Tuna

Eine Tuna, auch Estudiantina (span.) oder Estudantina (port.), ist eine aus Mitgliedern einer Hochschule bestehende Musikgruppe in Spanien, Portugal und verschiedenen Ländern Lateinamerikas. In Portugal existiert der Begriff auch als Tuna Estudantil oder Tuna Académica, wobei die Bezeichnung Tuna auch andere als Verein organisierte Musikgruppierungen bezeichnen kann.

Die als Tunos bezeichneten Mitglieder studentischer Tunas singen von Zupf- und Perkussionsinstrumenten begleitete Lieder und tragen die traditionelle, in Spanien zumeist historische Studententracht ihrer jeweiligen Hochschule.

Eine Estudiantina in Guanajuato, Mexiko

Merkmale

Verbreitung

Tunas gibt es vorwiegend an spanischen und portugiesischen Universitäten, aber auch in Teilen Südamerikas. Die Tradition wird auch vereinzelt in anderen Ländern gepflegt, so entstanden beispielsweise seit den 1960er in den Niederlanden Tunas nach iberischem Vorbild. Tunas sind in der Regel an eine bestimmte Fakultät der Universität gebunden, seltener auch an eine Universität als Ganzes.

Der Großteil der Tunas besteht nur aus männlichen Mitgliedern, seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert gibt es aber auch zunehmend rein weibliche Tunas, die Tunas femeninas.

Musik

Die Tunos begleiten ihren Gesang mit Gitarren und Bandurrias. In Portugal wird statt der Bandurria üblicherweise eine Bandolim genannte Mandoline eingesetzt. Zur rhythmischen Begleitung wird die Pandereta benutzt. Neben diesen für die Tunas typischen Instrumenten können auch weitere Instrumente zum Einsatz kommen.

Geschichte

Die Ursprünge liegen im 13. und 14. Jahrhundert, als sich Studenten, die wegen ihrer Armut kaum ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten, in den Gaststätten für Essen oder Geld bekannte Lieder sangen. Oftmals wurden ihnen nur die Reste gewährt, die vom Tagesmenü übrig blieben, häufig nur einfache Wassersuppe. Sie wurden deshalb auch Sopistas genannt (von span./port.sopa ‚Suppe‘).

Im 16. Jahrhundert besserte sich die materielle Versorgung der Studenten. Somit diente der Gesang weniger als Gegenleistung für Almosen, dafür vermehrt dazu, um die Gunst von jungen Damen zu werben. In den Archiven der katalanischen Universität Lleida (Spanien) ist ein Verbot vermerkt, in der Nacht Gesangsrunden zu drehen, unter Androhung, die Instrumente zu konfiszieren. Unter der Regentschaft von Maria Christina wurde Mitte des 19. Jahrhunderts die Vereinsbildung zugelassen, worauf sich die Tunas heutiger Prägung bildeten.

Tunas in Spanien

Traditionen und Bräuche

Die Tunas haben viele Traditionen beibehalten. Mit ihrer Kleidung, die sie für ihre Auftritte anlegen, sind sie weithin zu erkennen. Auch Eigenschaften wie Geselligkeit, Spontanität und Abenteuerlust sind für die Tunos seit jeher kennzeichnend. Heutzutage sieht es so aus, dass man in den Kneipen fröhliche wie traurige Lieder vorspielt, um die Wünsche des Publikums zu befriedigen. Ein guter Tuno verdient sich somit schnell sein Trinkgeld.

Die Rondas sind Kneipen- oder Haustouren, wo jeweils Auftritte der Tuna exklusiv für Frauen zu sehen sind. Diese Führungen durch die örtlichen Betriebe haben eine sehr lange Tradition in den spanischen Tunas. Früher traf man sich in einer Kneipe, trank sich genug Mut an, um später unter dem Fenster seiner Angebetete und in Begleitung einer Tuna der Geliebten eine schöne Ballade vorzusingen.

Häufig werden Reisen in Verbindung mit Wettbewerben (certámenes) organisiert. In den ausgesuchten Plätzen kommt es oft zu Rondas, weil sich der Tuno sein Bett für die Nacht verdienen sollte. Meistens reagieren Zuschauer in fremden Städten sehr positiv auf die unbekannte Gruppe. Man kann sagen, dass Reisen einer der Höhepunkte des Tunalebens darstellen. Ein Tuno hat mindestens eine Reise zu machen, und zwar die Lehrlingsreise.

Certámenes für Tunas sind keine typischen Wettkämpfe. Im Vordergrund steht immer der Spaß an der Musik. Oft werden auch Preise wie „Fröhlichste Tuna“ oder „Bester Neuling“ vergeben. Ein Certámen bietet außerdem die Möglichkeit gute Kontakte mit anderen Tunas zu knüpfen, um zum Beispiel neue Lieder kennenzulernen oder einfach Reisetipps auszutauschen.

Kleidung der spanischen Tunas

Zur traditionellen Kleidung gehören die Mütze, der Jubón, die Beca, ein weißes Hemd, eine weite Hose, kniehohe Strümpfe und Schuhe:

Tunas in Portugal

Die Tunas sind Teil der studentischen Tradition in Portugal – anders als in Spanien verfügen sie aber über kein charakteristisches Musikrepertoire, dass mit einer eigenständigen música de tuna assoziiert werden könnte. Auch in ihrem Äußeren unterscheiden sie sich nicht von den anderen Studierenden, deren traditionelle Kleidung durch die Kombination von Capa e Batina ‚Umhang und Sutane‘ bestimmt ist. Im Wesentlichen besteht die studentische Kleidung aus einem weißen Hemd, einer schwarzen Krawatte, einer schwarzen Weste und einem schweren schwarzen Umhang, der bis zum Boden reicht und an dem verschiedene Aufnäher und Bänder von Fakultäten und Reisen angebracht werden können. Bedingt durch die kirchlichen Ursprünge des Bildungswesen, leiten sich die traditionellen Kleidungsstücke vom priesterlichen Talar her, der unter den stetigen bürgerlichen Einflüssen zur heutigen Form fand. Zum Ende des Studiums werden diese Kleidungsstücke rituell zerrissen, in neuerer Zeit jedoch oft nur noch symbolisch.

Tunas in anderen Ländern

Neben den zahlreichen Gruppierungen in Lateinamerika gibt es auch einige Tunas in europäischen Ländern, wie beispielsweise in den Niederlanden die Tuna Universitaria und die Tuna Femenina in Maastricht oder die von Studentinnen gegründete La Tuniña in Eindhoven.

Wiktionary: tuna – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Tunas (music) – Sammlung von Bildern und Videos

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 FACULTAD DE CIENCIAS DE LA SALUD - ¿Quieres saber más sobre la Tuna? - Universidad de Málaga. Abgerufen am 20. April 2024 (spanisch).
  2. ↑ Eduardo N. Cadilhe Veiga Coelho: La Tuna en Portugal. Abgerufen am 17. April 2026 (spanisch)
  3. ↑ Avatar Internet S.L.L: Tuna Femenina de Eindhoven - La Tuniña. Abgerufen am 20. April 2024 (spanisch).