Der Elfenbeinturm ist die Metapher eines geistigen Ortes der Abgeschiedenheit und Unberührtheit von der Welt.

Er hat seinen Ursprung als elfenbeinerner Turm im biblischen Hohen Lied 7,5 EU: „Dein Hals ist ein Turm aus Elfenbein“. Da Elfenbein in der christlichen Tradition als Symbol edler Reinheit gilt, ruft man die Jungfrau Maria in der Lauretanischen Litanei auch mit dem Attribut „Du elfenbeinerner Turm“ an.
Das heute übliche Verständnis des Elfenbeinturms als immaterieller Ort der Abgeschiedenheit und Unberührtheit, an dem sich vor allem Literaten und Wissenschaftler aufhalten, entstand im Laufe des 19. Jahrhunderts in Europa. Der früheste Beleg findet sich beim französischen Literaturkritiker und Schriftsteller Charles-Augustin Sainte-Beuve etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts, der es mit der Rede vom Elfenbeinturm auf eine literaturkritische Beschreibung eines möglichen Autorenstandpunkts absah. Im deutschen Sprachgebrauch ist der Elfenbeinturm in dieser Bedeutung zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals nachweisbar. In den 1950er und 1960er Jahren diente er insbesondere als Symbol für die Reformbedürftigkeit der deutschen Universitäten. So stellte etwa der Verband Deutscher Studentenschaften den 6. Deutschen Studententag 1960 unter das programmatische Motto Abschied vom Elfenbeinturm.
Forschung und Produktion von Kunst im Elfenbeinturm kennzeichnet einen Intellektuellen, der einzig für seine Aufgabe lebt und sich nicht um die gesellschaftlichen Folgen seiner Tätigkeit kümmert, sondern nur nach wissenschaftlicher und künstlerischer Wahrheit sucht. In seinem Buch Gegen den Strich etwa beschreibt Joris-Karl Huysmans das Leben eines degenerierten Aristokraten, der sich vor der Gesellschaft in einen selbstgeschaffenen Elfenbeinturm zurückzieht. Das Buch gilt als „Bibel der Dekadenz“ (vgl. auch l’art pour l’art). In dieser Verwendung mischt sich in dem Ausdruck Spott über einen weltabgeschiedenen Gelehrten mit der Bewunderung für einen Menschen, der sich mit all seiner Kraft einer edlen Aufgabe (deshalb Elfenbein) widmet.
Heute überwiegt der negative Beigeschmack des Begriffs, indem die Abkehr von einer praktischen Bedeutung der Wissenschaft kritisiert wird. Der Begriff selbst wird aber auch in Frage gestellt wird, mit dem Hinweis darauf, dass heutzutage ein weltabgeschiedenes Forschen eigentlich gar nicht möglich sei.