Nachricht bis wan[n] wir Maßstäbe bekommen u. bitten um genaue Zeitangabe. Haben Sie den[n] unsere beiden Briefe nicht erhalten? 6.Sept. 1870 T.Ertel Sohn“
Seriennummernschild einer Enigma-Chiffriermaschine, hergestellt 1944 vom Ertel-Werk (bac) in München.
Die Grabstätte von Traugott Ertel befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Alte Arkaden Platz 2 bei Gräberfeld 25, Standort48.12723611111111.564). Die Grabstätte ist leider zu großen Teilen zerstört, liegt aber an prominenter Stelle in den ehemaligen Alten Arkaden und ganz in der Nähe der Arbeitskollegen Georg Reichenbach (Alte Arkaden Platz 11), Joseph Fraunhofer (Alte Arkaden Platz 12) und Joseph Utzschneider (Alte Arkaden Platz 32).
Literatur
Rainer Heer:Biographien von Herstellern zur geodätischen Messtechnik. In alphabetischer Reihenfolge, Inhalte ohne Anspruch auf Vollständigkeit. (Geodätisches Institut Hannover[PDF; abgerufen am 29.Mai 2019]).
Carl R. Preyß:Von Reichenbachs Werkstatt zum Ertel-Werk für Feinmechanik 1802–1962. Hrsg.: Ertel-Werk f. Feinmechanik, aus Anlass d. 160jähr. Bestehens. München 1962, DNB453848354, OCLC73648044.
Kurzvita zu Traugott Ertel aus Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München, Zeke-Verlag, 4.Auflage, Würzburg, 1983.
Werner Dreher: Von Reichenbachs Werkstatt zum Ertel-Werk in Puchheim– Standortgeschichte eines ruhmreichen Unternehmens. Broschüre, stadtarchiv-puchheim.de (PDF; 5,0MB) mit Porträt Ertels auf Seite7. (Das dort in der Bildunterschrift angegebene Geburtsjahr ist falsch.)