Trutz Hardo

Hockemeyer (2018)

Trutz Hardo, eigentlich Tom Hockemeyer (* 23. April 1939 in Eisenach), ist ein deutscher Autor in den Bereichen Reinkarnation und Esoterik. 1998 wurde er nach Veröffentlichung eines holocaustrelativierenden Romans wegen Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu einer Geldstrafe verurteilt und die Weiterverbreitung des Buchs untersagt.

Leben

Tom Hockemeyer wurde als zweites von vier Kindern des Apothekers Karl-Ernst Hockemeyer geboren, der in der Nachkriegszeit als Dichter unter dem Pseudonym Molar wirkte. Mit fünf Jahren verlor er laut eigener Aussage 1944 in Thüringen seine Mutter. 1945 zog die Familie von Thüringen in die damaligen Westzonen, wo die Kinder in verschiedenen Internaten und bei Familien unterkamen. Tom Hockemeyer besuchte das Inselgymnasium auf Wangerooge und erhielt dort 1960 die Allgemeine Hochschulreife. 1961 begann er in Berlin Deutsch und Geschichte auf Lehramt zu studieren. Im Dezember 1966 legte er in Berlin das Erste, im Januar 1975 das Zweite Staatsexamen ab.

Seine Weltreisen dokumentierte er in vier Büchern. Seit Dezember 1974 beschäftigt er sich mit Esoterik und Spiritualität. Ab 2001 veröffentlicht er zumeist über den Verlag Silberschnur.

Verurteilung wegen Volksverhetzung

1996 veröffentlichte Hockemeyer in einer vierbändigen Romanreihe das Buch Jedem das Seine, mit dessen Titel er sich auf die Beschriftung des Tors des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Buchenwald bezog, in der Bedeutung für die Lagerinsassen von „Jedem, was er verdient“. In dem Buch rechtfertigt er den Holocaust, indem er die Verbrechen des Nationalsozialismus durch den esoterischen Wiedergeburtsglauben relativiert. So sei es nicht Adolf Hitler gewesen, der „den Juden das Schicksal der Gaskammer zuerteilt“ habe, sondern „jene haben es sich selbst ausgesucht“. Dabei sei Hitler „nur der Vollstrecker ihres Willens“ gewesen. Auschwitz und der Holocaust seien das „vorherbestimmte Schicksal der Juden“ und eine „gerechte Sühne für begangene Untaten im früheren Leben“: Die ermordeten Juden hätten ihr Schicksal ausgesucht, da sie sich in früheren Leben zumeist als Nichtjuden schuldig gemacht hätten.

1998 wurde Hockemeyer vom Amtsgericht Neuwied wegen Volksverhetzung in Tateinheit mit Beleidigung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Buch wurde im selben Jahr verboten. Am 30. Mai 2000 wurde das Urteil in zweiter Instanz mit kleinen Änderungen bestätigt.

Am 8. Dezember 2005 trat Hardo im RBB-Magazin Polylux auf. Helmut Lehner, der Leiter des Programmbereichs Film und Unterhaltung beim RBB, entschuldigte sich daraufhin bei der jüdischen Gemeinde für die Ausstrahlung. Im Mai 2006 veröffentlichte Hardo als „Experte“ einen Esoterik-Test in der Bildzeitung. Nach Protesten erklärte die Redaktion, nichts von seiner Verurteilung wegen Volksverhetzung gewusst zu haben, und kündigte an, künftig „nie wieder über diesen Mann (zu) berichten“.

Schriften

Sachbücher

Romane

Reiseberichte

CDs

Einzelnachweise

  1. ↑ Molar, d. i. Karl-Ernst Hockemeyer: Lebendiges Sein. Eine festliche Gabe aus der Fülle des Lebens. Otto Dikreiter Verlag, Überlingen am Bodensee 1951. Molar, d. i. Karl-Ernst Hockemeyer (Hg): "Versgedanken und Weltbetrachtungen. 5 Gedichte." Meersburg 1945.
  2. ↑ Vgl. Internetauftritt von Trutz Hardo: "Über mich - Trutz Hardo". Trutz Hardo als Weltreisender. Berlin. Abgerufen: 14. November 2018.
  3. ↑ Trutz Hardo: "Per Anhalter um die Welt: Das große Abenteuer - Weltreise Teil I und II", "Reise zu den Geistern Afrikas: Von Tunesien bis Kenia. Weltreise Teil III" und "Reise ins spirituelle Afrika: Von Zentralafrika bis Südafrika. Weltreise Teil IV".
  4. ↑ Vgl. tredition GmbH. Autoren. Trutz Hardo. Reise zu den Geistern Afrikas (Weltreise Teil III). Abgerufen: 14. November 2018.
  5. ↑ Vgl. Verlag "Die Silberschnur" GmbH. Hardo, Trutz. Bücher & mehr. Güllesheim. Abgerufen: 14. November 2018.
  6. ↑ Frank Brunssen: "Jedem das Seine" - zur Aufarbeitung des lexikalischen NS-Erbes. bpb 15. Oktober 2010.; Henryk M. Broder: beim RBB"Polylux" und der faule Apfel. Spon 26. Januar 2006.
  7. 1 2 3 Henryk M. Broder: Recherchefehler beim RBB: "Polylux" und der faule Apfel. In: Spiegel Online. 26. Januar 2006, abgerufen am 3. März 2016.
  8. 1 2 Birk Meinhardt: Rechtsextreme Esoterik – Arier im Mikrowellen-Krieg. In: sueddeutsche.de. 15. März 2008, abgerufen am 3. März 2016.
  9. ↑ Thomas Grumke, Bernd Wagner (Hrsg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen – Organisationen – Netzwerke. Vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Leske + Budrich, Opladen 2002, ISBN 3-8100-3399-5. S. 207f.
  10. ↑ Aktenzeichen 2101 Js 54963/96 – 12 Ls
  11. ↑ Frank Brunssen: „Jedem das Seine“ – zur Aufarbeitung des lexikalischen NS-Erbes – bpb. In: bpb.de. 15. Oktober 2010, abgerufen am 3. März 2016.
  12. ↑ "Bild" beschäftigt Volksverhetzer, 31. Mai 2006
Personendaten
NAME Hardo, Trutz
ALTERNATIVNAMEN Hockemeyer, Tom (wirklicher Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Autor und Esoteriker
GEBURTSDATUM 23. April 1939
GEBURTSORT Eisenach