Trecenarius

Trecenarius war eine militärische Rang- oder Funktionsbezeichnung im römischen Kaiserreich. Die genaue Bedeutung und Stellung des Trecenarius sind in der Forschung umstritten. Der Titel ist nur selten belegt und erscheint insbesondere im Zusammenhang mit den stadtrömischen Truppen.

Bedeutung

Die Bezeichnung wird gewöhnlich mit dem lateinischen trecenti („dreihundert“) in Verbindung gebracht. Daraus entstand die ältere Forschungsannahme, ein Trecenarius habe eine Truppe von 300 Mann befehligt. Eine solche Truppenstärke ist für die von ihm möglicherweise kommandierten speculatores jedoch nicht unmittelbar durch eine antike Quelle belegt. Die Zahl 300 wird vielmehr aus der Bezeichnung Trecenarius erschlossen.

Forschungsgeschichte

Alfred von Domaszewski sah im Trecenarius einen hochrangigen Centurio der in Rom stationierten Truppen. Nach seiner Rekonstruktion stand er an der Spitze der kaiserlichen Speculatores, einer besonderen Gruppe im Umfeld der Prätorianergarde, und kommandierte vermutlich etwa 300 Mann. Diese Deutung wurde in der Forschung häufig übernommen, ist jedoch nicht eindeutig belegt.

Brian Dobson und David Breeze ordneten den Trecenarius ungefähr als ranghöchsten Centurio der stadtrömischen Truppen ein, vergleichbar mit dem primus pilus der Legionen. Sie stellten fest, dass dem Trecenarius in ausführlicher überlieferten Laufbahnen häufig Centurionatsstellen bei stadtrömischen und prätorianischen Truppen vorausgingen.

John C. Mann griff diese Überlegungen auf und deutete Trecenarius nicht als konkretes Amt, sondern als Rangbezeichnung. Nach seiner Auffassung konnte ein Centurio diesen Rang durch die aufeinanderfolgende Bekleidung von Centurionaten bei verschiedenen stadtrömischen Truppen erreichen. Dazu gehörten insbesondere die vigiles, die cohortes urbanae und die cohortes praetoriae.

Nikola Cesarik beurteilt Manns Erklärung kritisch. Unter anderem weist sie darauf hin, dass auch Soldaten, die mehrere der entsprechenden Centurionatsstellen innehatten, nicht zwangsläufig als Trecenarii bezeichnet wurden. Sie hält die Verbindung des Trecenarius mit den Speculatores für plausibler als Manns Erklärung. Zugleich betont sie, dass diese Verbindung eine Rekonstruktion bleibt: Eine antike Quelle belegt nicht ausdrücklich, dass ein Trecenarius 300 speculatores kommandierte.

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Mit Verweisen auf die ältere Forschung: Friedrich Lammert: Trecenarius. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band VI A,2, Stuttgart 1937, Sp. 2285.