Tuisto

Tuisto, hier Tuiscon (mit c) genannt (Nikolaus Stör c. 1543; Bildunterschrift: Burkard Waldis)

Tuisto ist laut der Germania  der Hauptgott der Germanen.  

“Celebrant carminibus antiquis (quod unum apud illos memoriae et annalium genus est) Tuisconem deum Terra editum et filium Mannum originem gentis conditorisque.”

„In ur-alten Liedern preisen sie (die Germanen) ihren erdgeborenen Gott – Tuisto, – dem sie seinen Sohn Mannus als Stammvater ihres Volkes (der Germanen) zuordnen.“

– C.Tacitus: Germania 2

  Anmerkungen:

Neuzeitliche Rezeption

Mit der Wiederentdeckung der Germania im 16. Jahrhundert wurde auch Tuisto wiederentdeckt, wobei auch verschiedene (fehlerhafte) Schreibweisen, wie Thuiskon, überliefert sind. Er fungierte fortan als Stammvater der deutschen Nation und wurde als solcher in unzähligen Werken zeitgenössischer Schriftsteller und Dichter verewigt. Im 16. Jahrhundert waren die Autoren noch darum bemüht, ihn in einen christlichen Kontext einzubetten und als Enkel oder Urenkel Noahs darzustellen. Diese Rezeption findet sich unter anderem bei folgenden Autoren:

Ascenas den man nennt Tuiscon /
Derselbig war deß Gomers Sohn
Den Japhet nach der Sündfluht gbar /
Wie solchs die Schrifft bezeuget klar /
Als Nymbrot Babylon nam ein
Vnd schätzt dasselbig für das sein /
Da daß gebew wardt auffgeführt /
Vnd die Sprachen daselbst verwirrt:
Blieb bey Tuiscon die Teutsche sprach
Vnd bey seinem geschlecht hernach:
Vom Vatter Noha gfertiget ab /
Der ihm auch disen rat eingab /
mit allen die von seinem Stam /
Daß Teutsche landt zu erst einnam /
Daselbst ein Regiment begundt. (…)

Tuiscons Seele lebt in unsrer Helden Leibern /
Sie führt wie Alemann die Löwen an der Hand /
Hat Hermion gemacht Kriegs-Helden auch aus Weibern /
So ist dem Herrmann auch die Kunst nicht unbekandt /
Wenn von Thußneldens Schwerdt / und von Ismenens Spißen
Geharnschte Fürsten falln und ihre Bůgel küssen.

Im 18. Jahrhundert löste sich Thuiskon vom christlichen Kontext und wird unter anderem von folgenden Autoren erwähnt:

Männer! Männer! euer Kampf ist Wirbelflamme,
Die erzne Thürm wie Heu verschlingt!
Vater Teut! die hier – sie sind von deinem Stamme!
Wie wider die Entarteten ihr Auge Unmuth winkt!
Vaterland! So ruf ich euern Seelen,
Wenn hunderttausend Feinde drohn!
Vaterland! könnt ihr noch Feinde zählen? (…)
Vaterland! An eurer Stirne glänzt Thuiskons Namen!

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Jaumann, Herbert (hrsg.). Diskurse der Gelehrtenkultur in der Frühen Neuzeit. Ein Handbuch. S. 110.
  2. ↑ ders., S. 112.
  3. ↑ Großmüthiger Feldherr Arminius
  4. ↑ Klopstocks „Thuiskon“